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Faires Spiel unterm Christbaum?

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Die NGO „Südwind“ macht auf ausbeuterische Arbeitsbedingungen in der chinesischen Spielzeugindustrie aufmerksam und fordert auch Konsumenten auf, Druck auszuüben.

Wer dieser Tage Spielwaren kaufen möchte, soll nicht nur an die freudigen Kinderaugen denken, die ihn oder sie vor dem Christbaum erwarten. Geht es nach der entwicklungspolitischen NGO „Südwind“, dann sollten Konsument und Konsumentin auch viel weiter denken: bis nach China.

Denn die Arbeitsbedingungen chinesischer Arbeiterinnen und Arbeiter in der Spielzeugproduktion seien alles andere als fair, sondern zum Teil ausbeuterisch, wie „Südwind“ anhand eines Lokalaugenscheins zweier Fabriken in der südchinesischen Provinz Guangdong aufzeigt: Arbeiter berichteten von 15-Stunden-Schichten, zu geringer Bezahlung; das Arbeitsumfeld sei zudem gesundheitsgefährdend, die Arbeiter oft nicht über giftige Substanzen aufgeklärt, mit denen sie hantieren; zudem müssen Arbeiter in dürftigen Massenquartieren hausen. Kurz: die Arbeitsbedingungen sind „menschenunwürdig“, wie Claudia Bonk, Projektleiterin der eben gestarteten Kampagne „Spielsachen fair machen“ kritisiert.

Die Kampagne will Konsumenten dazu ermutigen, Druck auf Spielzeugfirmen auszuüben, damit diese ihre Produktionswege transparent machen und sich Zulieferfirmen in China an die Mindestnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) halten. Ein Boykott einzelner Spielwaren wird aber abgelehnt, man setzt auf Zusammenarbeit mit den Firmen. Dazu gibt es Postkarten, die an Unternehmensführungen geschickt werden können. Erfolgreich angewendet wurde dies bei der „Clean Clothes“-Kampagne, um in der Kleidungsindustrie Verbesserungen herbeizuführen.

Dabei hat die Spielzeug-Industrie bereits reagiert: Der Internationale Spielzeugverband (ICTI) sieht einen eigenen Verhaltenskodex und einen Überprüfungsprozess (ICTI CARE Prozess) vor. Auch das chinesische Arbeitsrecht wurde verbessert.

Doch laut „Südwind“ halten sich neun von zehn Fabriken in China nicht an das nationale Arbeitsrecht, das eine 40-Stunden-Woche und beschränkte Überstunden vorsieht. Auch zweifeln NGOs an der Effektivität des Überprüfungsprozesses von ICTI. Beide Fabriken, die von einer Partner-Organisation vor Ort besucht wurden, seien von ICTI zertifiziert worden; die wirklichen Bedingungen am Arbeitsplatz seien gegenüber Prüfern verfälscht worden. „Südwind“ fordert eine Verbesserung des Überprüfungsprozesses, vor allem mehr Transparenz, einen strengeren Kodex und unabhängige Betriebsprüfungen.

„Wir haben eine Menge erreicht, aber wir sind sicherlich noch nicht am Ziel“, entgegnet Christian Ewert, Chef der ICTI CARE-Stiftung, im FURCHE-Gespräch. Er betont, dass vor allem im Bereich Arbeitssicherheit am meisten Verbesserungen erreicht werden konnten. Schwieriger sei es bei der korrekten Entlohnung und bei den Arbeitsstunden, räumt Ewert ein: Hier wird auf einen „kontinuierlichen Verbesserungsprozess“ gesetzt. Das beruhe auf einer pragmatischen und realistischen Herangehensweise.

ICTI: „Sind sicherlich noch nicht am Ziel“

Bis 2012 müssten betreffende Fabriken eine maximale Wochenarbeitszeit von 66 Stunden einhalten. Danach würden weitere Reduktionen, die dem nationalen Recht entsprechen, angestrebt. Eine Fabrik dürfe nur dann Mitglied bei ICTI sein, wenn sie sich bereiterklärt, sich dazu zu verpflichten. Diese langen Arbeitszeiten würden für die intensiven Produktionszeiten gelten. Arbeiter würden Überstunden auch wollen, um mehr zu verdienen, meint Ewert, der aber einräumt, dass die Unterbringungen wenig Grund geben, sich dort lange aufzuhalten. Ewert widerspricht auch dem „Südwind“-Vorwurf, dass Prüfer nicht unabhängig wären. Es würden externe Organisationen mit den Betriebsprüfungen beauftragt. Der „Südwind“-Forderung nach einem Runden Tisch aller Beteiligter steht Ewert positiv gegenüber. Er sei ständig im Austausch mit NGOs. Sie würden um das gleiche Ziel kämpfen.

Der Konsument muss auf ein Gütesiegel für „fair erzeugtes“-Spielzeug noch warten. Auf der ICTI-Webseite werden Spielwarenunternehmen und Fabriken aufgelistet, die sich der ICTI-Zertifizierung unterwerfen – darunter auch die Multis ( www.icti-care.org).

Die NGO „Südwind“ macht auf ausbeuterische Arbeitsbedingungen in der chinesischen Spielzeugindustrie aufmerksam und fordert auch Konsumenten auf, Druck auszuüben.

Wer dieser Tage Spielwaren kaufen möchte, soll nicht nur an die freudigen Kinderaugen denken, die ihn oder sie vor dem Christbaum erwarten. Geht es nach der entwicklungspolitischen NGO „Südwind“, dann sollten Konsument und Konsumentin auch viel weiter denken: bis nach China.

Denn die Arbeitsbedingungen chinesischer Arbeiterinnen und Arbeiter in der Spielzeugproduktion seien alles andere als fair, sondern zum Teil ausbeuterisch, wie „Südwind“ anhand eines Lokalaugenscheins zweier Fabriken in der südchinesischen Provinz Guangdong aufzeigt: Arbeiter berichteten von 15-Stunden-Schichten, zu geringer Bezahlung; das Arbeitsumfeld sei zudem gesundheitsgefährdend, die Arbeiter oft nicht über giftige Substanzen aufgeklärt, mit denen sie hantieren; zudem müssen Arbeiter in dürftigen Massenquartieren hausen. Kurz: die Arbeitsbedingungen sind „menschenunwürdig“, wie Claudia Bonk, Projektleiterin der eben gestarteten Kampagne „Spielsachen fair machen“ kritisiert.

Die Kampagne will Konsumenten dazu ermutigen, Druck auf Spielzeugfirmen auszuüben, damit diese ihre Produktionswege transparent machen und sich Zulieferfirmen in China an die Mindestnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) halten. Ein Boykott einzelner Spielwaren wird aber abgelehnt, man setzt auf Zusammenarbeit mit den Firmen. Dazu gibt es Postkarten, die an Unternehmensführungen geschickt werden können. Erfolgreich angewendet wurde dies bei der „Clean Clothes“-Kampagne, um in der Kleidungsindustrie Verbesserungen herbeizuführen.

Dabei hat die Spielzeug-Industrie bereits reagiert: Der Internationale Spielzeugverband (ICTI) sieht einen eigenen Verhaltenskodex und einen Überprüfungsprozess (ICTI CARE Prozess) vor. Auch das chinesische Arbeitsrecht wurde verbessert.

Doch laut „Südwind“ halten sich neun von zehn Fabriken in China nicht an das nationale Arbeitsrecht, das eine 40-Stunden-Woche und beschränkte Überstunden vorsieht. Auch zweifeln NGOs an der Effektivität des Überprüfungsprozesses von ICTI. Beide Fabriken, die von einer Partner-Organisation vor Ort besucht wurden, seien von ICTI zertifiziert worden; die wirklichen Bedingungen am Arbeitsplatz seien gegenüber Prüfern verfälscht worden. „Südwind“ fordert eine Verbesserung des Überprüfungsprozesses, vor allem mehr Transparenz, einen strengeren Kodex und unabhängige Betriebsprüfungen.

„Wir haben eine Menge erreicht, aber wir sind sicherlich noch nicht am Ziel“, entgegnet Christian Ewert, Chef der ICTI CARE-Stiftung, im FURCHE-Gespräch. Er betont, dass vor allem im Bereich Arbeitssicherheit am meisten Verbesserungen erreicht werden konnten. Schwieriger sei es bei der korrekten Entlohnung und bei den Arbeitsstunden, räumt Ewert ein: Hier wird auf einen „kontinuierlichen Verbesserungsprozess“ gesetzt. Das beruhe auf einer pragmatischen und realistischen Herangehensweise.

ICTI: „Sind sicherlich noch nicht am Ziel“

Bis 2012 müssten betreffende Fabriken eine maximale Wochenarbeitszeit von 66 Stunden einhalten. Danach würden weitere Reduktionen, die dem nationalen Recht entsprechen, angestrebt. Eine Fabrik dürfe nur dann Mitglied bei ICTI sein, wenn sie sich bereiterklärt, sich dazu zu verpflichten. Diese langen Arbeitszeiten würden für die intensiven Produktionszeiten gelten. Arbeiter würden Überstunden auch wollen, um mehr zu verdienen, meint Ewert, der aber einräumt, dass die Unterbringungen wenig Grund geben, sich dort lange aufzuhalten. Ewert widerspricht auch dem „Südwind“-Vorwurf, dass Prüfer nicht unabhängig wären. Es würden externe Organisationen mit den Betriebsprüfungen beauftragt. Der „Südwind“-Forderung nach einem Runden Tisch aller Beteiligter steht Ewert positiv gegenüber. Er sei ständig im Austausch mit NGOs. Sie würden um das gleiche Ziel kämpfen.

Der Konsument muss auf ein Gütesiegel für „fair erzeugtes“-Spielzeug noch warten. Auf der ICTI-Webseite werden Spielwarenunternehmen und Fabriken aufgelistet, die sich der ICTI-Zertifizierung unterwerfen – darunter auch die Multis ( www.icti-care.org).