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Heute zu wenig Arbeit, morgen zu wenig Arbeiter

Immer mehr Jugendliche in Österreich sind arbeitslos. Aber während es derzeit deutlich zu wenig Jobs für die Jungen gibt, wird es schon in wenigen Jahren deutlich zu wenig Junge für die Jobs geben.

Mit Februar kommt zu den bisherigen Arbeitsmarkt-Instrumenten ein neues dazu: der Kombilohn. Einst heiß umfehdet, ist es inzwischen ruhig geworden um diese Förderung für Billigjobs. Kein Wunder, war er doch ursprünglich als breit gefächerte Maßnahme zur Stützung des Billiglohn-Sektors im Gespräch. Die Wirtschaft jubelte, Gewerkschaften und Arbeiterkammer warnten, Unternehmer könnten reguläre Vollzeitjobs in mehrere Billig-Teilzeitjobs umwandeln und dafür auch noch Förderungen kassieren.

Alle zufrieden

Nun ist von flächendeckenden Kombilohn-Jobs längst keine Rede mehr. Nur 3.000 Jobs sollen vorerst gefördert werden, im Vollausbau werden es wohl 5.000 sein. Denn an eben so viele freie Stellen, für die maximal ein Pflichtschulabschluss nötig war, konnte das Arbeitsmarktservice im Vorjahr niemanden vermitteln, weil die Bezahlung und somit der Unterschied zum Arbeitslosengeld zu gering war. Hier setzt die Förderung ein: Als Anreiz, einen gering bezahlten Job anzunehmen, bekommen Arbeitslose ein Jahr lang einen Lohnzuschuss, der sich nach der Höhe des letzten Arbeitslosengeldes richtet. Lohn und Zuschuss zusammen genommen dürfen dabei nicht mehr als tausend Euro ausmachen. Zusätzlich bekommt auch der Arbeitgeber einen Teil seiner Lohn-und Lohnnebenkosten ersetzt.

Gefördert werden mit dem Programm zwei Gruppen: 1.500 Kombilohn-Jobs sollen Über-45-Jährige bekommen, die seit mindestens einem Jahr ohne Arbeit sind. Die anderen 1.500 gehen an Unter-25-Jährige, die seit wenigstens sechs Monaten einen Job suchen. Vor allem in den Bereichen Handel, Büro und unternehmensbezogene Dienstleistungen wie Reinigung werden die geförderten Arbeitsstellen zu finden sein, für die heuer bis zu 14,1 Millionen Euro aus dem Budget ausgegeben werden sollen.

Speziell für junge Arbeitslose gibt es seit September 2005 auch das "Projekt 06", nach dem Lehrlingsbeauftragten der Bundesregierung, Egon Blum, auch "Blum-Prämie" genannt: Jeder Unternehmer, der zusätzlich zu seinen bisherigen Auszubildenden neue Lehrlinge aufnimmt, bekommt dafür auf drei Jahre verteilt 8.300 Euro an Förderungen. Die Höhe dieser Prämie entspricht genau jenem Betrag, den es kostet, einen arbeitslosen Jugendlichen für zehn Monate in einer Qualifizierungsmaßnahme des ams unterzubringen. Anstelle dieser Lehrgänge, an denen im Ausbildungsjahr 2004/2005 fast 10.000 Jugendliche teilgenommen haben, sollen also Lehrstellen finanziert werden. Bisher konnten auf diese Weise mehr als 7.000 Ausbildungsplätze in Unternehmen geschaffen werden, freut sich Blum.

Und auch Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (övp) war erfreut, als er Anfang Jänner die Vorjahresstatistik präsentierte: Erstmals seit Ende der 1990er Jahre sei die Zahl der Lehrstellen deutlich gestiegen. 122.378 Lehrlinge gab es Ende 2005 - 2,8 Prozent mehr als 2004. Die Zahl der Lehranfänger ist gar um 7,3 Prozent gewachsen. Und mit einer Arbeitslosenquote von 10,4 Prozent der Jugendlichen liegt Österreich deutlich unter dem Schnitt der eu-25 mit 18,1 Prozent. Nur in Dänemark, Irland und den Niederlanden sind weniger Jugendliche auf Jobsuche.

Mit derselben statistischen Beweiskraft allerdings verleiht Arbeiterkammerchef Herbert Tumpel seinem Unverständnis für die Freude des Ministers Ausdruck. Denn auch die Zahl der jungen Arbeitslosen steigt: Waren im Dezember 2004 schon 47.703 der 15-bis 25-Jährigen arbeitslos gemeldet, legte diese Gruppe bis Dezember 2005 um 3,7 Prozent auf 49.454 Arbeitssuchende zu. Und spö-Chef Alfred Gusenbauer zitierte gar eine Statistik, nach der die Jugendarbeitslosigkeit unter der Regierung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel seit dem Jahr 2000 um satte 73 Prozent zugelegt hat.

Schlechtes Image der Lehre

Aber während Österreich noch mitten in der einen Misere - zu wenig Jobs für die Jungen - steckt, zeichnet sich schon die nächste Misere - zu wenig Junge für die Jobs - ab. Die Babyboom-Generation begibt sich nach und nach in den Ruhestand, aber ab 2009 wird es wegen der sinkenden Geburtenrate jedes Jahr weniger Pflichtschulabsolventen geben. Dazu kommt das schlechte Image der Lehre, beklagt Lehrlingsbeauftragter Blum im Gespräch mit der Furche. Weil manuelle Tätigkeiten schlecht angesehen seien, würden vor allem begabte Jugendliche lieber eine Schul-und Universitätslaufbahn einschlagen als sich für eine Lehre zu entscheiden. "Genau diese Begabten brauchen wir aber auch in Lehrberufen, um den Wirtschaftsstandort nachhaltig zu festigen", mahnt Blum. Denn eine internationale Führungsposition in Forschung und Entwicklung anzustreben sei gut und recht, aber "Österreich lebt immer noch hauptsächlich von der Güterproduktion. Und die muss spitze sein, damit wir als Produktionsstandort mit anderen konkurrieren können."

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