Das neueste Attac-Buch "Crash statt Cash" ist aktueller, als einem lieb sein kann.

Genau vor zehn Jahren kam es in Südostasien zu einer großen Krise der Finanzmärkte, die den Anlass zur Gründung des internationalen globalisierungskritischen Netzwerkes Attac gab. Wäre dies nicht allein schon ein Grund für ein Buch über die Kernthemen der selbst ernannten Globalisierungs-Gestalter, so kam nun auch noch die Sub-Prime-Krise mit ihren immer neuen milliardenschweren Folgen hinzu.

Mechanismen erklären

Das Buch "Crash statt Cash" führt zu Beginn in die Thematik ein, und erklärt in einfachen Worten, wie sehr sich die Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft entfernt hat. Begriffe wie Hedging und Derivate werden ebenso in Infokästen erklärt wie auch der Niederschlag der Krisen auf das reale Wirtschaftstreiben und das Leben der einfachen Menschen. Oft wird in dem Band betont, dass die Liberalisierung der Finanzmärkte eine politische Entscheidung war und somit auch deren Bändigung möglich ist, wenn nur der nötige politische Wille aufgebracht werde.

Das in handliche Kapitel unterteilte und von unterschiedlichen Autoren geschriebene Buch gibt ebenfalls Einblicke in die Welt der Hedge- und Private-Equity-Fonds. Es wird kritisch beleuchtet, inwiefern es nachhaltig ist, wenn diese Fonds irrsinnige Summen an Geld lukrieren und damit Kredite aufnehmen, und somit eine Hebelwirkung (Vervielfachung des Investitionskapitals) sondergleichen möglich ist. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Krisen, die sie mitverursachen, wird die Frage nach dem Nutzen der alternativen Investmentformen gestellt, wenn diese unreguliert bleiben. Denn wenn alle Stricke reißen, werden immer die Staaten mit ihren Notenbanken zu Hilfe gerufen, und die Steuerzahler müssen die Krisen ausbaden. Der kurzfristige Profit für wenige wird somit zum Schaden für viele.

Ein eigenes Kapitel beleuchtet die Phasen einer Finanzmarkt-Krise und vergleicht die Südostasien-Krise mit der aktuellen Hypothekenkrise in den USA. Das letzte Kapitel wartet schließlich mit einem ordentlichen Forderungskatalog auf, wie zum Beispiel der Schaffung einer EU-weiten Finanzmarktaufsicht.

Bis auf den Teil von Frédéric Lordon, der redundant und polemisch anmutet, wird dem Leser so objektiv wie eben möglich, die Finanzwelt aus der Sicht von Attac erklärt. Das Buch ist gute Einstiegslektüre - nicht nur für Kritiker der globalen Finanzmärkte - und leider aktueller, als einem lieb sein kann. Wer allerdings Hasstiraden gegen den Kapitalismus per se erwartet, der wird enttäuscht sein.

CRASH STATT CASH Warum wir die globalen Finanzmärkte bändigen müssen

Von Karin Küblböck, Cornelia Staritz, Frédéric Lordon et al.; Attac (Hg.) ÖGB Verlag, Wien 2008 196 Seiten, brosch., € 19,90

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