Digital In Arbeit

Viele Stationen

1945 1960 1980 2000 2020

Seit Aschermittwoch ist im Dom zu Gurk das berühmte Fastentuch aufgezogen, ein wichtiges Glaubenszeugnis aus der Spätgotik.

1945 1960 1980 2000 2020

Seit Aschermittwoch ist im Dom zu Gurk das berühmte Fastentuch aufgezogen, ein wichtiges Glaubenszeugnis aus der Spätgotik.

Mit rund 90 Quadratmetern zählt das Gurker Fastentuch zu den größten und ältesten Fastentüchern: Am 8. April 1458 vollendete Meister Konrad von Friesach das aus Leinen gefertigte, kostbare Textil. Es gibt im deutschen Sprachraum kein früheres "Hungertuch", das mit figuralen Szenen ausgestattet ist.

Auf 99 Bildfeldern werden 108 biblische und nichtbiblische Begebenheiten dargestellt. Das Tuch ist mit einer vertikalen Halbierung versehen: Die Bilder der linken Hälfte sind Geschichten des Alten Testaments, die rechte Hälfte stellt das Neue Testament dar. Diese - gleichberechtigte - Aufteilung von Begebenheiten aus dem Altem und dem Neuen Bund ist nicht selbstverständlich, wurde doch seit dem Spätmittelalter auch in der christlichen Kunst das Alte Testament gegenüber dem Neuen stark zurückgedrängt: Das Gurker Fastentuch steht aber in der Tradition der mittelalterlichen "Biblia pauperum", die nicht nur das eigentliche Erlösungswerk Christi thematisierte, sondern die Heilsgeschichte - beginnend bei Erschaffung der Welt - den oft leseunkundigen Gläubigen nahebringen wollte.

Interessant ist, daß Abbildungen des Sündenfalls und des Tanzes ums Goldene Kalb fehlen, andere Schlüsselgeschichten des Alten Bundes hingegen (Jakobsleiter, Auszug der Israeliten aus Ägypten, die Ijob-Erzählung, der leidende Gottesmann bei Jesa-ja ...) geben ein beredtes Zeugnis mittelalterlicher Frömmigkeit.

Bei den neutestamentlichen Darstellungen fallen gegenüber anderen Fastentüchern die zahlreichen Wunder Jesu auf; mitunter sind mehrere Szenen in ein Bild gefaßt (etwa die Fußwaschung und das Letzte Abendmahl).

Folgerichtig endet die Nacherzählung der Bibel im Gurker Fastentuch mit dem Weltgericht. Hier zeigt sich die - auch für heute gültige - christliche Deutung der Geschichte besonders: Viele Stationen sind es - von der Erschaffung der Welt bis zur Vollendung in Gott.

Führungen: täglich 10.30, 13.30 und 15.00 Uhr sowie nach Vereinbarung. Informationen und Anmeldung: Tel. 04266/8236-12, Fax -16, E-Mail: dom.zu.gurk@happynet.at

FURCHE-Navigator Vorschau