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Religion

Um zeitgemäße Interpretation von Jungsein

1945 1960 1980 2000 2020

Von 3. bis 28. Oktober kommen Bischöfe, aber auch Expert/inn/en und Jugendliche zur Bischofssynode zum Thema "Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung" zusammen. Die Missbrauchskrise überschattet die Versammlung längst über das Vorfeld hinaus.

1945 1960 1980 2000 2020

Von 3. bis 28. Oktober kommen Bischöfe, aber auch Expert/inn/en und Jugendliche zur Bischofssynode zum Thema "Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung" zusammen. Die Missbrauchskrise überschattet die Versammlung längst über das Vorfeld hinaus.

Bischofssynoden haben eine lange Vorlaufzeit. Von daher ist die Versammlung, die ab 3. Oktober zum Thema Jugend in Rom tagen wird, ein Mehrjahresprojekt, dass auch über aktuellen Krisen stehen sollte. Dennoch wird deren Wahrnehmung diesseits wie jenseits des Atlantiks stark von den aktuellen Missbrauchsdebatten bestimmt. Das geht sogar so weit, dass einige überhaupt verlangten, man möge die Synode absagen, denn die Kirche habe in der öffentlichen Beurteilung zurzeit keine Kompetenz, zum Thema Jugend etwas zu sagen -zumindest gelte das solange, bis die katholische Kirche glaubwürdig mit der Missbrauchskrise umgegangen sei.

Einer, der dies äußerte, ist Erzbischof Charles Joseph Chaput von Philadelphia, der zum konservativen Kirchenflügel unter den US-Bischöfen gehört, und der in der Affäre um die Anschuldigungen von Ex-Nuntius Carlo Maria Viganò, diesem Glaubwürdigkeit attestierte und zumindest implizit dessen Kritik an Papst Franziskus bekräftigte. Und es gibt bereits bischöfliche Absagen wegen der Missbrauchskrise. So zog der niederländische Jugendbischof Robert Mutsaerts seine Teilnahme an der Jugendsynode zurück. Es sei nicht "die richtige Zeit" für eine Jugendsynode, so Mutsaerts. Auch Kardinal Joseph Tobin, der Erzbischof von Newark, den Franziskus selber als Synodenteilnehmer nominiert hatte, wird nicht nach Rom kommen. Der liberale Tobin, der unter den US-Bischöfen zu den prononcierten Unterstützern des Papstes gehört, bleibt aber deswegen zu Hause, weil er, wie er in einem Hirtenbrief erklärte, ob der Missbrauchskrise in seiner Erzdiözese gebraucht werde und nicht einen Monat lang abwesend sein könne.

Dabei war Tobin erst Mitte September als Teilnehmer berufen worden. Neben den Vertretern der einzelnen Bischofskonferenzen - für Österreich fährt Jugendbischof Stephan Turnovszky nach Rom - hat der Papst eine Reihe von Bischöfen und Nichtbischöfen für die Synode nominiert (zur neuen Synodenordnung siehe unten). Dazu zählen u. a. der deutsche Bischofs-Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx und der Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich, der auch Vorsitzender der EU-Bischofskommission COMECE ist, sowie Frère Alois, der aus Deutschland stammende Prior der ökumenischen Mönchsgemeinschaft von Taizé. Als ständiges Mitglied des Synodenrats nimmt auch der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn an der Synode teil.

Umfassender Blick auf die Jungen

Neben dem absagenden US-Kardinal Tobin findet sich auch Kardinal Blaise Cupich von Chicago, der gleichfalls zu den "Bergoglianern" im US-Episkopat zählt. Das Präsidium hat der Papst mit vier Dritte-Welt-Kardinälen besetzt: dem irakischen Patriarchen der chaldäischen Kirche, Louis Sako, dem madegassischen Erzbischof Désiré Tsarahazana, dem Erzbischof von Rangun/Myanmar, Charles Maung Bo, sowie John Ribat aus Port Moresby/Papua-Neuguinea. Auch der wichtige Posten des Generalrelators, der als Berichterstatter großen Einfluss auf die Formulierung der Synodenergebnisse hat, kommt aus dem Süden -es ist Kardinal Sergio da Rocha von Brasilia.

Das Leitwort der Synode lautet "Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung": Es soll in den drei Wochen um die Lebenswelt von etwa 1,8 Milliarden Menschen zwischen 16 bis 29 Jahren gehen. Dazu legte der Vatikan Mitte Juni ein umfassendes Arbeitspapier vor, das die Ergebnisse mehrerer Umfragen sowie einer "Vorsynode" Ende März in Rom unter Beteiligung Jugendlicher bündelt. Dieses "Instrumentum laboris" (Arbeitspapier) will eine umfassende Sicht auf die Lage der Jugend und ihre Glaubens-und Lebensentscheidungen bieten. Es dient den Synodenteilnehmern als Beratungsgrundlage.

Als Vertreter der Jugendlichen werden in der Synodenaula auch etwa 40 junge Leute aus aller Welt sitzen. Sie werden, genauso wie einige Fachleute und Beobachter unterschiedlicher Organisationen, Konfessionen und Glaubensgemeinschaften, als sogenannte "Auditores" (Gasthörer) eingeladen. Diese können sich bei den Beratungen einbringen, haben aber kein Stimmrecht. Zusätzlich lädt der Papst am 6. Oktober zu einer eigenen Begegnung mit tausenden jungen Menschen im Vatikan. Franziskus will dort gemeinsam mit den Synodenvätern die Jugendlichen anhören und ihre Vorschläge aufnehmen, um sie in das Abschlussdokument der Synode einfließen zu lassen.

Auch das "Instrumentum laboris" nimmt an vielen Stellen Aussagen junger Menschen in den Blick. Dabei wird wiederholt der Wunsch Jugendlicher nach einer "authentischen Kirche" angesprochen. Dass sich viele junge Leute von der Kirche entfernen, habe auch "ernsthafte und ernstzunehmende Gründe". Das Arbeitspapier geht unter anderem auch auf Familie und Single-Dasein, Generationenunterschiede, Auswirkungen des digitalen Wandels, Drogen, Migration, Arbeitslosigkeit, Globalisierung, Gesellschaft, Gerechtigkeit, Glaube, Kirche, Verweltlichung sowie Sport und Musik ein. Und zumindest anklingen lässt das Dokument die Notwendigkeit einer Null-Toleranz-Politik in den Missbrauchscausen.

Vieles, was im Vorbereitungsdokument analysiert und angesprochen wird, deutet darauf hin, dass es dessen Autoren um eine zeitgemäße Interpretation von Jungsein geht. Man kann aber -nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen der Familiensynoden 2014/2015 - auch sicher sein, dass der konservative Kirchenflügel gegen die Prämissen und Schlussfolgerungen des "Instrumentum laboris" mobil machen wird. Der bereits erwähnte Erzbischof von Philadelphia, Chaput, warnte bereits vor "Naturalismus","Luthertum" und "Relativismus", die er aus dem Arbeitspapier zur Synode herauszulesen glaubt. Auch wenn es um die Jugend der Kirche gehen soll: Die Grabenkämpfe zwischen konservativen Hardlinern und Vertretern kirchlicher Öffnungen und Offenheit werden wohl auch auf der nun beginnenden Synode weiter ausgetragen werden.

Bischofssynoden haben eine lange Vorlaufzeit. Von daher ist die Versammlung, die ab 3. Oktober zum Thema Jugend in Rom tagen wird, ein Mehrjahresprojekt, dass auch über aktuellen Krisen stehen sollte. Dennoch wird deren Wahrnehmung diesseits wie jenseits des Atlantiks stark von den aktuellen Missbrauchsdebatten bestimmt. Das geht sogar so weit, dass einige überhaupt verlangten, man möge die Synode absagen, denn die Kirche habe in der öffentlichen Beurteilung zurzeit keine Kompetenz, zum Thema Jugend etwas zu sagen -zumindest gelte das solange, bis die katholische Kirche glaubwürdig mit der Missbrauchskrise umgegangen sei.

Einer, der dies äußerte, ist Erzbischof Charles Joseph Chaput von Philadelphia, der zum konservativen Kirchenflügel unter den US-Bischöfen gehört, und der in der Affäre um die Anschuldigungen von Ex-Nuntius Carlo Maria Viganò, diesem Glaubwürdigkeit attestierte und zumindest implizit dessen Kritik an Papst Franziskus bekräftigte. Und es gibt bereits bischöfliche Absagen wegen der Missbrauchskrise. So zog der niederländische Jugendbischof Robert Mutsaerts seine Teilnahme an der Jugendsynode zurück. Es sei nicht "die richtige Zeit" für eine Jugendsynode, so Mutsaerts. Auch Kardinal Joseph Tobin, der Erzbischof von Newark, den Franziskus selber als Synodenteilnehmer nominiert hatte, wird nicht nach Rom kommen. Der liberale Tobin, der unter den US-Bischöfen zu den prononcierten Unterstützern des Papstes gehört, bleibt aber deswegen zu Hause, weil er, wie er in einem Hirtenbrief erklärte, ob der Missbrauchskrise in seiner Erzdiözese gebraucht werde und nicht einen Monat lang abwesend sein könne.

Dabei war Tobin erst Mitte September als Teilnehmer berufen worden. Neben den Vertretern der einzelnen Bischofskonferenzen - für Österreich fährt Jugendbischof Stephan Turnovszky nach Rom - hat der Papst eine Reihe von Bischöfen und Nichtbischöfen für die Synode nominiert (zur neuen Synodenordnung siehe unten). Dazu zählen u. a. der deutsche Bischofs-Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx und der Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich, der auch Vorsitzender der EU-Bischofskommission COMECE ist, sowie Frère Alois, der aus Deutschland stammende Prior der ökumenischen Mönchsgemeinschaft von Taizé. Als ständiges Mitglied des Synodenrats nimmt auch der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn an der Synode teil.

Umfassender Blick auf die Jungen

Neben dem absagenden US-Kardinal Tobin findet sich auch Kardinal Blaise Cupich von Chicago, der gleichfalls zu den "Bergoglianern" im US-Episkopat zählt. Das Präsidium hat der Papst mit vier Dritte-Welt-Kardinälen besetzt: dem irakischen Patriarchen der chaldäischen Kirche, Louis Sako, dem madegassischen Erzbischof Désiré Tsarahazana, dem Erzbischof von Rangun/Myanmar, Charles Maung Bo, sowie John Ribat aus Port Moresby/Papua-Neuguinea. Auch der wichtige Posten des Generalrelators, der als Berichterstatter großen Einfluss auf die Formulierung der Synodenergebnisse hat, kommt aus dem Süden -es ist Kardinal Sergio da Rocha von Brasilia.

Das Leitwort der Synode lautet "Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung": Es soll in den drei Wochen um die Lebenswelt von etwa 1,8 Milliarden Menschen zwischen 16 bis 29 Jahren gehen. Dazu legte der Vatikan Mitte Juni ein umfassendes Arbeitspapier vor, das die Ergebnisse mehrerer Umfragen sowie einer "Vorsynode" Ende März in Rom unter Beteiligung Jugendlicher bündelt. Dieses "Instrumentum laboris" (Arbeitspapier) will eine umfassende Sicht auf die Lage der Jugend und ihre Glaubens-und Lebensentscheidungen bieten. Es dient den Synodenteilnehmern als Beratungsgrundlage.

Als Vertreter der Jugendlichen werden in der Synodenaula auch etwa 40 junge Leute aus aller Welt sitzen. Sie werden, genauso wie einige Fachleute und Beobachter unterschiedlicher Organisationen, Konfessionen und Glaubensgemeinschaften, als sogenannte "Auditores" (Gasthörer) eingeladen. Diese können sich bei den Beratungen einbringen, haben aber kein Stimmrecht. Zusätzlich lädt der Papst am 6. Oktober zu einer eigenen Begegnung mit tausenden jungen Menschen im Vatikan. Franziskus will dort gemeinsam mit den Synodenvätern die Jugendlichen anhören und ihre Vorschläge aufnehmen, um sie in das Abschlussdokument der Synode einfließen zu lassen.

Auch das "Instrumentum laboris" nimmt an vielen Stellen Aussagen junger Menschen in den Blick. Dabei wird wiederholt der Wunsch Jugendlicher nach einer "authentischen Kirche" angesprochen. Dass sich viele junge Leute von der Kirche entfernen, habe auch "ernsthafte und ernstzunehmende Gründe". Das Arbeitspapier geht unter anderem auch auf Familie und Single-Dasein, Generationenunterschiede, Auswirkungen des digitalen Wandels, Drogen, Migration, Arbeitslosigkeit, Globalisierung, Gesellschaft, Gerechtigkeit, Glaube, Kirche, Verweltlichung sowie Sport und Musik ein. Und zumindest anklingen lässt das Dokument die Notwendigkeit einer Null-Toleranz-Politik in den Missbrauchscausen.

Vieles, was im Vorbereitungsdokument analysiert und angesprochen wird, deutet darauf hin, dass es dessen Autoren um eine zeitgemäße Interpretation von Jungsein geht. Man kann aber -nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen der Familiensynoden 2014/2015 - auch sicher sein, dass der konservative Kirchenflügel gegen die Prämissen und Schlussfolgerungen des "Instrumentum laboris" mobil machen wird. Der bereits erwähnte Erzbischof von Philadelphia, Chaput, warnte bereits vor "Naturalismus","Luthertum" und "Relativismus", die er aus dem Arbeitspapier zur Synode herauszulesen glaubt. Auch wenn es um die Jugend der Kirche gehen soll: Die Grabenkämpfe zwischen konservativen Hardlinern und Vertretern kirchlicher Öffnungen und Offenheit werden wohl auch auf der nun beginnenden Synode weiter ausgetragen werden.