Digital In Arbeit
Religion

Was macht guten Journalismus aus?

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Seit Dezember gibt es auf Radio Klassik Stephansdom ein neues Medienmagazin. Das von "Inspiris Film" und dem "Verein zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien"(VsUM) entwickelte Format geht jeden dritten Samstag im Monat von 17.00 bis 18.00 Uhr on air. Content -Das Medienmagazin kann dann auch als Podcast von Radio Klassik Stephansdom nachgehört sowie in einem Videostream gesehen werden. Auch die FURCHE kooperiert mit Content und dokumentiert pointierte Aussagen aus den einzelnen Sendungen.

Golli Marboe vom VsUM diskutiert in jeder Content-Ausgabe mit drei Journalist(inn)en zu einem relevanten Medienthema. Bei der ersten Sendung am 22. Dezember war "Medien als Archiv und Geschichtsbuch - Wer wird uns morgen sagen, was heute stattgefunden hat?" das Thema, mit dem sich Helmut Brandstätter (Kurier), Georg Pulling (Kathpress) und Anna Wallner (Die Presse) auseinandersetzten.

Golli Marboe: Inwiefern bestimmen Journalisten, was morgen in den Geschichtsbüchern stehen wird?

Helmut Brandstätter: Inwiefern bestimmen Journalisten überhaupt noch etwas? Die Lage hat sich ja ganz massiv geändert. Jetzt kann man sagen: Das ist Demokratisierung durch das Internet, die gleichzeitig eine Chaotisierung mit sich gebracht hat und einen Immer-schneller-Effekt. Wir Journalisten jagen die Politiker, die Politiker jagen uns

Die Frage ist, ob die Sau, die wir heute durchs Dorf treiben, morgen noch jemanden interessiert. Deswegen stelle ich die These auf: Es gibt nur ganz wenig, was wirklich in den Geschichtsbüchern landen wird.

Marboe: Ist Journalismus von heute vielleicht doch eher ein ordnender, ein kuratierender? Ist es überhaupt noch die Berichterstattung, oder wäre es nicht längst der Kommentar, der Journalismus ausmacht?

Anna Wallner: Der Meinungsjournalismus muss auf der einen Seite bestehen, aber der Berichtsjournalismus ist weiter wichtig, gerade, wenn man kritisiert, dass es zu einseitig gefärbte Berichterstattung durch politische Plattformen gibt. Aber ich glaube, wir müssen uns davon verabschieden, dass alle das "Grundrauschen" bringen müssen, das über Agenturen kommt, das orf.at minütlich abbildet und das man dauernd digital abrufen kann. Ich rede vor allem vom Printsektor, den man ja gar nicht mehr so nennen sollte, sondern von den einstigen gedruckten Medien, Qualitätszeitungen. Das erfordert mehr Mut zur Lücke. Gleichzeitig muss ich überlegen: Wofür stehe ich, was kann ich gut?

Marboe: Wie ist das beim Agenturjournalisten von der "Kathpress": Seid ihr überhaupt Journalisten oder seid ihr nicht auch sozusagen eine Art von Mitarbeitern wie etwa Minister Kickl seine Mitarbeiter hat.

Georg Pulling: So sehe ich mich ganz sicher nicht! Bei uns spielt Objektivität wirklich eine große Rolle. Es gelingt nicht immer, manchmal besser, manchmal schlechter. Jetzt könnte man diskutieren, was Objektivität wirklich heißt, aber wir machen sicher keine Propaganda, sondern sind auch von unserem Redaktionsstatut her verpflichtet, dass wir wirklich Informationen liefern, die auch diesen Namen verdienen. Wir bemühen uns. Wir kommen auch ganz gut in die Qualitätsmedien hinein. Aber wir haben ein Riesenproblem damit, in die anderen Medien hineinzukommen. Da bin ich pessimistisch: Es gibt die, die noch Qualitätsmedien konsumieren, und es gibt die vielen anderen, die die FPÖ-Blase oder die SPÖ-Blase - oder was auch immer im Internet -konsumieren. Und das geht nicht recht zusammen.

Marboe: Was sind denn Haltungen und Prinzipien, die Journalisten ausmachen ?"

Brandstätter: Der Kurier hat ein Redakteursstatut. Da stehen Werte drinnen, denen wir uns verpflichtet fühlen. Das ist z. B. die europäische Einigung, dafür stehen Kurier-Journalisten, dann natürlich das demokratische Prinzip, aber auch die Ablehnung von Rassismus etc. Das sind Dinge, die für uns wichtig sind. Das ist eigentlich selbstverständlich, aber ich finde es gut, dass es aufgeschrieben ist. Darüber hinaus halte ich es für notwendig, das nötige Selbstbewusstsein zu haben, um zu unterscheiden, was richtig ist und was nicht.

Pulling: Im Großen und Ganzen kann ich das unterschreiben -Demokratie, Menschenrechte, diese Grundwerte. Für die Kathpress-Redaktion nehme ich dazu eine grundsätzlich positive Einstellung zur Kirche und zu dem, was das Christentum betrifft Wallner: Ich kann auch nicht viel anderes sagen. Nachdem die Presse eine Spur älter ist als die beiden anderen Medien, haben wir auch schon länger ein Redaktionsstatut, in dem die Werte christlich, sozial sowie liberal-bürgerliche Elemente verankert sind. Diese Art von Haltung sollte jedem Journalisten innewohnen -das ist dann hoffentlich auch der größte Unterschied zu den anderen Medien in dieser vernetzten Welt. Und wenn wir mündige Leser großziehen, dann hoffe ich noch immer, bleibe optimistisch, dass man den Unterschied zwischen diesen Medien und Haltungen, die dahinterstehen, auch irgendwie transportiert, und dass diese in Zukunft nicht völlig irrelevant werden.

Demnächst: Content -Das Medienmagazin Religion in den Medien: Verkündigung oder Journalismus? Mit Barbara Krenn/ORF, Beate Busch/Bibel TV, Otto Friedrich/FURCHE, Michaela Pilters/ZDF, Sa 19.1., 17.00 Uhr Radio Klassik Stephansdom radioklassik.at/medienmagazin