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Die Krise bringt den Geldkreislauf ins Stocken

Die Wirtschaft benötigt liquide Mittel in Abschwung-Phasen mehr denn je, doch die Banken sind misstrauisch geworden bei der Vergabe von Krediten. Laut IHS und Nationalbank ist der Geldfluss aber nicht in Gefahr.

Der Rubel rollt - heißt ein altes Sprichwort. Aber rollt er derzeit wirklich? Überall und ohne Vorbehalte? Unternehmen kritisieren zunehmend die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe und fürchten allmählich Liquiditätsengpässe. Investitionen werden teils wegen mangelnder Kredite, aber auch aus Vorsicht verschoben - das gilt für große Unternehmen genauso wie für kleine Konsumenten. Die Banken haben seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers ebenso das Vertrauen zueinander verloren - und noch immer nicht wieder zur Gänze gefunden.

Damit kamen einige der Stationen des Geldkreislaufs, der von der Zentralbank über Banken und Kreditinstitute zu Wirtschaftsbetrieben und Konsumenten und von diesen über Einzelhandel und Dienstleistungsbetrieben zurück zu Banken, Kreditinstituten und der Zentralbank führt, ins Gerede.

Bargeldversorgung läuft

Experten wie Bernhard Felderer, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), sowie der Chefökonom der Nationalbank, Peter Mooslechner, sehen den Geldkreislauf derzeit trotzdem prinzipiell nicht in Gefahr. Die Bargeldversorgung sei nicht gestört, auch die Risikoaversion der Banken bei Krediten stelle keine Unterbrechung des Geldkreislaufes dar. Sie bewirke allerdings, dass er nicht ganz so reibungslos funktioniert, wie er sollte. Noch am Laufen ist der private Konsum: die günstigen Lohnabschlüsse des Vorjahres, die enorm sinkenden Preise vor allem bei Energie, Öl und bei Metallen und das Fehlen von Katastrophenmeldungen aus der Landwirtschaft haben die Preise für viele Waren sinken und somit die Kassen klingeln lassen. Die künftige Steuerreform wird ebenfalls dafür sorgen, dass Herrn und Frau Österreicher ein wenig mehr zum Ausgeben bleiben. Sollten Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit nicht in dramatischem Ausmaß um sich greifen, ist nach Ansicht der Experten der private Konsum, der jedoch als relativ wenig schwankende Größe gilt, auch weiterhin nicht in Gefahr. Allerdings: Gerade in Zeiten der Krise und der Sorge um den Arbeitsplatz ist die Versuchung bei jenen, die es sich leisten können, groß, für schlechte Zeiten vorzusorgen. Schon in den vergangenen Jahren ist die Sparquote (Verhältnis der Ersparnisse im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt) angesichts heftiger Diskussionen um Altersvorsorge und stagnierender Nettorealeinkommen deutlich gestiegen: Lag die Sparquote 2006 bei 9,7 Prozent, kletterte sie 2007 auf 11,3 Prozent, mittlerweile liegt sie bei zwölf Prozent.

Vertrauen durch Reformen

Die diversen Banken- und Konjunkturpakete sowie die Steuerreform sind nach Ansicht der Experten ein guter Weg, um das Vertrauen der Proponenten des Geldkreislaufes wieder herzustellen oder zumindest zu stärken und die Wirtschaft somit möglichst rasch wieder aus der Krise zu führen.

Im Waldviertel geht man mit einer so genannten Zweitwährung (historischer Kontext siehe Kasten) seit Mai 2005 eigene Wege, um den Geldkreislauf in Schwung zu halten. Mit dem "Waldviertler Regional" (1 W = 1 Euro) ist in einigen Gemeinden der niederösterreichischen Region ein Zweitgeld neben dem Euro im Umlauf. Die Scheine müssen - um ihre Gültigkeit zu behalten - jedes Quartal mit einer neuen Quartalsmarke versehen werden, sofern sie bis dahin nicht ausgegeben wurden. Die Umlaufsicherung macht jeweils zwei Prozent des jeweiligen Wertes aus. Ausgegeben wird diese Regionalwährung vom Verein für regionales Wirtschaften.

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