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Von Anfang an umstritten

Unterschiedliche christlichen Traditionen zeigen sich beim Fest Epiphanie - Erscheinung des Herrn - am 6. Jänner: Im Westen begeht man an diesem Tag das Dreikönigsfest, Ostkirchen hingegen feiern Weihnachten.

Aus mehreren Gründen existieren Missverständnisse über das Epiphaniefest. Eine der Ursachen ist in der gregorianischen Kalenderreform des 16. Jahrhundert begründet: Diese korrigierte die Fehler des bis dahin verwendeten Julianischen Kalenders und passte ihn so dem natürlichen Jahr besser an. So kommt es, dass eine ganze Reihe von Kirchen, die diese Kalenderreform nicht übernommen haben, am 6. Jänner den Heiligen Abend feiern. Für die russisch-orthodoxe Kirche beispielsweise fällt der 25. Dezember auf den 7. Jänner unserer Zählung.

Richtiger Weihnachtstermin

Eine ganz andere Problematik zeigt sich bei der armenischen Tradition. Diese folgt noch heute der altkirchlichen Sitte, nach welcher der Osten an Epiphanias der Geburt Jesu gedachte. Aus dem vierten und fünften Jahrhundert sind faszinierende Auseinandersetzungen zu dieser Frage überliefert. So kann man sehr schön die unterschiedlichen Argumente, ob nun am 25. Dezember oder am 6. Jänner die Geburt Jesu gefeiert werden müsse, aus einer Predigt des Hieronymus ableiten: Dieser folgte gegen Ende des vierten Jahrhunderts in Betlehem der westlichen Tradition und feierte am 25. Dezember das Fest der Geburt Christi. In Jerusalem hingegen beging man damals an Epiphanias die Geburt Jesu. Die Argumente sind so einfach wie überzeugend: Weil Jesus in der Nähe von Jerusalem das Licht der Welt erblickt hat, müsse man dort am besten wissen, wann er geboren worden sei. Dies sei am 6. Jänner geschehen.

Hieronymus hält dieser Argumentation entgegen, dass die Apostel von Jerusalem aus in die ganze Welt gezogen seien und sich deshalb Jerusalem der Praxis der restlichen Christenheit zu fügen habe. Mit der Einführung des Weihnachtsfestes im Osten änderte sich dort selbstverständlich der Festgegenstand von Epiphanias, man gedenkt an diesem Tag der Taufe Jesu, in der römischen Tradition hingegen ist es der Tag der Heiligen drei Könige.

Die Argumente der beiden Seiten liegen im vierten Jahrhundert sehr klar auf dem Tisch, jeder ist überzeugt davon, den historisch "richtigen" Termin für die Geburt Jesu zu kennen. Und doch ist die Forschung weitgehend davon überzeugt, dass die so genannte religionsgeschichtliche Hypothese die Entstehung von Epiphanias am besten zu erklären vermag, dass also außerkirchliche Vorläuferfeste die Einführung von Epiphanias erzwungen hätten.

Ein möglicher Hinweis auf Epiphanias begegnet erstmals gegen Ende des zweiten Jahrhunderts. Clemens von Alexandrien berichtet davon, dass die Schüler des Basilides am 10. Jänner ein Fest der Taufe Jesu feiern. Einige, so fügt er an, täten dies auch am 6. Jänner. Diese Schüler des Basilides waren eine Gruppierung, die sicherlich nicht als Teil der Großkirche angesehen werden können. Und doch sind viele Liturgiewissenschaftler und Kirchengeschichtler davon überzeugt, dass wir in ihrem Fest eine wichtige Vorstufe der christlichen Feier am 6. Jänner zu sehen haben.

Frühe Christen in Ägypten

Ein wichtiger Grund für diese Auffassung scheint in einer Forschungslegende zu liegen: Häufig wird vertreten, dass gerade in Ägypten das Christentum überhaupt erst im Laufe der ersten zwei Jahrhunderte großkirchlich geworden sei, dass vorher verschiedenste Häresien die kirchliche Landschaft geprägt hätten. Und auf diesem Hintergrund wäre es natürlich nur verständlich, wenn dieses Fest der häretischen Basilidianer im Rahmen der skizzierten Entwicklung Eingang in die Großkirche gefunden hätte.

Allerdings sind gerade die ältesten Papyri, die im weitesten Sinne christliche Texte überliefern, Zeugen großkirchlicher Schriften. Häretische Texte begegnen erst in späterer Zeit. Dies scheint ein wichtiges Indiz dafür, dass die Forschung in dieser Frage in die Irre geht. Die Tatsache, dass letztlich für die ersten zwei Jahrhunderte keine gesicherten Nachrichten über das Christentum in Ägypten existieren, kann nicht als Argument für die "dunklen Anfänge" des Christentums in dieser Region herangezogen werden.

Was nun die Übernahme von Epiphanias angeht, so ist zu bedenken, dass der erste zuverlässig datierte Beleg einer Feier aus Gallien aus dem Jahr 361 stammt. Warum sollte eine nicht mehr innerhalb der Kirche angesiedelte Gruppierung des zweiten Jahrhunderts, von der im vierten Jahrhundert keine nennenswerten Nachrichten mehr existieren, den Festkalender der Kirche beeinflusst haben? Teilweise wird auch von Forschern darauf hingewiesen, dass zusätzlich eine Verbindung zu einem Dionysosfest am 5./6. Jänner bestehen soll. Damals war in einigen Gebieten die Hochzeit zu Kana ein ergänzender Festinhalt von Epiphanias - und auch das Dionysosfest war mit einem Weinwunder verbunden. So einleuchtend die Parallelität der Feiern scheint, so unwahrscheinlich erweist sich eine Verbindung bei genauerem Hinsehen.

Gerade die Situation der ägyptischen Kirche scheint in besonderer Weise gegen die Übernahme eines Festes zu sprechen, das in irgendeiner Form auf zweifelhafter Überlieferung beruht oder in häretischen Kreisen entstanden sein könnte. Im vierten Jahrhundert zerreißt ein Schisma die ägyptische Kirche, zwischen Hardlinern und Pragmatikern ist kein Gespräch mehr möglich. Die blutigen Verfolgungen unter Kaiser Diokletian Anfang des vierten Jahrhunderts hatten dazu geführt, dass eine Vielzahl von Gläubigen in irgendeiner Form ihren Glauben verleugnete, um den staatlichen Repressalien zu entgehen. Während der großkirchlich gesinnte Bischof Petrus von Alexandrien dieser Gruppe von Gläubigen gegenüber Barmherzigkeit walten ließ, wandte sich Melitios von Lykopolis in Mittelägypten gegen diese Haltung und verlangte härtere Strafen für die, welche heidnischen Göttern geopfert hatten. Da keine Einigung möglich war, führte dies zu einer Kirchenspaltung in Ägypten. Die Anhänger des Melitios bildeten im vierten Jahrhundert eine sehr starke Gruppierung, die vor allem in den südlicheren Teilen Ägyptens viele Anhänger zählte. Als Selbstbezeichnung, die auch außen auf den Kirchen zu lesen war, wählte diese Gruppe den Namen "Kirche der Märtyrer".

Keine heidnischen Wurzeln

Das Miteinander dieser beiden Gruppierungen war nicht von Feingefühl und Rücksichtnahme geprägt, man unterstellte sich gegenseitig sehr viel. Und so fällt auf, dass Bischof Athanasius von Alexandrien - er war der Nachfolger des oben erwähnten Petrus - die Begräbnissitten dieser Gruppe sehr scharf kritisiert. Ihre Praxis, die mumifizierten Leichen der verstorbenen Märtyrer auf Gestellen aufzubewahren, statt diese zu beerdigen, geißelt er als Übernahme heidnischer Praktiken.

Vor diesem Hintergrund scheint es unvorstellbar, dass ein Fest mit heidnischen oder häretischen Wurzeln in die Kirche aufgenommen worden wäre, ohne dass zumindest Spuren einer Diskussion dieser Frage zu finden wären. Wenn man dem großen Bischof Athanasius hätte vorwerfen können, er feiere ein heidnisches oder häretisches Fest, hätten es seine Gegner getan. Für einen derartigen Schlagabtausch lassen sich keine Quellen finden. Insofern scheint die gängige wissenschaftliche Erklärung für die Einführung dieses Festes nicht tragfähig.

Der Autor forscht als APART-Stipendiat der österr. Akademie der Wissenschaften in der Papyrussammlung der Nationalbibliothek.

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