VIP - © Foto: iStock / Techa Tungateja

Ein Markt für „goldene“ Pässe

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Wer viel Geld hat, muss sich in Sachen Einbürgerung nicht, wie alle anderen, hinten anstellen. Staatsbürger kann man vielerorts auch durch Investments werden. Über ein System, das sich immer mehr durchsetzt.

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Wer viel Geld hat, muss sich in Sachen Einbürgerung nicht, wie alle anderen, hinten anstellen. Staatsbürger kann man vielerorts auch durch Investments werden. Über ein System, das sich immer mehr durchsetzt.

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Der Tech-Milliardär Peter Thiel bereiste1995, im Alter von 28 Jahren, Neuseeland. Er genoss die Natur und raste mit 85 km/h im Jet durch die Schluchten des Shotover Rivers, spritzendes Wasser inklusive. In Neuseeland könne man „riskante Dinge“ tun, die sonst wo verboten sind, schwärmte Thiel Jahre später noch von seiner Reise. Er verliebte sich in das Land. Heute ist Thiel, der mit dem Online-Bezahldienst PayPal reich geworden ist, neuseeländischer Staatsbürger und besitzt dort ein 193 Hektar großes Grundstück am Lake Wānaka, einem Binnensee im Westen des Landes. Zwischen den beiden Ereignissen liegt Thiels Erfolgsgeschichte im US-amerikanischen Tech-Mekka Silicon Valley – und ein Staatsbürgerschaftsmodell, das sich mehr und mehr durchzusetzen scheint.

Mit diesem Modell, nämlich der Vergabe von Staatsbürgerschaften gegen Investitionen, befasst sich die Politologin und Professorin der London School of Economics Kristin Surak in ihrem neuen Buch „The Golden Passport“ (dt. „Der goldene Pass“). Sie geht der Frage nach, wie sich Milliardäre eine Staatsbürgerschaft und damit konkrete rechtliche Vorteile wie Reisefreiheit, oder die Erlaubnis Unternehmen in den jeweiligen Ländern zu gründen, durch Investitionen sichern. Das Phänomen ist natürlich nicht neu, dennoch legt Surak mit ihrem Buch einen beeindruckenden und detailreichen Status quo dar, der ein globales Geschäftsmodell verdeutlicht. In diesem Zusammenhang stellt Surak zunächst die Frage, was eine Staatsbürgerschaft überhaupt ist?

Visafrei Reisen

„Eine Staatsbürgerschaft hat in einigen Fällen eine sehr starke emotionale Seite. Staatsbürger eines Landes zu sein, bedeutet Mitglied einer Gesellschaft, einer Nation zu sein“, erklärt Surak. In Demokratien werde die Staatsbürgerschaft oft als ein Gesellschaftsvertrag dargestellt, der eine Reihe von Pflichten und Rechten definiert, die vom Staat gewährt und garantiert werden. Surak hakt hier ein: Denn ein Vertrag ist eine Vereinbarung, die die Parteien vorsätzlich treffen, und in dieser Hinsicht ist die Staatsbürgerschaft nicht zulässig, erklärt die Politologin. Die meisten Menschen haben in dieser Angelegenheit keine Wahl. Die Staatsbürgerschaft werde bei der Geburt verliehen. „Lediglich bei Einbürgerungen, die weltweit recht selten sind, treffen Erwachsene eine klare Entscheidung bei der Wahl eines Staates. Normalerweise sind die Optionen durch strenge Qualifikationsvorschriften begrenzt.“

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