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Frauen, packen wir’s an!

Nur allzu gerne lassen wir unseren Blick am 8. März, dem Weltfrauentag, in die Ferne schweifen. Auch wenn uns die Probleme hierzulande - verglichen etwa mit der dramatischen Situation der Frauen in der arabischen Welt - banal erscheinen, sollten wir sie ernst nehmen: Denn strukturelle Ungerechtigkeit muss überall bekämpft werden.

Zweifellos haben junge Frauen in Österreich heute viel mehr Möglichkeiten als noch ihre Müttergeneration: Sie können Pilotin, Kamerafrau oder Finanzministerin werden. Die Ungleichheiten werden erst später spürbar. Etwa, wenn beim Bewerbungsgespräch nach dem Kinderwunsch gefragt wird. Das ist zwar verboten, aber dennoch gängig. Die Benachteiligungen schleichen sich heute leiser und unbemerkter in Biografien ein - und sind umso schwieriger zu orten und zu bekämpfen.

Immer wieder Rückschritte

Sobald es um Partnerschaft und Familie geht, sind es fast immer die Frauen, die zurückrudern müssen. Auch im 21. Jahrhundert bleiben zwei Drittel der Hausarbeit an den Frauen kleben. Und das, obwohl im Ehegesetz seit dem Jahr 2000 festgeschrieben ist, dass Haushaltsarbeit "partnerschaftlich“ geteilt werden muss. Doch für einen echten Paradigmenwechsel braucht es nicht nur neue Gesetze, sondern eine neue Kultur. Solange Frauen mehr unbezahlte Arbeit leisten, stehen sie auf der potenziellen Verlierer-Seite. Wir sollten uns nicht länger mit der Hälfte des Kuchens begnügen. Uns steht die Hälfte der Bäckerei zu!

Zwei Schritte voraus, einen Schritt zurück. So entpuppt sich der mühsame Weg der Emanzipation. In vorhersehbarer Regelmäßigkeit wiederholen sich überwunden geglaubte Muster: Bestens ausgebildete Frauen folgen heute nicht selten ihrem Partner dorthin, wo er eine Stelle findet. Auf Kosten ihres eigenen Jobs und ihrer finanziellen Unabhängigkeit. Oder entschließen sich, gleich nach dem Studium schwanger zu werden. Und reden sich ein: "Karriere machen kann ich später.“ Nur, dass es dazu "später“ meist nicht mehr kommt. Umso bitterer, wenn sich der Partner "später“ aus dem Staub macht und diese Frauen zu alleinerziehenden und prekär beschäftigten Müttern werden.

Ein offenes Miteinander jenseits der Geschlechterklischees würde auch Männern neue Rollen und Handlungsräume eröffnen: Denn eine Familie alleine ernähren zu müssen kann auch als schwere Last auf den Schultern wiegen. Echte Gleichstellung würde das Geschlechterverhältnis auf beiden Seiten entspannen.

Mehr Solidarität bitte!

Dazu braucht es mehr Eigeninitiative: Wie viele Frauen haben vor der Schwangerschaft mit ihrem Partner besprochen, wie die Arbeitsteilung mit Kind funktionieren soll? Wir dürfen uns nicht erwarten, dass Männer uns Kinderbetreuung und Hausarbeit aus den Händen reißen, dass Arbeitgeber mit der Gehaltserhöhung wedeln.

Frauen müssen ihre Forderungen noch nachdrücklicher stellen. Auch auf die Gefahr hin, dafür nicht von allen geliebt zu werden. Das scheint überhaupt die größte Angst der Frauen zu sein. Denn wer abhängig ist von anderen, darf deren Gunst nicht verspielen.

Wenn Frauen in vorauseilendem Gehorsam ihre Sätze mit "Ich bin keine Emanze, aber...“ beginnen, wird klar, wie sehr sie die patriarchalen Spielregeln verinnerlicht haben. Dabei bringt Frauen nichts so sehr weiter wie die Solidarität untereinander. Höchste Zeit, dass wir den Männerbünden unsere eigenen Netzwerke entgegenstellen.

Trotz wachsender Unabhängigkeit steckt den Frauen die jahrtausendelange Unterdrückung noch in den Knochen. Immer zurückstecken, tapfer lächeln, das Private vor den Beruf reihen - solche Glaubenssätze sind "Gefühlserbschaften“, die sich nicht binnen weniger Generationen wegdiskutieren lassen. Wir haben innerhalb eines Jahrhunderts Unglaubliches geschafft. Wer von so weit her kommt, sollte es gewohnt sein, große Schritte zu machen.

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