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Gewissenhafte Spekulation

Kapitalmarkt und Ethik müssen kein Gegensatz sein. Das sehen auch immer mehr Investoren ein und legen ihr Geld in nachhaltigen Wertpapieren an - die trotzdem ein Nischenprodukt sind.

Es ist eine illustre Runde an Firmen, die die US-amerikanische Kapitalanlagegesellschaft Mutuals.com in einem Investmentfonds vereinigt hat. Sie haben eines gemeinsam: Mit Moral und Wertvorstellungen sind sie nicht so leicht in Zusammenhang zu bringen: In den "Vice Fund" (Laster Fonds) werden nur Anleihen und Aktien von Unternehmen aufgenommen, die ihr Geld mit Alkohol, Tabak, Waffen oder Glücksspiel verdienen. Die Überlegung dahinter ist einfach: Tabak-, Alkohol-, Waffen- und Glücksspielindustrie seien nahezu sicher vor Rezessionen, denn die Menschen werden immer rauchen, trinken, ihr Geld verspielen und um sich schießen. Der Fünf-Jahres-Vergleich scheint diese These zu bestätigen: Während seit Juni 1998 der S&P 500, ein Index mit 500 bedeutenden US-amerikanischen Aktien, um mehr als 14 Prozent fiel, stieg im selben Zeitraum der Wert von Glücksspiel-Aktien um mehr als 145 Prozent.

Investitionen in die Abgründe des Lasters sind aber eben nicht jedermanns Sache. Im Gegenteil: Immer mehr Ethik-Fonds in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen, dass sich ökonomische Interessen mit ökologischen und sozialen Belangen durchaus vereinbaren lassen. "Zwar gibt es die ältesten Ethikfonds im deutschsprachigen Raum seit rund zehn Jahren, aber die meisten wurden seit 2001 implementiert", beschreibt Marnie Bammert von der deutschen Rating-Agentur Ökom Research, die Firmen auf ihre sozialen und ökologischen Verhaltensweisen hin überprüft, den langsam sichtbar werdenden Trend. "Das Volumen dieser Fonds beträgt 2,1 Milliarden Euro. Das klingt viel, aber es sind erst 0,7 Prozent aller Fonds."

Der Grund für die Zurückhaltung der Anleger ist ein weit verbreiteter Zweifel: Einer Umfrage des deutschen Meinungsforschungsinstitutes Emnid zufolge glauben 21 Prozent der Befragten, dass die Rendite von Ethikfonds geringer sei als von anderen Wertpapieren, sogar sechs Prozent sind der Ansicht, sie würden überhaupt keine Gewinne bringen. Susanne Hasenhüttl, Mitglied der Plattform "Ethisch-ökologische Veranlagung" erklärt dagegen: "Sämtliche Studien belegen, dass das nicht stimmt. Sie zeigen sogar, dass Ethik-Fonds auf Dauer teilweise eine bessere Performance haben, weil die Firmen das langfristig erfolgreichere Konzept haben als diejenigen, die soziale und ökologische Aspekte nicht berücksichtigen." Ein Problem sei aber die mangelnde Information der Investoren. "Von der Hausbank bekommt man oft nur sehr wenige Informationen über diesbezügliche Anlagemöglichkeiten."

Firmen auf dem Prüfstand

Dabei bieten in Österreich die meisten großen, aber auch viele kleine Kapitalanlage-Gesellschaften wenigstens einen Ethik-Fonds an. Die Kriterien, nach denen die Unternehmen neben den wirtschaftlichen Gesichtspunkten auch auf ihr soziales und ökologisches Handeln hin überprüft werden, sind jedoch unterschiedlich: Entweder werden bestimmte Branchen kategorisch ausgeschlossen, oder es wird nach dem "best in class"-Prinzip aus allen Branchen nur das jeweils vorbildlichste Unternehmen ins Rating aufgenommen. Wobei die Kapitalanlage-Gesellschaften diese Bewertungen meist nicht selbst durchführen, sondern den Rating-Agenturen überlassen.

Die Informationen für den erst im August neu aufgelegten Ethik-Fonds der Capital Invest, der Kapitalanlagegesellschaft der Bank Austria Creditanstalt Gruppe, lieferte beispielsweise die italienische Firma E. Capital Partners, die eine Mischung aus beiden Methoden praktiziert: Firmen, die mehr als zwei Prozent ihres Geschäftes mit Tabak, Alkohol, Waffen, Glücksspiel, Pornografie oder Atomkraft machen, sind ausgenommen. Aus den restlichen Branchen werden Firmen aufgenommen, die sich beispielsweise durch soziales Engagement, Transparenz oder Umweltschutz auszeichnen. Das "best in class"-Prinzip kommt dagegen bei bestimmten ökologisch problematischen Firmenzweigen zur Anwendung: "Ölfirmen sind von den meisten Ratings ausgeschlossen, weil sie große Umweltprobleme haben. Aber wir können ja nicht einfach das Licht ausknipsen und die Autos stehen lassen", betont Paolo Sardi, Mitarbeiter der Rating-Agentur. "Daher nehmen wir aus Branchen mit Umweltproblemen die Firmen auf, die außergewöhnlich viel tun, um dennoch nachhaltig zu wirtschaften."

Und wer sind die Anleger, die sich für Ethik-Fonds interessieren? Helmut Sobotka, Vorstandsvorsitzender der Capital Invest, im Gespräch mit der Furche: "Einerseits sind es vor allem kirchliche Institutionen, die eben nicht in Waffenkonzerne oder Glücksspiel investieren wollen. Aber auch andere Anleger, die über den eigenen Tellerrand hinausschauen möchten." Und an einer möglicherweise illustren Runde an lasterhaften Firmen eben keinen Gefallen finden.

Weitere Informationen: www.gruenesgeld.at

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