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Digital In Arbeit

Die Bank kommt ins Haus

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Sie hören und lesen oft von Electronic Banking und wissen noch immer nicht, worum es eigentlich geht? Bei der ifabo können Sie sich informieren.

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Sie hören und lesen oft von Electronic Banking und wissen noch immer nicht, worum es eigentlich geht? Bei der ifabo können Sie sich informieren.

Electronic Banking erfreut sich zwar großer medialer Beliebtheit, doch in Wahrheit steckt die Bank auf Knopfdruck noch in den Kinderschuhen. Sehr vereinfacht ausgedrückt, versteht man darunter sämtliche Bankdienstleistungen, die mittels EDV-Unterstützung und/oder Telefon in Anspruch genommen werden können. Die Angebotspalette reicht von der simplen Bankomat-karte über telefonische Überweisungen auf Ihr Konto bis hin zu ausgeklügelten Datenbanken, auf die Sie mittels entsprechender Software zugreifen können.

Der Bereich, der in allernächster Zeit im Privatkundenbereich die vielleicht größte Zukunft hat, ist das Telefonkonto. Freilich genügt es noch nicht, wenn Sie sowohl stolzer Besitzer eines Kontos als auch eines Telefons sind. Zusätzlich benötigen Sie einen Code und ein Losungswort, um mittels eines Anrufes Ihren Kontostand abzufragen oder Überweisungen vorzunehmen. Die volle elektronische Freiheit gibt es derzeit nur für Kunden von P.S.K., Credit-anstalt und Bank Austria. Andere in der Branche arbeiten bereits an einem derartigen Service für ihre Kunden, einige warten vorerst noch ab. Georg Tutschek, bei der Ersten Österreichischen für den Bereich Zahlungsverkehr verantwortlich, will zwar nicht ausschheßen, daß sein Institut ebenfalls mit einem derartigen Service auf den Markt kommt, hält es aber angesichts des großen Filialnetzes der Ersten auch nicht für zwingend notwendig.

Die Kosten für das Telefonkonto schwanken zwischen zehn Schilling (P.S.K.) und 20 Schilling (CA) pro Monat, die Bank Austria legt mit 15 Schilling in der Mitte. Dazu kommen noch die Telefongebühren, wobei es nach 18 Uhr und, weil die Anrufe in die Zentralen in Wien gehen, für Bewohner der Bundeshauptstadt günstiger ist.

Die Transaktion funktioniert denkbar einfach. Ein Anruf bei Ihrer Bank, Sie geben Ihre Kontonummer bekannt und verraten der Stimme am Telefon Ihr Losungswort. Nach erfolgter Überprüfung müssen Sie ihren Code preisgeben. Die Bank Austria verlangt die gesamte sechsstellige Zahl, während die CA Ihnen jedesmal eine dreistellige Zahl nennt, die Sie bei der jeweils nächsten Transaktion bekanntgeben müssen. Das ausgcfeilteste System

hat derzeit die P.S.K., dort müssen Sie zwei mittels Zufallsgenerator ausgewählte Ziffern des Codes nennen, selbst „Lauscher " hören also nie den gesamten Code.

Trotz Unabhängigkeit von Öffnungszeiten und umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen greifen noch nicht viele Kunden zum Hörer. Nach Auskunft von Peter Neubauer, bei der CA für die Entwicklung des Zahlungsverkehrs zuständig, haben sich seit vergangenem Mai rund 1.500 CA-Kontoinnaber für das Telefon-Service entschieden, bei der P.S.K, greifen, laut Electronic Banking-Organisator Walter Jung, 6.500 bis 7.000 Kunden regelmäßig zum Hörer. Spitzenreiter ist mit 27.000 „Kontofon"-Benutzern derzeit die Bank Austria, welche mit einer Milhon Kunden auch aus dem größten Potential schöpft.

AKTUELLES PORTEFEUILLE

Die Verantwortlichen bei den Pionieren des Telefon-Banking lassen sich durch bescheidene Anfangserfolge nicht entmutigen, im Gegenteil. „Wir setzen voll auf dieses Pferd", beschreibt Neubauer die Devise der CA, die wohl für alle Institute gilt.

Während das Telefon-Konto hauptsächlich auf private Kunden ausgerichtet ist, wenden sich die Bariken mit Tele-Banking vorwiegend an die kommerzielle Clientele. Man braucht dazu neben einer Telefonleitung einen PC sowie die passende Software. Die Programme kann man direkt bei den Bariken beziehen und sie sind mittlerweile bei den meisten Instituten für die verschiedensten Betriebssysteme erhältlich. Die Kommunikation über den PC funktioniert allerdings erst mit einem Modem, das die Computerdaten in Töne umwandelt, die dann über Telefonleitung traiisportiert werden. Dann steht den Überweisungen an Lieferanten im In- und Ausland sowie der Kontrolle der Zahlungseingänge von Kunden auf dem Bildschirm nichts mehr im Wege. Einige Unternehmen sind einen Schritt weiter. Manche haben ihr gesamtes Mahnwesen auf Computer umgestellt, andere greifen über PC auf Datenbanken zu oder stellen sich mittels Börsensoftware ihr aktuelles Portefeuille zusammen, den möglichen Anwendungen sind kaum Grenzen gesetzt.

GROSSES INTERESSE

Während der Verantworthche des Electronic Banking-Center der Ersten, Peter Ruder, für sein Institut das größte Kundensegment unter den Mittelbetrieben ausmacht, kommt eine Untersuchung der Un-temehmungsberatung Schwabe, Ley & Greiner zum Ergebnis, daß derzeit eher große Unternehmen elektronische Bankdienstleistungen nutzen. 45 Prozent der 500 größten Unternehmen Österreichs setzen auf Electronic Banking, der Rest wird in den nächsten zwei bis drei Jahren einsteigen.

Bei den mittelständischen Betrieben sind es zur Zeit - allerdings mit ebenfalls stark steigender Tendenz -rund 15 Prozent. Ein Punkt, an dem es derzeit noch krankt, ist die Multi-bankfähigkeit. Gerade große Firmen verfügen zumeist über mehrere Bankverbindungen und sind auf die Kompatibilität der unterschiedlichen Systeme angewiesen. Deshalb arbeitet die Arge Electronic Banking gemeinsam mit der Studiengesellschaft Die Kosten für das Telefonkonto -ideal für den Privatkundenbereich - schwanken zwischen zehn und 20 Schilling pro Monat.

für Zusammenarbeit im Zahlungsverkehr (Stuzza), in der die großen Banken versammelt sind, an einem harmonisierten System. Ende 1995, schätzt P.S.K.-Electronic Banker Jung, wird die Entwicklung marktreif sein.

Wem das zu schwere Kost ist, der kann „Electronic Banking light" probieren. Die Bankomatkarte, „das Eintrittsticket in die Welt des elektronischen Bankgeschäftes", erfreut sich großer Beliebtheit. Fast zwei Millionen Inhaber von Bankomat-.^oder bankomatfähigen Kundenkarten wollen nicht mehr auf die Unabhängigkeit von Banköffnungszeiten verzichten und die Möglichkeiten, mit Karte und Code zu bezahlen, nehmen ständig zu. Vorerst sind es Tankstellen und große Warenhäuser, in denen man seine Einkäufe bargeldlos begleichen kann, doch es ist nur mehr eine Frage der Zeit, bis die POS(Point of Sale)-Kassen auch in den Filialen der Einzelhandelsketten Einzug halten werden. „Beide hätten es gerne" beschreibt der Geschäftsführer von Europay Austria, Ewald Judt, den derzeitigen Stand der Verhandlungen, bei denen noch eine Kleinigkeit offen ist, nämlich der Preis.

Die Zukunft hat hier schon begonnen, die Experten träumen bereits von Karten, die mittels eines Zum 25. Mal findet von 3. bis 7. Mai die ifabo statt. Einer der Schwerpunkte der Fachmesse im Wiener Messezentrum Prater ist heuer Electronic Banking elektronischen Chips eine Vielzahl von Funktionen in sich vereinen. Ob der Generalschlüssel für alle bargeldlosen Transaktionen wirklich ein Erfolg wird, ist noch nicht sicher. Manche Electronic Banking-Pioniere zweifeln daran, ob die Kunden wirklich die ganz große Freiheit und damit eine Karte wollen, mit der sie fast alles machen können. Zu groß körmte die Angst vor dem Verlust des teuren Stücks sein, glauben manche, und so wird man auch in Zukunft mehrere Karten bei sich haben müssen. Was bald kommen könnte, ist die „elektronische Geldbörse", ein Zahlungsinstrument für kleinere Beträge. Die Karte könnte, beschreibt Judt die Funktionsweise, beim Bankomat zu Lasten des Girokontos aufgeladen werden, beim Händler wird dann der Rechnungsbetrag abgebucht. Der bekommt seine Einnanmen gesammelt auf seinem Girokonto gutgeschrieben. Ist die Karte leer, „tarikt" man beim nächsten Bankomat wieder auf.

FOYER-BANKING

Eine triviale Version des Electronic Banking ist beinahe spurlos an den Kunden vorübergegangen, das sogenannte Foyer-Banking. Hinter dem Begriff verbirgt sich nichts anderes als die mittlerweile in fast allen Zweigstellen stehenden Kontoauszugs- und Geldausgabeautomaten. Statt der früher so oft gestellten Frage, „Sind Auszüge für mich gekommen", heißt es nun, „Bitte Karte ein-" führen". Der Effekt ist der gleiche, nämlich ein Ausdruck, der Ihnen zeigt, daß Sie auf Ihrem Konto mehr haben sollten, als Sie tatsächhch haben.

Auf den Spaziergang in Ihre Filiale müssen Sie auch in Zukunft nicht verzichten, ganz im Gegenteil. Schauen Sie ab und zu ganz unverbindlich in der Bank Ihres Vertrauens vorbei. Die Mitarbeiter werden sich freuen, wieder einmal einen richtigen Kunden und nicht nur sein elektronisches Konterfei zu sehen. Aber vergessen Sie Karte und Code nicht, man weiß ja nie.

Allen, die gerne mehr über Electronic Banking wissen wollen, sei die IFABO (Halle 14) empfohlen. Dort kann man sich nicht nur einen Überblick über die Angebote der einzelnen Institute verschaffen, sondern die Möghchkeiten der Bank auf Knopfdruck an Ort imd Stelle selbst ausprobieren.

Dor Autwitt Redakteur der Zeitschrift „Industrie".

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