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Bestehende Kraftwerke ertüchtigen

Wasserkraft ist sauber, kostengünstig, regenerierbar und im Inland verfügbar. Sie ist eine typisch österreichische Energieform, weil ein alpines Land für Hoch-gebirgsspeicher und Flüsse mit starkem Gefälle die idealen Voraussetzungen für die Nutzung von Wasserkraft bietet. Zusätzlich kommt in einer Zeit verstärkter Umweltschutzansprüche diese emissionsfreie Energie weitgehend den Vorstellungen des Umweltschutzes entgegen.

Das Ausland beneidet uns um den hohen Anteil an Wasserkraft bei der Stromerzeugung (rund 70 Prozent, im Verbund sogar über 90 Prozent), zumal diese Energie, die bei uns in Österreich so selbstverständlich ist, in anderen Ländern als alternative Energieform gilt. Vom Ausland wird uns auch immer wieder bestätigt, daß Österreich vorzeigt, wie Wasserkraftwerke ökologisch gebaut werden können. Das jüngste Beispiel dafür ist die Anlage Freudenau, ein Kraftwerksprojekt im Einzugsgebiet einer Großstadt, das hinsichtlich seiner Umweltverträglichkeit Vorbildfunktion erfüllt.

Nach wie vor setzen wir voll auf die Wasserkraft. Sie ist unser wichtigster Energielieferant. Das bedeutet aber nicht in erster Linie den Bau neuer

Anlagen. Nach Abschluß der Bauarbeiten am Kraftwerk Freudenau planen wir, den Verbrauchszuwachs der kommenden Jahre primär mit der Ertüchtigung bestehender Kraftwerksanlagen abzudecken. Wir hoffen, mit diesen Maßnahmen der Nachfrage über die nächsten zehn Jahre gerecht werden zu können. Weitere Bauvorhaben werden jedenfalls von der zukünftigen Entwicklung des Stromverbrauches abhängen. Die Optimierung unserer Anlagen läuft bereits auf Hochtouren. Das Donaukraftwerk Ybbs/Persenbeug hat eine siebente Maschine bekommen, das Donaukraftwerk Schwabeck eine vierte Maschine und das Kraftwerk Gerlos II der Tau-ernkraft bekam eine höhere Sperre und einen neuen Triebwasserstollen.

Mit dieser zusätzlichen Maschine erzeugt das Kraftwerk Ybbs/Persenbeug jetzt jährlich um 76 Millionen Kilowattstunden (kWh) mehr Strom. Das ist immerhin so viel, wie alle Privathaushalte von St. Pölten Strom verbrauchen. Die Ertüchtigung des Kraftwerkes Schwabeck brachte ein Plus von 25 Millionen kWh. Das ist Strom für 7.000 Haushalte. Die Modernisierungsmaßnahmen für das Kraftwerk Gerlos II bewirken einen Zuwachs des Begelarbeitsvermögens von 17 Millionen kWh.

Wasserkraftanlagen erfüllen aber nicht nur energiewirtschaftliche Aufgaben, sie sind Mehrzweckanlagen. Sie dienen dem Hochwasserschutz, dem Eintiefungsschutz, der Grundwasserregulierung, sie eignen sich für die Trinkwasserversorgung, zur Verbesserung der regionalen Infrastruktur, sie bilden Erholungsräume und verbessern Schiffahrtsbedingungen. Dies sei nur am Bande erwähnt.

Zur ökologischen Dimension von Wasserkraftanlagen ein kleiner Vergleich: Ende des vergangenen Jahres ging das Kraftwerk Kreuzbergmaut, ein Gemeinschaftskraftwerk von Tau-ernkraft und SAFE, in Betrieb. Müßte der Strom, den dieses Salzachkraftwerk über die Konzessionsdauer von 90 Jahren erzeugt, in einem kalorischen Kraftwerk erzeugt werden, würden beispielsweise 1,620.000 Tonnen Öl verbrannt werden. Damit würden zusätzliche fünf Millionen Tonnen Kohlendioxid emittiert.

Für Wasserkraft gibt es derzeit noch keine wirtschaftliche Alternative. Andere regenerative Energien, wie zum Beispiel die Photovoltaik, bewähren sich schon im Inselbetrieb, kommen aber, was die Erzeugung großer Energiemengen angeht, nicht an die Wasserkraft heran.

Weitere alternative Energien wie Biomasse und Windkraft werden derzeit getestet. Auch im Verbund gibt es diesbezüglich zukunftsweisende Forschungsprojekte. Nach dem derzeitigen Stand der Erprobung rückt lediglich die Biomasse allmählich in die Nähe der kommerziellen Nutzung.

Alles in allem ist die Wasserkraft die Trumpfkarte der österreichischen Stromproduktion. Diese Energiequelle war der Schlüssel für den Wiederaufbau Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg und begünstigt heute unsere Position im internationalen Stromgeschäft. Und noch eines zeichnet sich immer deutlicher ab: In dem Ausmaß, in dem die Forderung nach umweltfreundlich erzeugtem Strom gestellt wird, steigt die Bedeutung von Strom aus Wasserkraft. Die Wasserkraft hat Zukunft.

Der Autor ist

Sprecher des Forstandes der Vtrbundgesellschaft

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