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WEGWHSUNG für die Priester

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Am Gründonnerstag dieses Jahres wurde von der römischen Kongregation fiir den Klerus ein „Direktorium fiir Dienst und Leben der Priester" publiziert.

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Am Gründonnerstag dieses Jahres wurde von der römischen Kongregation fiir den Klerus ein „Direktorium fiir Dienst und Leben der Priester" publiziert.

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Auf der Bischofssynode 1990, die sich mit den Berufungen befaßte, entstand das Anliegen einer Hilfe für jeden Priester, im besonderen den diözesanen Weltpriester. Das gut 100 Seiten umfassende neue Direktorium enthält Anregungen für ein erfülltes Priesterleben und umfaßt dabei sowohl Grundsätzliches als auch Praktisches.

Auf den ers|;en Blick fragt man sich, wozu nun dieses Direktorium, da doch erst vor zwei Jahren das Nachsynodale Apostolische Schreiben „Pastores dabo vobis" von Papst Johannes Paul II. über eine zeitgemäße Priesterbildung veröffent-icht wurde.

Während aber Pastores dabo vobis auf die Fragen der Priesterberufung und Priesterausbildung Bezug nimmt, geht das neue Priesterdokument in drei Kapiteln auf die Wurzeln der Identität, der Spiritualität und der ständigen Weiterbildung (formatio permanens) der Priester ein.

ANFORDERUNGSPROHL

Im Hinblick auf eine postchristliche Zeit, in der sich Europa großteils befindet, ist es eine begrüßenswerte Darlegung Roms, die sich mit der Frage beschäftigt, welchem Anforderungsprofil ein Priester heute entsprechen soll. Man wollte entsprechend den Intentionen des Zweiten Vaticanums und der aktuellen Anregungen des gesamten Weltepiskopats neu klären, wie ein Priester im Geiste Christi leben und wirken kann.

Es ist ein Hauptanliegen dieses Schreibens, die Realität des Amts-priestertums zu betonen. Die Priester partizipieren auf untergeordneter Stufe am einzigen Priestertum Christi. Sie sollen als „lebendige Ikonen Christi" im empfangenen Weihesakrament die vie fältige Hingabe des Herrn an seine Kirche entfalten (Artikel 13). Sie vollbringen das, was Christus als Haupt seines Leibes allein zukommt.

Der eigentliche Auftrag des geweihten Priester ist es, im Geiste Christi für die Heiligung, Lehre und Leitung des ganzen Gottesvolkes zu sorgen. Dieser Auftrag prägt die hierarchische Verfassung der Kirche und setzt den Ansprüchen von Demokratie und Mitbestimmung - deren Wert in der zivilen Gese Ischaft ausdrücklich gewürdigt wird -natürliche Grenzen. Das Dokument unterstreicht in diesem Zusammenhang, daß sich Mitbestimmung in der Kirche nicht auf demokratisches Recht berufen kann, sondern „auf dem Geheimnis der Glaubensgemeinschaft" gründet.

Zwar wird mit Recht von den Aufgaben gefordert, die „Christus und die Kirche ... gläubigen Laien" anvertrauen (Artikel 16), doch sollte durch das Neuentdecken des gemeinsamen Priestertums aller Getauften und Gefirmten der Unterschied zum Amtspriestertum nicht eliminiert werden.

Wozu DIE WEIHE?

Dieser Punkt spielt für den Priester und den Priesterseminaristen eine wichtige Rolle: Was macht den Priester zum Priester? Wozu erbitte ich die Weihe? Wie läßt sich das Amtspriestertum mit den Aufgaben und der Mitverantwortung gläubiger Laien verbinden?

In unseren Ländern spitzen sich diese Fragen durch den Einsatz hauptamtlicher Laien, die eine den Priestern ebenbürtige Ausbildung haben, zu. Diesen Punkt berücksichtigt das Dokument nicht. Ebenso fenlen uns Priestern im deutschsprachigen Raum Hinweise auf unseren nipnet in oinpr Fntwirklnntr dip vnn zunehmendem Priestermangel geprägt ist.

Die Spiritualität des Priesters wurzelt im Grundanliegen, Christus gleichförmig zu werden durch Gebet und Dienst und ein Leben in Gemeinschaft mit Mitbrüdern (vita communis), was für die Priester in einer von Unverständnis und Isolation geprägten Zeit besonders notwendig ist. In unseren Diözesen gibt es die klassische Form der Pfarrhaushälterin immer seltener, umso wichtiger werden gerade für die jüngeren Priester und Priesterseminaristen neue Formen des Zusammenlebens im Pfarrhaus, die auch das gemeinsame Gebet miteinschließen.

In einem umfangreichen Teil des Direktoriums wird auf den Wert der evangelischen Räte (Armut, Gehorsam, Ehelosigkeit) hingewiesen. Beim Thema Eucharistie wird auf die tägliche Zelebration beziehungsweise Konzelebration der heiligen Messe hingewiesen, auch dann, „wenn dafür keine Gläubigen zu sammpnknmmpn snlltpn" Dip heili Messe in geistlicher Verbunden-eit mit der nicht anwesenden Gemeinde ist heilvoll, wie im Direktorium hingewiesen wird (Artikel 39), doch fehlt es dafür in unseren Gemeinden und Presbyterium weitgehend an Verständnis.

Erfrischend deutlich wird im Priesterdokument auf die Weiterbildung in verschiedenen Anliegen hingewiesen. Das Studium der heiligen Schrift, der Kirchenväter und

?-oßer Heihger aber auch aktueller hemen ist für einen Priester unersetzliches Erfordernis.

Deshalb sollte auch an die Einrichtung von Priesterbildungszentren gedacht werden und den Priestern bei körperlicher oder psychischer Erschöpfung eine „Sabbatzeit" zugestanden werden. Diese Hinweise zeigen neue Initiativen an, die meiner Meinung nach dem Priester (in einem Umfeld der Verkennung und der Vorurteile) im Einzelfall sehr hilfreich sein werden. Bei den Formen der Weiterbildung wird auf Einkehrtage, Exerzitien und Studientage hingewiesen.

DIE LAHE UEGT HOCH

Die guten Quellen priesterlichen Lebens bleiben die liturgischen Feiern, die Sakramente und als besondere Hilfe die geistliche Begleitung. Neuere Wege der Weiterbildung, die das Verhalten und Handeln des Priesters auf der Ebene zwischenmenschlicher Begegnung verbessern helfen, werden im Direktorium nicht erwähnt.

In Sprache und Inhalt ist das vorliegende Dokument eine Hilfe, die sich auf dem Hintergrund der Weltkirche mit verbindlichen Aspekten des priesterhchen Lebens befaßt, und diese recht differenziert erklärt und darlegt.

Trotz der besonderen Autorität eines solchen Schreibens ist seine Diktion konkret und nimmt - mit Ausnahme der angeführten Punkte -auf unsere lokale Praxis in Westeuropa erstaunlich kompetent Bezug. Über die Lebenssituation unserer Priester zeigen sich die Autoren gut informiert, was mir auch bei einem Gespräch in der Kleruskongregation vor einem Jahr (mit Priesterseminaristen) auffiel.

Die angebotenen Kriterien und Lösungswege bringen eine neue Zusammenschau für die Priester und eine ausgewogene geistliche Deutung des Weihepriestertums. Die Latte des Dargelegten liegt hoch, doch der Schlüssel für das Profil des Priesters und seines Dienstes hegt nicht im Machen, im Erfüllen, sondern im „Sein mit Christus".

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