Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) lobt den Einsatz der Sozialpartner und Betriebe.

Die Furche: Das Ziel der Lissabon-Agenda, bis in vier Jahren 50 Prozent aller 55-bis 65-Jährigen in Beschäftigung zu haben, ist sehr ehrgeizig. Noch immer haben gerade ältere Arbeitslose kaum Chancen, wieder in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Was planen Sie für eine mögliche weitere Legislaturperiode an Maßnahmen für diese Personengruppe?

Martin Bartenstein: Das stimmt, Österreich ist in der Frage der Beschäftigungsquote Älterer - mit deutlichem Unterschied zu allen anderen Erwerbsgruppen - vom Lissabon-Ziel noch einigermaßen entfernt, besonders wegen des niedrigen Pensionseintrittsalters. Durch die Pensionsreform und beschäftigungswirksame Maßnahmen bewegen wir uns aber darauf zu. Ich möchte Ihnen einige Zahlen dazu nennen: Die Zahl älterer Arbeitsloser, die wieder eine Beschäftigung aufnahmen, ist im Jahr 2005 mit 53.000 um 8,3 Prozent höher gewesen als 2004. Die Beschäftigungsquote der Älteren hat sich in den letzten fünf Jahren deutlich erhöht und beträgt nun 31,8 Prozent. Das zeigt, dass Maßnahmen wie die Reduktion der Lohnnebenkosten um bis zu 12,6 Prozent-Punkte, Qualifizierungsmaßnahmen, insbesondere auch für Beschäftigte, spezielle Vermittlungsunterstützung und Beratungen gewirkt haben. Hervorzuheben sind auch Programme wie Einstellförderungen und das Altersteilzeitgeld für einen gleitenden Übergang in den Ruhestand. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass auch spezifische Leistungs-und Gesundheitsförderung in der Arbeitswelt wichtig sind.

Die Furche: Eine der Maßnahmen, um neben jungen auch besonders ältere Langzeitarbeitslose wieder in ein Beschäftigungsverhältnis zu bringen, ist der Kombilohn, der anfangs sehr umstritten war. Wie zufrieden sind Sie mit ihm?

Bartenstein: Zunächst ist hervorzuheben, dass dieses für Österreich neue Instrument - im Unterschied zu den Diskussionen im Ausland, wie zum Beispiel in Deutschland - in Abstimmung mit den Sozialpartnern rasch eingeführt werden konnte. Es ist jetzt einfach noch zu früh, Bilanz zu ziehen. Wir werden aber, wie von Anfang an geplant, nach einem Jahr die Pilotphase bewerten und auf Basis dieser Ergebnisse entsprechende Adaptierungen - sofern notwendig - vornehmen.

Die Furche: Noch immer haben viel zu wenig Unternehmen erkannt, dass sie wegen der demografischen Entwicklung bald auf ältere Arbeitnehmer angewiesen sein werden. Wie wird sich dieser Umstand auf die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich auswirken? Befürchten Sie Wettbewerbsnachteile?

Bartenstein: Viele Arbeitgeber sehen bereits die zunehmende Notwendigkeit und auch den Nutzen, bei der Personalplanung bzw. Rekrutierung ältere Arbeitnehmer zu berücksichtigen - das zeigen auch die Arbeitsmarktdaten. Natürlich muss sich dieser Prozess noch weiterentwickeln.

Nachteile oder Gefahren für Österreich kann ich keine erkennen, denn das österreichische Arbeitsangebot ist sehr flexibel. Es wird in den nächsten Jahren mit weiter steigender Beschäftigung und einem weiter steigenden Arbeitskräfteangebot - denken Sie aktuell an die Arbeitnehmer aus dem benachbarten Deutschland - gerechnet. Generelle Angebotsengpässe erwarte ich nicht. Das Entscheidende wird die Qualifikation sein - und da machen sowohl Betriebe als auch die Regierung viel. Lebensbegleitendes Lernen ist nicht nur ein Schlagwort, sondern das umfassende Konzept für eine gesicherte berufliche Zukunft. Schulungen, die erst gegen Ende des Berufslebens einsetzten, sind schwierig und daher muss es Weiterbildung schon in früheren Lebensphasen - insbesondere auch in Phasen der Arbeitslosigkeit - geben.

Die Furche: Die Politik hat zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um älteren Arbeitnehmern den längeren Verbleib im Berufsleben zu ermöglichen, neben dem erwähnten Kombilohn etwa Lohnnebenkostensenkungen, Weiterbildungsförderungen etc. Was erwarten Sie nun von den Betrieben? Was müssen sie tun, um auch ihren Teil beizutragen?

Bartenstein: Vorerst bei ihrer Personalplanung klar sehen, dass erstens Ältere in den nächsten Jahren einen größeren Anteil am Arbeitskräftepotenzial ausmachen - sie nehmen demografisch bedingt zu, gleichzeitig wird die Zahl der Schulabgänger, die ins Berufsleben übertreten, abnehmen. Damit wird es mehr oder weniger zwangsläufig notwendig sein, Ältere vermehrt zu beschäftigen. Dass zweitens Ältere entgegen den tradierten Vorstellungen durchaus leistungsfähig sind und besondere Stärken im betrieblichen Alltag einbringen. Darauf bereiten sich die Unternehmen in unterschiedlichem Umfang bereits vor. Das kann - je nach Umständen in den einzelnen Betrieben - mit rechtzeitiger Weiterbildung, angepasster Arbeitsorganisation und altersgerechter Arbeitszeitgestaltung geschehen.

Die Furche: Sehen Sie bei den Arbeitgeber-und Arbeitnehmervertretern auch die Bereitschaft, aktiv für ältere Arbeitnehmer einzutreten?

Bartenstein: Ja, es gibt zum Beispiel die Plattform "Arbeit und Alter", eine Gemeinschaftsaktion von Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und Gewerkschaft unter Beteiligung meines Ressorts. Es werden hier vielfältige Aktivitäten, die allesamt das Ziel der Beschäftigungsförderung Älterer haben, umgesetzt und Modelle vorgestellt. Das ist ein ermutigender Ansatz, der Erfolg versprechend in die Zukunft weist.

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