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Dauerjobs sind rar

Irgendwie ist dem Chef die Geschichte so peinlich, daß er nicht namentlich genannt werden möchte: Nachdem ihm die Karenzersatzkraft der Karenzersatzkraft eröffnet hatte, daß auch sie demnächst Mutterfreuden entgegensehe, brauchte der dynamische Unternehmer, sonst der geborene Siegertyp, ärztliche Hilfe. Er habe sich regelrecht "in die Krankheit geflüchtet" meinte der behandelnde Arzt. Geflüchtet vor dem unlösbaren Problem, für drei Monate eine Ersatzkraft zu finden. Tüchtig genug, um sofort alle Geschäfte weiterzubetreuen, aber ohne Aussicht auf eine Dauerbeschäftigung. Er habe dabei gezielt Ältere gesucht, aber diese hätten wenig Interesse gezeigt. Wobei der Streitpunkt nicht das Geld war, sondern der befristete Vertrag. Für den Chef unverständlich, denn "das ist doch besser als gar kein Job."

Stimmt - nur sehen die meisten älteren Jobsuchenden das nicht so. Für sie zählt nur die Aussicht, nach ein paar Monaten wieder ohne Arbeit dazustehen - und dann noch schwerer vermittelbar zu sein. Deshalb warten sie lieber auf einen Dauerjob. Und resignieren, wenn das nicht klappt.

Eine Studie der Arbeiterkammer (AK) Wien über "Ältere am Arbeitsmarkt" zeichnet ein düsteres Bild: Erworbene Qualifikationen entwerten sich immer rascher, und selbst lebenslanges Lernen ist kein Allheilmittel: "Es hat wohl wenig Sinn, Ältere in jenen Feldern wettbewerbsfähig machen zu wollen, die ,jugendlichen Olympioniken' vorbehalten sind", so eine Kernaussage der Studie. Die Älteren können mit viel Mühe das Ziel zwar auch erreichen, müssen aber dann feststellen, daß andere, jüngere schon längst dort sind.

Franz Jank, Leiter des ÖAMTC Personalbüros in Wien, rät erfahrenen Arbeitskräften, "trotzdem auf das, was sie bisher geleistet haben, stolz zu sein und erhobenen Hauptes in jedes Bewerbunsgespräch zu gehen. Auch wenn es schon das zwanzigste ist." Denn oft sei gar nicht das Alter das Problem, sondern die mangelnde Bereitschaft, Ablehnungen zu akzeptieren. "Für Schulabgänger ist es heute normal, sich hundertmal zu bewerben, bevor es klappt. Wer aber schon jahrelang im Beruf stand, gibt mitunter auch gern dem Alter die Schuld, wenn er einen Job nicht bekommt".

Die Arbeiterkammer ortet sogar einen schmalen Bereich, in dem "Alter durchaus erwünscht sein kann", nämlich in Unternehmen, wo Traditionen hochgehalten werden. "Meine Verehrung, Herr Kommerzialrat, küß' die Hand, gnä' Frau" - wo solche Formen gefragt sind, haben ältere Menschen einen klaren Wettbewerbsvorteil.

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