Digital In Arbeit
Wirtschaft

Bio made in China

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

In China zeigt sich ein neuer Trend: Die Konsumenten drängen zu Biolebensmitteln aus heimischer Erzeugung. Ganze Landgemeinden haben sich verpflichtet, gemäß einem staatlich kontrollierten Ökosiegel zu produzieren.

Es ist nicht nur ein Anfang, vielmehr ein wachsender Trend. #Lohao City# oder #Organic Farm# heißen die ersten Reformhäuser Chinas, und auch die Regale chinesischer Supermärkte beginnen sich merklich mit Bioprodukten zu füllen. Die Nachfrage nach Ökoprodukten ist groß in China, kein Wunder, erschütterten doch zahlreiche Lebensmittelskandale das Vertrauen der Konsumenten: Gammelfleisch, radioaktiv bestrahlte oder mit Chemikalien verseuchte Lebensmittel landeten in den vergangenen Jahren unbestellt auf chinesischen Porzellantellern. Lange blieben diese Missstände unentdeckt oder besser gesagt gut gedeckt: Vor allem während der Olympischen Spiele anno 2008 setzte die chinesische Regierung alles daran, das Ansehen Chinas nicht zu beschädigen, und schwieg wissentlich.

Modell Ökodörfer

Die Produkte aus kontrolliert ökologischem Anbau stammen aus den Ökodörfern Chinas, per Direktverkauf oder Lieferservice versorgen Bauern die benachbarten Städte mit grünen Lebensmitteln. So geschieht es etwa im Dorf Liuminying außerhalb von Peking. Die Bauern leben dort vom Verkauf von biologisch angebautem Kohl und Kartoffeln, Bohnen und Tomaten, Auberginen und Zuckerschoten. Das grüne Logo des staatlichen Ökosiegels prangt auf den Türen. Das Geschäft floriert.

Ökobauern wie jene aus Liuminying nähren Hoffnungen. Nicht nur jene der Konsumenten, sondern auch ihre eigenen. Früher zwang sie die Armut oft dazu, das Land zu verlassen und als Wanderarbeiter ihr Geld zu verdienen. Die Ökolandwirtschaft hebt diesen Zwang auf. Obst- und Gemüseanbau ohne chemische Dünge- oder Pflanzenschutzmittel ist arbeitsaufwendig und könnte zumindest einem Teil der 750 Millionen Landbewohner Chinas lukrative Arbeitsplätze verschaffen.

In einem offiziellen Weißbuch der Regierung wird den chinesischen Landwirten großes Potenzial bescheinigt: Dem #Aufbau nationaler Produktionsbasen für ökologische Lebensmittelproduktion# wird #hohe Priorität# eingeräumt, und der Internationale Fonds für Landwirtschaft und Entwicklung (IFAD) der Vereinten Nationen will in China einen künftigen Großproduzenten von Bioprodukten sehen. Auch chinesische Agrarwissenschafter schätzen die Chancen Chinas, sich international als großes Exportland für Bioprodukte durchsetzen zu können, hoch ein.

Offiziellen Statistiken zufolge gibt es in China bereits über 3000 Biofarmen, meist Kollektivbetriebe. Rund drei Millionen Hektar Land sind in China für Biolandwirtschaft ausgewiesen. 2008 führte China ökologisch produzierte Waren im Wert von über 523 Millionen Euro aus, wobei es sich größtenteils um Rohstoffe wie Sonnenblumenkerne oder Sojabohnen handelte.

Doch trotz der großen Nachfrage ist das Misstrauen gegenüber chinesischen Lebensmittelexporteuren groß, ihr Image stark verbeult. Hinzu kommt, dass sich vor allem das rasante Wirtschaftswachstum Chinas negativ auf die Umwelt ausgewirkt hat. Von den 20 Städten mit der schlechtesten Luft der Welt liegen 16 in China, der größte Teil der Binnengewässer ist verseucht. Statt grünen Gütesiegeln brandmarken vor allem die Folgen der Umweltverschmutzung Chinas Nahrungsmittel. Laut internen Schätzungen des Pekinger Umweltministeriums gehen in der Volksrepublik jährlich 400.000 Todesfälle auf Umwelteinflüsse zurück.

Hohe Folgekosten

Interne Daten des Umweltministeriums zeigen, dass die Folgekosten durch die Zerstörung der Natur Chinas Wirtschaftswachstum bei Weitem übersteigen könnten. Über hundert Milliarden Yuan sollte allein die Säuberung des zentralchinesischen Tai-Sees kosten. 1300 Fabriken haben jahrelang ungeklärte Abwässer in den See geleitet, obwohl er Millionen Menschen als Trinkwasserquelle diente.

Einer Studie von Greenpeace in China zufolge verfügt nur eine Minderheit der chinesischen Supermarktbetreiber über ein transparentes Qualitätsprogramm für ihre Lebensmittel. Dieses Defizit zwingt Einkäufer oft dazu, nach ihren eigenen Standards zu prüfen. So beziehen beispielsweise französische Reformhausketten einige Produkte aus China, sehen sich aber häufig dazu gezwungen, nach EU-Standards zu prüfen.

Vor wenigen Jahrzehnten waren Chinas Bauern nämlich noch alle Ökobauern, es gab weder Kunstdünger noch Pestizide. Kälte und Not ließ sie erfinderisch werden: In kalten Gegenden gab es wenig Brennmaterial. Mit Agrarabfällen begann man, Faulgasanlagen einzurichten und damit Gas und Strom zu erzeugen. Auch Düngemittel bezogen die Dorfbewohner auf natürliche Weise, so blieben sie weitgehend unabhängig von Importen oder Direktkäufen.

Heute zeichnen sich die Ökodörfer Chinas nicht nur als autarke Subsistenzwirtschaften aus, sondern vor allem durch ihr Potenzial, zu international gefragten Exporteuren aufzusteigen. Trotz bestehenden Misstrauens steigen erste internationale Unternehmen ins Ökogeschäft ein. So hat etwa der japanische Lebensmittel- und Brauereikonzern Asahi in der Provinz Shandong 100 Hektar Land gepachtet, um dort Bioprodukte herzustellen.

Sorgen bereitet allerdings insbesondere ausländischen Investoren das aktuelle Positionspapier der Europäischen Handelskammer in China, das über eine #Trendwende# klagt. Laut Papier macht Peking es ausländischen Direktinvestoren gar nicht leicht, Chinas Politik zur Marktöffnung sei gestoppt. Auch das mag ein Trend sein, ist aber nicht das Ende.

In China zeigt sich ein neuer Trend: Die Konsumenten drängen zu Biolebensmitteln aus heimischer Erzeugung. Ganze Landgemeinden haben sich verpflichtet, gemäß einem staatlich kontrollierten Ökosiegel zu produzieren.

Es ist nicht nur ein Anfang, vielmehr ein wachsender Trend. #Lohao City# oder #Organic Farm# heißen die ersten Reformhäuser Chinas, und auch die Regale chinesischer Supermärkte beginnen sich merklich mit Bioprodukten zu füllen. Die Nachfrage nach Ökoprodukten ist groß in China, kein Wunder, erschütterten doch zahlreiche Lebensmittelskandale das Vertrauen der Konsumenten: Gammelfleisch, radioaktiv bestrahlte oder mit Chemikalien verseuchte Lebensmittel landeten in den vergangenen Jahren unbestellt auf chinesischen Porzellantellern. Lange blieben diese Missstände unentdeckt oder besser gesagt gut gedeckt: Vor allem während der Olympischen Spiele anno 2008 setzte die chinesische Regierung alles daran, das Ansehen Chinas nicht zu beschädigen, und schwieg wissentlich.

Modell Ökodörfer

Die Produkte aus kontrolliert ökologischem Anbau stammen aus den Ökodörfern Chinas, per Direktverkauf oder Lieferservice versorgen Bauern die benachbarten Städte mit grünen Lebensmitteln. So geschieht es etwa im Dorf Liuminying außerhalb von Peking. Die Bauern leben dort vom Verkauf von biologisch angebautem Kohl und Kartoffeln, Bohnen und Tomaten, Auberginen und Zuckerschoten. Das grüne Logo des staatlichen Ökosiegels prangt auf den Türen. Das Geschäft floriert.

Ökobauern wie jene aus Liuminying nähren Hoffnungen. Nicht nur jene der Konsumenten, sondern auch ihre eigenen. Früher zwang sie die Armut oft dazu, das Land zu verlassen und als Wanderarbeiter ihr Geld zu verdienen. Die Ökolandwirtschaft hebt diesen Zwang auf. Obst- und Gemüseanbau ohne chemische Dünge- oder Pflanzenschutzmittel ist arbeitsaufwendig und könnte zumindest einem Teil der 750 Millionen Landbewohner Chinas lukrative Arbeitsplätze verschaffen.

In einem offiziellen Weißbuch der Regierung wird den chinesischen Landwirten großes Potenzial bescheinigt: Dem #Aufbau nationaler Produktionsbasen für ökologische Lebensmittelproduktion# wird #hohe Priorität# eingeräumt, und der Internationale Fonds für Landwirtschaft und Entwicklung (IFAD) der Vereinten Nationen will in China einen künftigen Großproduzenten von Bioprodukten sehen. Auch chinesische Agrarwissenschafter schätzen die Chancen Chinas, sich international als großes Exportland für Bioprodukte durchsetzen zu können, hoch ein.

Offiziellen Statistiken zufolge gibt es in China bereits über 3000 Biofarmen, meist Kollektivbetriebe. Rund drei Millionen Hektar Land sind in China für Biolandwirtschaft ausgewiesen. 2008 führte China ökologisch produzierte Waren im Wert von über 523 Millionen Euro aus, wobei es sich größtenteils um Rohstoffe wie Sonnenblumenkerne oder Sojabohnen handelte.

Doch trotz der großen Nachfrage ist das Misstrauen gegenüber chinesischen Lebensmittelexporteuren groß, ihr Image stark verbeult. Hinzu kommt, dass sich vor allem das rasante Wirtschaftswachstum Chinas negativ auf die Umwelt ausgewirkt hat. Von den 20 Städten mit der schlechtesten Luft der Welt liegen 16 in China, der größte Teil der Binnengewässer ist verseucht. Statt grünen Gütesiegeln brandmarken vor allem die Folgen der Umweltverschmutzung Chinas Nahrungsmittel. Laut internen Schätzungen des Pekinger Umweltministeriums gehen in der Volksrepublik jährlich 400.000 Todesfälle auf Umwelteinflüsse zurück.

Hohe Folgekosten

Interne Daten des Umweltministeriums zeigen, dass die Folgekosten durch die Zerstörung der Natur Chinas Wirtschaftswachstum bei Weitem übersteigen könnten. Über hundert Milliarden Yuan sollte allein die Säuberung des zentralchinesischen Tai-Sees kosten. 1300 Fabriken haben jahrelang ungeklärte Abwässer in den See geleitet, obwohl er Millionen Menschen als Trinkwasserquelle diente.

Einer Studie von Greenpeace in China zufolge verfügt nur eine Minderheit der chinesischen Supermarktbetreiber über ein transparentes Qualitätsprogramm für ihre Lebensmittel. Dieses Defizit zwingt Einkäufer oft dazu, nach ihren eigenen Standards zu prüfen. So beziehen beispielsweise französische Reformhausketten einige Produkte aus China, sehen sich aber häufig dazu gezwungen, nach EU-Standards zu prüfen.

Vor wenigen Jahrzehnten waren Chinas Bauern nämlich noch alle Ökobauern, es gab weder Kunstdünger noch Pestizide. Kälte und Not ließ sie erfinderisch werden: In kalten Gegenden gab es wenig Brennmaterial. Mit Agrarabfällen begann man, Faulgasanlagen einzurichten und damit Gas und Strom zu erzeugen. Auch Düngemittel bezogen die Dorfbewohner auf natürliche Weise, so blieben sie weitgehend unabhängig von Importen oder Direktkäufen.

Heute zeichnen sich die Ökodörfer Chinas nicht nur als autarke Subsistenzwirtschaften aus, sondern vor allem durch ihr Potenzial, zu international gefragten Exporteuren aufzusteigen. Trotz bestehenden Misstrauens steigen erste internationale Unternehmen ins Ökogeschäft ein. So hat etwa der japanische Lebensmittel- und Brauereikonzern Asahi in der Provinz Shandong 100 Hektar Land gepachtet, um dort Bioprodukte herzustellen.

Sorgen bereitet allerdings insbesondere ausländischen Investoren das aktuelle Positionspapier der Europäischen Handelskammer in China, das über eine #Trendwende# klagt. Laut Papier macht Peking es ausländischen Direktinvestoren gar nicht leicht, Chinas Politik zur Marktöffnung sei gestoppt. Auch das mag ein Trend sein, ist aber nicht das Ende.