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Wirtschaft

Herr Xi, Herr Trump und Herr Konfuzius

1945 1960 1980 2000 2020

Der Staatsbesuch von Xi Jinping in den USA wird unterschätzt. Er zeigte die Hauptstrategie Donald Trumps.

1945 1960 1980 2000 2020

Der Staatsbesuch von Xi Jinping in den USA wird unterschätzt. Er zeigte die Hauptstrategie Donald Trumps.

In den vergangenen Wochen wurde so viel über die angeblich kranke Psyche des US-Präsidenten geschrieben, dass einem vor den politischen Aktionen von Donald Trump angst und bange werden kann. Vom krankhaften Narzissten war die Rede und von einem Menschen, der sich selbst nicht mehr kontrollieren kann, schon gar nicht seine Impulse. Aber selbst wenn Donald Trump mit Hitler und anderen Diktatoren verglichen wurde (und sich vergleichen ließ). Man kann doch Details finden, mit denen sich erfolgreich Politik machen ließe. Man könnte auch ein altes Sprichwort umdrehen: So, wie nicht alles Gold ist, was glänzt, ist im Fall Trump doch nicht alles dumm, was im ersten Anblick wie Bohnenstroh aussieht. Vielleicht haben wir uns ja zu sehr mit den Krankheitsbildern Donald Trumps beschäftigt und zu wenig mit seinem von ihm selbst immer wieder genannten Hauptmerkmal: Seinem Misstrauen.

Misstrauen in einem kultivierten Sinn ist ja zunächst ein Zeichen der Aufgeklärtheit: dem anderen zunächst einmal nicht über den Weg zu trauen und kritisch zu hinterfragen.

Das Prinzip

Donald Trump erhebt dieses Prinzip kultiviert oder kultisch weit über die persönliche Ebene hinaus zum Prinzip seiner Diplomatie: Er misstraut öffentlich, um dann beim Beweis des Gegenteils Vertrauen und Freundschaft anzubieten. Das ist zwar gewöhnungsbedürftig, weil die Politik sonst anders herum agiert: Erst Vorschusslorbeer und Schulterklopfen, dann Täuschung und Intrige.

Aber es hilft Politikern, die damit umgehen können, enorm. Etwa jenen, die mit den Weisheiten des Konfuzius vertraut sind. Dieser etwa: "Der Weise vergisst Beleidigungen so schnell, wie der Undankbare die Wohltaten." Man muss davon ausgehen, dass der chinesische Ministerpräsident Xi Jinping solche und andere Sprüche kennt. Denn er hat sich nicht vor Donald Trump zurückgezogen und ist ihm nicht mit jenem Gegenmisstrauen gekommen, das alle Türen zuschlägt. Keine Gegendrohungen für Trumps Drohungen mit Handelskrieg gegen sein Land. Keine klammen Gegenkriegsszenarien für Trumps Krieg-gegen-China-Rhetorik.

Und siehe da, der Präsident trifft den chinesischen Mächtigen und Trump beseitigt sein Misstrauen. Er spricht nun von Freundschaft. Er spricht von gegenseitigem Respekt und großartigen Beziehungen. Es werden langfristige gemeinsame Politiken und Strategien besprochen. Von Handelskrieg und "über den Tisch ziehen" ist keine Rede mehr. Vielmehr scherzt Trump am Ende über sich selbst: "Ich habe nichts bekommen". Das war zuvor auch bei den Japanern und ihrem Premier Shinzo Abe der Fall gewesen. Auch da hatte Trump einen Kehrwechsel auf offener politischer Bühne unternommen -Handelsdefizit hin oder her.

Politische Gefahren

Der Welt und ihrer Wirtschaft hat das bisher nicht geschadet, bei allen Fragwürdigkeiten, die bleiben mögen. Es ist sogar ein gutes Zeichen, wenn man diese Wendigkeit mit den Botschaften der starren Hardliner in Trumps Kabinett vergleicht. Der größte der internen China-Kriegspropagandisten, Steve Bannon, wurde just in den Tagen vor dem Besuch des Chinesen seines Postens im Nationalen Sicherheitsrat enthoben. Das muss nicht, kann aber durchaus etwas mit der Trump'schen Wendung zu tun haben.

Sicher ist ja auch, dass der US-Präsident im Gegenzug etwas zurückbekommt. Dass also sein Vertrauen erwidert wird. Indem etwa die chinesische Reaktion auf den US-Raketenbeschuss Syriens praktisch ausbleibt. Xi erwähnte sie ebensowenig wie das chinesische Außenministerium in seiner Stellungnahme . Dabei handelt es sich beim syrischen Regime um einen wohlgelittenen Verbündeten Pekings. Noch wichtiger werden die Verbindungen der USA aber, wenn es um die größte globalpolitische Gefahr geht, Nordkorea.

Die Chinesen fühlen sich selbst zunehmend unwohl, da das Atomprogramm des aggressiven Nachbarn in eine "entscheidende Phase"(Xi und Trump) getreten ist. Bisher ist ein gemeinsames Vorgehen stets am Misstrauen gescheitert: Die USA verlangten von Peking mehr Druck gegen das Regime in Pjöngjang. Etwa mit der Kündigung von Kohleabnahme und anderen Handelsgütern aus Nordkorea. Peking wiederrum verlangte für ein Entgegenkommen von den USA eine Begrenzung der militärischen Unterstützung für Japan und Südkorea. So segelte am Ende immer der nordkoreanische Diktator als Gewinner aus diesen Interessenskonflikten.

So schnell, wie die Freundschaften von Donald Trump geschlossen werden können, so schnell können sie aber auch wieder vergehen. Siehe die offensichtliche Sympathie für Wladimir Putin. Ist das ein schlechtes Zeichen für den Weltfrieden? Das kommt darauf an, was Trump will. Ohne Russland wird es keinen Frieden in Syrien geben. Und Sympathien ohne Strategie sind nutzlos, da sie kein längerfristiges Ziel verfolgen können. Aber vielleicht ist der Präsident da ja noch lernfähig - im Sinne des Konfuzius: "Etwas lernen und mit der Zeit geübter darin werden, ist das nicht auch Freude?"

In den vergangenen Wochen wurde so viel über die angeblich kranke Psyche des US-Präsidenten geschrieben, dass einem vor den politischen Aktionen von Donald Trump angst und bange werden kann. Vom krankhaften Narzissten war die Rede und von einem Menschen, der sich selbst nicht mehr kontrollieren kann, schon gar nicht seine Impulse. Aber selbst wenn Donald Trump mit Hitler und anderen Diktatoren verglichen wurde (und sich vergleichen ließ). Man kann doch Details finden, mit denen sich erfolgreich Politik machen ließe. Man könnte auch ein altes Sprichwort umdrehen: So, wie nicht alles Gold ist, was glänzt, ist im Fall Trump doch nicht alles dumm, was im ersten Anblick wie Bohnenstroh aussieht. Vielleicht haben wir uns ja zu sehr mit den Krankheitsbildern Donald Trumps beschäftigt und zu wenig mit seinem von ihm selbst immer wieder genannten Hauptmerkmal: Seinem Misstrauen.

Misstrauen in einem kultivierten Sinn ist ja zunächst ein Zeichen der Aufgeklärtheit: dem anderen zunächst einmal nicht über den Weg zu trauen und kritisch zu hinterfragen.

Das Prinzip

Donald Trump erhebt dieses Prinzip kultiviert oder kultisch weit über die persönliche Ebene hinaus zum Prinzip seiner Diplomatie: Er misstraut öffentlich, um dann beim Beweis des Gegenteils Vertrauen und Freundschaft anzubieten. Das ist zwar gewöhnungsbedürftig, weil die Politik sonst anders herum agiert: Erst Vorschusslorbeer und Schulterklopfen, dann Täuschung und Intrige.

Aber es hilft Politikern, die damit umgehen können, enorm. Etwa jenen, die mit den Weisheiten des Konfuzius vertraut sind. Dieser etwa: "Der Weise vergisst Beleidigungen so schnell, wie der Undankbare die Wohltaten." Man muss davon ausgehen, dass der chinesische Ministerpräsident Xi Jinping solche und andere Sprüche kennt. Denn er hat sich nicht vor Donald Trump zurückgezogen und ist ihm nicht mit jenem Gegenmisstrauen gekommen, das alle Türen zuschlägt. Keine Gegendrohungen für Trumps Drohungen mit Handelskrieg gegen sein Land. Keine klammen Gegenkriegsszenarien für Trumps Krieg-gegen-China-Rhetorik.

Und siehe da, der Präsident trifft den chinesischen Mächtigen und Trump beseitigt sein Misstrauen. Er spricht nun von Freundschaft. Er spricht von gegenseitigem Respekt und großartigen Beziehungen. Es werden langfristige gemeinsame Politiken und Strategien besprochen. Von Handelskrieg und "über den Tisch ziehen" ist keine Rede mehr. Vielmehr scherzt Trump am Ende über sich selbst: "Ich habe nichts bekommen". Das war zuvor auch bei den Japanern und ihrem Premier Shinzo Abe der Fall gewesen. Auch da hatte Trump einen Kehrwechsel auf offener politischer Bühne unternommen -Handelsdefizit hin oder her.

Politische Gefahren

Der Welt und ihrer Wirtschaft hat das bisher nicht geschadet, bei allen Fragwürdigkeiten, die bleiben mögen. Es ist sogar ein gutes Zeichen, wenn man diese Wendigkeit mit den Botschaften der starren Hardliner in Trumps Kabinett vergleicht. Der größte der internen China-Kriegspropagandisten, Steve Bannon, wurde just in den Tagen vor dem Besuch des Chinesen seines Postens im Nationalen Sicherheitsrat enthoben. Das muss nicht, kann aber durchaus etwas mit der Trump'schen Wendung zu tun haben.

Sicher ist ja auch, dass der US-Präsident im Gegenzug etwas zurückbekommt. Dass also sein Vertrauen erwidert wird. Indem etwa die chinesische Reaktion auf den US-Raketenbeschuss Syriens praktisch ausbleibt. Xi erwähnte sie ebensowenig wie das chinesische Außenministerium in seiner Stellungnahme . Dabei handelt es sich beim syrischen Regime um einen wohlgelittenen Verbündeten Pekings. Noch wichtiger werden die Verbindungen der USA aber, wenn es um die größte globalpolitische Gefahr geht, Nordkorea.

Die Chinesen fühlen sich selbst zunehmend unwohl, da das Atomprogramm des aggressiven Nachbarn in eine "entscheidende Phase"(Xi und Trump) getreten ist. Bisher ist ein gemeinsames Vorgehen stets am Misstrauen gescheitert: Die USA verlangten von Peking mehr Druck gegen das Regime in Pjöngjang. Etwa mit der Kündigung von Kohleabnahme und anderen Handelsgütern aus Nordkorea. Peking wiederrum verlangte für ein Entgegenkommen von den USA eine Begrenzung der militärischen Unterstützung für Japan und Südkorea. So segelte am Ende immer der nordkoreanische Diktator als Gewinner aus diesen Interessenskonflikten.

So schnell, wie die Freundschaften von Donald Trump geschlossen werden können, so schnell können sie aber auch wieder vergehen. Siehe die offensichtliche Sympathie für Wladimir Putin. Ist das ein schlechtes Zeichen für den Weltfrieden? Das kommt darauf an, was Trump will. Ohne Russland wird es keinen Frieden in Syrien geben. Und Sympathien ohne Strategie sind nutzlos, da sie kein längerfristiges Ziel verfolgen können. Aber vielleicht ist der Präsident da ja noch lernfähig - im Sinne des Konfuzius: "Etwas lernen und mit der Zeit geübter darin werden, ist das nicht auch Freude?"