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Wort und Gesang, Gott zur Sprache bringen

Über die Niederlande hinaus ist er eine Institution: Der mittlerweile im 85. Lebensjahr stehende Huub Oosterhuis revolutionierte nicht nur in seiner Heimat die religiöse Sprache. Auch im deutschen Sprachraum waren seine Texte in den ersten Jahrzehnten nach dem II. Vatikanum verbreitet -das feine Gefühl für Sprache, für das Sagbare und das Unnennbare gerade in Bezug auf Gott zeichnet Oosterhuis seit jeher aus. Auch wenn es (nicht zuletzt durch Konflikte mit der katholischen Kirche) etwas stiller um den Poeten geworden ist, so ist auch auf Deutsch zuletzt im Vorjahr eine "Summa" seiner Jesuserzählungen erschienen (vgl. FURCHE 50/2017), und ein "Glaubensbuch" aus seiner Feder -nicht nur, aber gerade für Agnostiker und Atheisten -ist für Juni angekündigt.

Doch der "Stammplatz" der Sprache von Huub Oosterhuis ist die Liturgie. Seit den 1950er Jahren hat er die biblischen Dichter, die Autoren der Psalmen als Referenz für seine Art der Sprache, die heilt und sowohl mit Gott rechtet als sich in ihn fallen lässt, entdeckt. Und Psalmen sind Lieder. "Das Wort der Schrift", hat Oosterhuis einmal gesagt, kommt erst dann richtig zur Geltung, wenn es gesungen wird. Darum kulminiert sein Schaffen in den "gesungenen" Texten. Oosterhuis-Lieder haben Eingang auch ins "Gotteslob", das offizielle deutschsprachige Gesangbuch für den Gottesdienst, gefunden.

Vertonungen von Oosterhuis-Texten durch "seine" Komponisten Bernard Huijbers, Antoine Oomen und Tom Löwenthal sind nun auch in deutscher Übersetzung auf einer Doppel-CD erschienen, interpretiert von Chören verschiedener deutschsprachiger Gemeinden, in denen Oosterhuis gesungen wird. "Freundliches Licht" heißt die CD im Titel, und die Beifügung "Gesungener Gottesdienst" weist die Richtung an, für die diese Musik gedacht ist. Wenn diese Musik im Gottesdienst verwendet wird, dann ist es immer ein Wechselspiel aus Gemeinde und Chor bzw. Vorsängern. Dieses Prinzip bleibt für Oosterhuis wichtig.

Darüber hinaus sind es Worte und die Sprachbilder, die ins Herz treffen können und die in der musikalischen Interpretation zusätzlich eine Erfahrungs-und somit Glaubensebene gewinnen. Oosterhuis orientiert sich an den Psalmen wie an altchristlichen Ausdrucksweisen, er übersetzt diese in eine zeitgenössische Sprachlichkeit, ohne der Banalität oder Verkitschung nachzugeben, welcher etwa ein Gutteil des sogenannten "Neuen geistlichen Liedguts" im deutschen Sprachraum erlegen ist.

Auch Gott kommt da oft nicht als Wort vor, aber -und das wird unbändig klar: Es geht immer um ihn, und um den Menschen, der ihm anvertraut ist: Freundliches Licht /sanftmütiges Licht / süßes Licht - so beginnt etwa das der CD titelgebende Gedicht. Mehr muss dazu nicht gesagt werden.

Oosterhuis-Lieder-Workshops mit Kees Kok

Die religiöse Musik mit Texten von Huub Oosterhuis wird also erst dann lebendig, wenn sie auch in den Gesang der Gottesdienstgemeinde Einzug findet. Kees Kok, engster Mitarbeiter und Übersetzer von Oosterhuis, hält dazu in den nächsten Tagen in verschiedenen Städten Workshops unter dem Titel "Singen im Spielraum der Bibel. Neue Lieder aus den Psalmen" für alle, die diese Musik und Texte sowie deren Hintergrund kennenlernen wollen.

Am Dienstag, 10. April, ist Kees Kok von 17 bis 20 Uhr in der Bischofsaula des Priesterseminars Linz, Harrachstraße 7 (Infos: www.dioezese-linz.at/institution/8121).

Am Donnerstag, 12. April, findet ein ganztägiger Workshop (9 bis 17 Uhr) im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil statt (Infos: www.kirchen.net/seelsorgeamt/veranstaltungen).

Gleichfalls ganztägig ist der Liedertag in der Wiener Ruprechtskirche (1010 Wien, Ruprechtsplatz) am Samstag, 14. April, 10 bis 16 Uhr (Infos: www.ruprechtskirche. at/new/index.php?id=aktuelles)

Am Sonntag, 15. April, findet zwischen 14 und 18 Uhr ein Workshop im Chorsaal des Stiftes Klosterneuburg statt (www. stift-klosterbeuburg.at/event/neue-liederalte-psalmen) statt.

Am Freitag, 20. April, kommt Kees Kok zum Workshop nach Graz, der zwischen 14 und 18 Uhr im R3-Orgelsaal des Instituts für Kirchenmusik, Bürgergasse 1, abgehalten wird. Bereits einen Tag zuvor, am Donnerstag, 19. April, 19 Uhr, hält Kees Kok an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz eine Gastvorlesung zum Thema "Die Poetotheologie von Huub Oosterhuis". Die Vorlesung findet im Universitätszentrum Theologie, HS 47.01, Heinrichstraße 78A, statt. (Infos für beide Veranstaltungen: liturgiewissenschaft.uni-graz.at)

Freundliches Licht. Gesungener Gottesdienst Osnabrück, Kevelaer, Amsterdam, Essen, Koblenz -Texte: Huub Oosterhuis. Musik: Bernard Huijbers, Antoine Oomen und Tom Löwenthal Ekklesia Music Publishing 2017.2 CDs, e 27,50

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