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Das Freigeld galt seit jeher als Motor der Liquidität

Das Problem, Geld im Umlauf zu halten, ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Immer wieder gab es Versuche, die Umlaufgeschwindigkeit von Geld etwa durch Abwertungen zu beschleunigen. Von der Mitte des 12. bis ins 14. Jahrhundert hinein waren beispielsweise fast im gesamten deutschsprachigen Raum die so genannten Brakteaten im Umlauf. In einigen Regionen mussten diese Münzen regelmäßig gegen neue eingetauscht (verrufen) werden, wodurch das Horten von Geld unattraktiv wurde. Ende des 19. Jahrhunderts griff der Unternehmer Silvio Gesell die Idee des Freigelds auf. Kerngedanke war, das Horten von Geld durch Kosten auf die Geldhaltung sowie auf die Zahlungsmittel unattraktiv zu machen.

Diesen Überlegungen folgend führte die Tiroler Gemeinde Wörgl 1932 das "Schwundgeld" in Form von Arbeitswertscheinen, die monatlich ein Prozent des Nennwertes verloren, ein. Und zwar mit Erfolg: Während überall die Arbeitslosigkeit drastisch stieg, ging sie in Wörgl in den 13 Monaten, in denen das Schwundgeld gültig war, deutlich zurück. 1933 wurde das Freigeld auf Intervention der Nationalbank verboten. Gesells Ideen wurden 1937 auch von John Maynard Keynes in der "Allgemeinen Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes" aufgegriffen.

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