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Karrieresprung für Frauen

Die Wirtschaft fürchtet sich vor einem Arbeitskräftemangel und diskutiert darüber, wie er zu verhindern sei. Ergebnis: Unternehmer müssen erkennen, dass sie es sich nicht länger leisten können, die Karrieren von Frauen zu blockieren.

Die Zahlen verheißen für die Wirtschaft nichts Gutes: In absehbarer Zeit wird sich der Trend der steigenden Arbeitslosigkeit umkehren und in einen massiven Arbeitskräftemangel umwandeln. Denn während die österreichische Bevölkerung derzeit aus rund einem Fünftel Pensionisten besteht, werden 2035 bereits ein Drittel der Einwohner Rentner sein. Und ab 2050 wird nur noch jeder zweite Österreicher im Erwerbsalter sein. Die einfache Rechnung vorausdenkender Unternehmer: Je weniger Arbeitskräfte es gibt, umso geringer die Chance, kompetente Mitarbeiter zu finden.

In einer Diskussion zum Thema "Frauen und Männer: ein Thema von gestern oder die Herausforderung von morgen" der Industriellenvereinigung kam daher eines ganz klar heraus: Die Wirtschaft kann es sich auf Dauer nicht mehr leisten, Frauen durch schlechte Rahmenbedingungen von der Karriere abzuhalten. Denn sie bilden ein enormes Potenzial für den Arbeitsmarkt, das derzeit aber noch viel zu wenig genutzt, sondern massiv benachteiligt wird.

Teilzeit und unterbezahlt

Einige Beispiele: Die Entwicklung geht hin zu immer mehr Teilzeitarbeitsplätzen, mit allen negativen Folgen: weniger Gehalt, weniger Karrierechancen, schlechtere Absicherung im Alter. Hauptbetroffene davon sind Frauen. Denn während mehr als ein Drittel aller berufstätigen Frauen auf Teilzeitbasis arbeiten, sind es nur vier Prozent der Männer. Auch wenn die Teilzeitarbeit einem Gutteil der Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht, macht sich über die Vereinbarkeit von Väter-Karrieren mit ihren Familien offenbar kaum jemand ernsthafte Gedanken. Zwar erhöht sich die Frauenerwerbsquote kontinuierlich und liegt derzeit bei 60 Prozent, diese Erhöhung steht jedoch in direktem Zusammenhang mit der Erhöhung der Teilzeitquote.

Kind oder Karriere

Auch vom vielgefürchteten Karriereknick durch Karenz sind so gut wie ausschließlich Frauen betroffen - nur zwei Prozent der Väter nehmen sich die berufliche Auszeit fürs Kind. Oft gehörter Grund für die niedrige Zahl an karenzierten Vätern: Aufgrund der Einkommensunterschiede ist es einfacher, auf das Gehalt der Frau zu verzichten. Schließlich verdienen Frauen im Schnitt 30 Prozent weniger. Dabei sind die Frauen von heute immer besser ausgebildet: Der Anteil an Akademikerinnen steigt kontinuierlich, an den Universitäten sind mehr Frauen als Männer inskribiert. Kaum merklich steigt dagegen der Anteil an weiblichen Führungskräften, der gerade einmal ein Viertel beträgt, im obersten Management sind Frauen so gut wie gar nicht vertreten.

Die Bevölkerungsentwicklung zeigt deutlich, dass das nicht mehr lange so bleiben kann. Dennoch sind sich die wenigsten Betriebe bewusst, dass sie es sich nicht mehr lange leisten können, auf Frauen im Management zu verzichten, bedauert Regine Bendl von der Abteilung "Gender and Diversity in Organisations" an der Wirtschaftsuniversität Wien: "Gender-Aspekte in die Unternehmen und in ihre Buchhaltung zu integrieren, ist in Österreich schlichtweg kein Thema." Würden die Kosten, die durch die Nichtbeachtung dieses Themas entstehen, in die Kostenrechnung aufgenommen, würde sich zeigen, dass sich Frauen- und Familienfreundlichkeit rechnet, ist sie sicher.

Auch wenn auf den ersten Blick zum Beispiel ein Betriebskindergarten teurer ist, als bei der Stellenbesetzung Männern den Vorzug zu geben. Denn ein solches Vorgehen rächt sich, erklärt Bendl: "Frauen sind betriebstreuer. Männer lassen sich weiterbilden und verlassen das Unternehmen, wenn sie für sich keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr sehen." Noch werde viel zu wenig beachtet, was etwa durch für das Unternehmen sinnlos gewordene Weiterbildung und die Personalsuche für Kosten entstehen.

Monika Kircher-Kohl, Vorstandssprecherin bei Infineon Technologies, betont vor allem die Kompetenzen, die Frauen aufgrund ihrer Sozialisation meist mitbringen und die gerade in der Wissensgesellschaft noch stärker gefragt sein werden: Flexibilität, Interdisziplinarität, Teamorientierung. "Ich bin überzeugt davon, dass Frauen auf Grund dieser Eignung in den nächsten Jahren viel stärker in Führungspositionen kommen werden."

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