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Wirtschaft

Die Offline-Community

1945 1960 1980 2000 2020

Viele Regionen der Welt sind noch immer vom Internet abgeschnitten. Die Netzwerkriesen Google und Facebook versuchen sich an den unerschlossenen Märkten.

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Viele Regionen der Welt sind noch immer vom Internet abgeschnitten. Die Netzwerkriesen Google und Facebook versuchen sich an den unerschlossenen Märkten.

Wer durch die staubigen Pisten des Tschad oder durch das indische Hinterland fährt, dem kann es passieren, dass seine Social-Media-­Accounts nicht funktionieren. Nicht, weil die Regierung das Internet zensiert (das tut sie auch), sondern weil es in der Peripherie schlicht kein Internet gibt. Laut dem Bericht der Breitbandkommission für digitale Entwicklung 2016 von UNESCO und der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) haben 3,9 Milliarden Menschen, also gut die Hälfte der Weltbevölkerung, keinen Zugang zum Internet. Und das, obwohl der UN-Menschenrechtsrat das Internet zu einem Menschenrecht erklärt hat.

Während das Internet in den Industrienationen und großen Städten der Schwellen- und Entwicklungsländer zur Grundversorgung gehört, müssen in einigen Regionen Afrikas und Indiens die Menschen Dutzende Kilometer in die nächste Ortschaft fahren, um in einem Internet-­Café eine E-Mail zu schreiben. Zwar ist Indien aufgrund seiner hohen Bevölkerungszahl der weltweit zweitgrößte Smartphone- und Online-Markt. Doch noch immer sind fast drei Viertel der 1,3 Milliarden Bewohner offline. Auf der Landkarte der Internetdurchdringung sind ganze Teile Zentral­asiens und Subsahara-Afrikas weiß.

Flicken am Fleckerlteppich

Die Gründe für den digitalen Flickenteppich sind vielfältig. Die Telekommunikationsanbieter, die lange Zeit eine etwas zu komfortable Monopolstellung innehatten und für SMS, (Auslands-)Telefonie und Datenvolumen satte Gebühren erheben konnte, haben es versäumt, auf das geänderte Kommunikationsverhalten (Messengerdienste, Internet-Telefonie) zu reagieren und rechtzeitig mit dem Breitbandausbau zu beginnen. Ein Lehrbeispiel dafür, wie Monopole Innovationen hemmen können. Zudem sind die Kosten, die Daten per Satellit an Verteilknoten in der Fläche zu übertragen, sehr hoch, zumal in einigen entlegenen Regionen Strom durch Dieselgeneratoren erzeugt wird. Laut einem Bericht des Weltwirtschaftsforums verteuert diese Übertragungstechnik die Kosten in der Peripherie um das zweieinhalb bis Dreifache. Für Provider rentiert sich eine solche Netzabdeckung nur bei entsprechend höheren Gebühren, was bei der ärmlichen Landbevölkerung aber schwer durchsetzbar ist.

Weiteres Entwicklungshemmnis: die Sprache. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia hat 100.000 oder mehr Artikel in 55 Sprachen. Diese repräsentieren aber lediglich Muttersprachen von 58 Prozent der Weltbevölkerung. Nimmt man die Zweitsprache hinzu, fehlt einem Drittel der Weltbevölkerung der sprachliche Zugang zu dem Wissensschatz. In Tansania etwa, wo 98 Prozent der Bevölkerung Swahili sprechen, bedurfte es erst einer Übersetzung, ehe Facebook dort signifikante Wachstums­zahlen verzeichnen konnte. Hinzu kommen Lese- und Schreibschwächen: In Papua-Neuguinea etwa sind 35 Prozent der Menschen Analphabeten.