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Können Millionen irren?

Nach dem Krieg wurde das Bausparen erfunden, um die marode Bauwirtschaft anzukurbeln und den Traum vom Eigenheim real werden zu lassen. Die Ausschüttung der Bausparprämie als Motivation zum Hausbau zahlte sich aus: Seit dem Jahr 1945 wurden so mehr als eine Million Häuser finanziert. Wer heuer noch 13.760 Schilling einzahlt, bekommt 619,21 Schilling als staatliche Prämie, das sind 4,5 Prozent. "Diese Fördermittel haben eine ungeheure Hebelwirkung. 2 Milliarden Förderung bringen einen Impuls für die Bauwirtschaft und das Wohnen von ungefähr 35 Milliarden. Diese Art der Wohnbauförderung hat eminent zum Wiederaufbau beigetragen," sieht Josef Rapp, Generaldirektor der Bausparkasse der Sparkassen (SBAU), in dieser Sparform ein sehr nützliches Konstrukt: Eine Milliarde bringt umgelegt rund 1.500 Arbeitsplätze. Die Jahre haben auch am Bausparen Spuren hinterlassen. Seit Beginn 1998 wurde die staatliche Prämie, die früher vom Finanzminister von Zeit zu Zeit korrigiert worden war, erstmals an die Zinsen angepaßt. Sie fällt damit von 4,5 Prozent im heurigen Jahr auf 3,5 Prozent im Jahr 2000. Im Vergleich zu anderen Sparformen eine beachtliche Rendite.

Abgesehen davon besteht die Möglichkeit, ein Bauspardarlehen aufzunehmen. Bei der SBausparkasse stehen etwa 1,5 Millionen Bausparern 260.000 Darlehensnehmer gegenüber. Die müssen im Gegensatz zu ersteren ihr Geld wirklich ins Bauen oder Wohnen stecken. Für Handel, Tiefbau oder anderes gibt es kein Bauspardarlehen.

Im Jahr 1998 wurden auch die Bauspardarlehen an neue Wohnformen angepaßt: Seither ist es möglich, damit auch Genossenschaftswohnungen, den Umbau des Schrebergartens für Wohnzwecke und ähnliches zu finanzieren. Davon machen bereits viele Gebrauch: Ein Viertel aller neu vergebenen Darlehen der SBausparkasse fließt in die Renovierung, vom Rest finanzieren 40 Prozent den geförderten Wohnbau. Den zukünftigen Häuslbauer versorgt die Bausparkasse mit Informationen. Damit er sich finanziell nicht übernimmt, wird geprüft, wie viel an monatlicher Belastung er wirklich zurückzahlen kann. Außerdem gibt es praktische Tips. "Wir haben in den letzten Jahren über 130.000 Bücher zum Thema verkauft, veranstalten Bauherrenabende, informieren, klären auf und gehen auf neue Themen ein," ist Rapp auf aktuelle Publikationen wie Feng Shui oder Solarenergiefibeln stolz. Zunehmend wird für die SBausparkasse ein weiterer Sektor interessant: Renovieren und alte Bausubstanz belebbar machen stehen hoch im Kurs, "bevor man Österreich zubetoniert." Lehrgänge an der DonauUniversität Krems sowie Auftragsstudien finanziert die SBausparkassa gleichfalls.

Fünfeinhalb Millionen Österreicher können nicht irren: "Es ist die von den Österreichern geliebte und gelebte Sparform. Bei vergleichbar kurzer Laufzeit kriegt man sonst keinen derart günstigen Zinssatz," bestätigt Rapp. Besonders freut ihn, daß 70 Prozent aller Jugendlichen unter 25 Jahren Bausparer sind. Es gibt viele Stammkunden: "Viele unserer Kunden haben schon den 5. oder 6. Bausparvertrag."

Prinzipiell kann sich jeder sparfähige Österreicher vom Staat die Bausparprämie sichern. Auch für ein noch nicht volljähriges Kind darf man einen Vertrag abschließen. Dafür muß der Kunde sechs Jahre lang sein Geld binden und regelmäßig einen fixen Betrag auf sein Konto einzahlen. Im Bankjargon heißt das "drei Jahre Laufzeit", was der Durchschnittsdauer entspricht, in der das Geldinstitut mit dem Gesamtbetrag operieren kann. Verbesserungen kann sich Rapp keine vorstellen: "Wir haben eine kurzläufige Sparform, den Anspruch auf ein Darlehen, den man sich damit erwirbt, um ein Urbedürfnis des Menschen zu erfüllen. Was gibt es Schöneres?"

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