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Die Metro in den Lüften

FOKUS
Top-Ausflugziel Rax-Seilbahn - Die Rax-Seilbahn, hier ein Bild von 1935, ist der Tourismus-Magnet in Niederösterreich, der in Vor-Corona-Zeiten jährlich rund 180.000 Gäste auf das Bergplateau zog. - © The Print Collector via Getty Images

95 Jahre Rax-Seilbahn: Es geht aufwärts in Österreich

1945 1960 1980 2000 2020

Die Presse bejubelte die Eröffnungsfahrt der Rax-Seilbahn: Endlich eine positive Nachricht in Zeiten von Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit. Die befreiende und über die Niederungen des Alltags hinauf hebende Wirkung hat sich die Bahn auch 95 Jahre danach erhalten.

1945 1960 1980 2000 2020

Die Presse bejubelte die Eröffnungsfahrt der Rax-Seilbahn: Endlich eine positive Nachricht in Zeiten von Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit. Die befreiende und über die Niederungen des Alltags hinauf hebende Wirkung hat sich die Bahn auch 95 Jahre danach erhalten.

Zum Geburtstag gab es eine Torte mit detailgetreuer Marzipangondel. „Mir haben die Kinder leid getan, sie haben nicht aus den Fenstern hinaus sehen können“, sagt Fritz Scharfegger und zeigt auf das süße Gondelmodell. Deswegen habe er bei der Neugestaltung der Kabinen darauf gedrängt, die Kabinenfenster weiter nach unten zu ziehen, erzählt der Seniorchef der Rax-Seilbahn den Gästen bei der Geburtstags- Pressekonferenz vorige Woche auf der Almwiese neben der Bergstation. Das sei eine technische Herausforderung für die Gondelkonstrukteure gewesen, fügt er hinzu, „aber es ist gelungen und heute ist dieses Modell gang und gäbe“.

Avantgarde und Vorbild zu sein, gehört zum Ursprungsgen der Rax-Seilbahn, seit sie am 9. Juni 1926 als erste technische Aufstiegshilfe Österreichs eröffnet wurde. „Das ist einmal ein schöner, österreichischer Tag“, schrieb die „Neue Freie Presse“ über die Eröffnungsfeierlichkeiten: „Schön vor allem deshalb, weil man ausnahmsweise von etwas anderem sprechen kann als von Stagnation, Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und ähnlichen holden Themen unserer ewigen, mißmutigen Tagesordnung. Und weil es in diesem Land der unbegrenzten negativen Möglichkeiten leider so selten geworden ist, daß sich auch etwas Positives ereignet: statt der unfruchtbaren Debatten, der theoretischen Resolutionen und Maßnahmen, einmal eine wirkliche Leistung, die uns vorwärts bringt, die uns aufwärts bringt.“

Zu kurzes Fahrvergnügen

Ziemlich genau 1000 Höhenmeter überwindet die Seilbahn von der Ortschaft Hirschwang auf 528 Meter Meereshöhe hinauf zum östlichen Ausläufer des Raxplateaus auf 1.546 Meter. Die Betriebslänge misst gut zwei Kilometer, die Berg- bzw. Talfahrt dauert heute acht Minuten. Vor 95 Jahren schwebte man noch zwei Minuten länger. „Schade, daß das Vergnügen so kurz ist“, bedauerte der Presse-Reporter nach der Eröffnungsfahrt: „Nach zehn Minuten sieht man schon das Raxplateau und den Einfahrtsschacht der Kopfstation, in die der Waggon artig sanft hineingleitet. Nur im letzten Moment hat man ein schaukelndes Schiffsgefühl. Über einige Stufen hinauf, an den mächtigen Motoren vorbei, deren Gehäuse heute mit Reisig und Blumen geschmückt ist, und man steht schon in dem anschließenden Bergrestaurant, in dem der Raxvater Kronich eine Filiale seiner Tüchtigkeit errichtet hat.“

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