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Finanzkrisen: früher und heute

Im Moment der Krise ist es besonders schwer, Aussagen über die Zukunft zu treffen. Eine mögliche Orientierung bieten frühere Erfahrungen. In der aktuellen Debatte werden Japan in den 1990ern und die Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre zitiert. Auch Asien und Russland 1997-98 und das Ende der Internet-Blase 2001 sind noch präsent. Während den ersten Krisen Rezession und Stagnation folgten, war der Rückgang von Wachstum und Beschäftigung nach anderen Krisen kürzer und schwächer. Um diese Erfahrungen für eine "Prognose" verwenden zu können, müssten wir zunächst wissen, in welchem Szenario wir uns diesmal befinden.

Fasst man die Erfahrungen seit den 1970er Jahren zusammen, leidet die Realwirtschaft mehr, wenn die Krise ihren Ursprung im Bankensektor hat, so wie derzeit. Ein weiterer Faktor, der die Effekte auf die Realwirtschaft verschärft, sind stark steigende Immobilienpreise vor Ausbruch der Krise. Auch dies war in den USA und einigen europäischen Ländern der Fall, wenn auch nicht in Österreich. Beide Faktoren sprechen also eher für eine längere Schwächephase. Freilich ist aber nicht in allen Bereichen Pessimismus gerechtfertigt: So sind die Haushalte und Unternehmen in Europa relativ wenig verschuldet und daher besser gerüstet als bei früheren Finanzkrisen. Zudem reagiert die europäische Wirtschaft, die sich stärker über Banken und weniger über Aktien- und Anleihenmärkte finanziert, weniger empfindlich auf Turbulenzen im Finanzsektor.

Alle historischen Episoden betonen eines: die zentrale Rolle des Bankensystems für eine gut funktionierende Wirtschaft. Oberste Priorität hat daher die Stabilisierung der Banken. Die Bankenpakete, die Österreich und viele andere europäische Länder in den letzten Wochen beschlossen haben, bilden eine unabdingbare Voraussetzung dafür, die negativen Folgen der Finanzkrise auf Investitionen, Konsum und Beschäftigung zu begrenzen.

Der Autor ist Gouverneur der

Oesterreichischen Nationalbank.

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