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Konfliktvermeidung zahlt sich aus

Probleme in Betrieben kosten die Unternehmen ordentlich Geld. Die Pilotstudie zum Thema Konfliktkosten in Familienbetrieben fasst das Thema zum ersten Mal in Zahlen.

In der österreichischen Wirtschaft haben vor allem die Familienbetriebe das Sagen. Von den 298.722 Unternehmen in Österreich gelten 239.000 als Familienunternehmen, so schrieb das WirtschaftsBlatt Anfang dieses Jahres. Doch was ist genau ein Familienbetrieb? Eine allgemein gültige Definition gibt es nicht. Für Frank Halter, Mitglied der Geschäftsführung des Center for Family Business der Universität St. Gallen (Schweiz), wird ein Betrieb zum Familienbetrieb, wenn sich die absolute Mehrheit der Firmenanteile im Besitz einer Familie befindet.

Auseinandersetzungen …

Die dritte Summer School on Business Mediation in Admont stand vom 14. bis 18. Juli auch ganz im Zeichen der Familienbetriebe. Mediation in Betrieben ist seit heuer für drei Jahre Teil der Corporate Social Responsibility Strategie der Österreichischen Volksbanken AG. Die Volksbank ist daher auch Förderer der ersten Studie, die sich mit den Kosten von Konflikten in Familienbetrieben auseinandersetzt. Die Veranstalter der Summer School in Admont – Ulrike Gamm, Wirtschaftsmediatorin, und Mario Patera von der Universität Klagenfurt – sind federführend bei dieser Pilotstudie.

Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die Konfliktkosten pro Mitarbeiter 50 Prozent des Jahresgehaltes ausmachen. Als Beispiel wurde der Konflikt zwischen einer Eigentümerin und den Mitarbeitern (auch leitenden) über eine neue strategische Ausrichtung des Unternehmens herangezogen. Der Konflikt erstreckte sich über sechs Monate, führte zu zwei Kündigungen, veränderte die Eigenkapitalquote um 1,5 Prozent und senkte den Umsatz um 0,8 Prozent. Konflikte zu negieren ist also genau der falsche Ansatz. Kostensparender ist auf alle Fälle die frühzeitige Erkennung der Probleme. Neben den materiellen Vermögenswerten, die vor allem in Hinblick auf die geänderten Kreditvergaberichtlinien (Basel II) wichtig sind, sind auch die immateriellen Vermögenswerte wie Identität, Know-how und dergleichen von Konflikten betroffen.

… sind ein Tabu

Das Thema Konflikte im Unternehmen ist in Österreich noch immer ein Tabu. Genauso wie das Thema Mediation. Ein Unternehmer brachte es in Admont auf den Punkt: „Wenn ich früher an Mediation dachte, so dachte ich sofort an einen Psychiater.“ Das Wissen, dass Wirtschaftsmediation aber etwas völlig anderes ist, setzt sich nur langsam durch. Denn Mediation ist vor allem die freiwillige konstruktive Beilegung oder Vermeidung von Konflikten.

Das Zentrale beim Beratungsansatz mittels Mediation ist, dass es vor allem um eines geht: die Bedürfnisse der Menschen. Der Ursprung von Konflikten hat oft etwas mit den unterschiedlichen Bedürfnissen zu tun, und diese gilt es zu erkennen. Denn wird ein Bedürfnis nicht befriedigt, stellt sich oft Wut und Angst ein, ein guter Nährboden für Probleme, so Experten. Bei der Volksbank glaubt man an die Zukunft von Wirtschaftsmediation. Neben dem Nutzen für das eigene Unternehmen durch den Aufbau von Mediations-Know-how, will man dieses Wissen künftig auch den Kunden zur Verfügung stellen.

Eines wurde in Admont klar: dass Mediation helfen kann Kosten einzusparen, denn Konflikte führen in Betrieben zunächst zu einem: zu unvorhergesehenen Mehrkosten. Aber interne Probleme bergen auch ein großes Verbesserungspotenzial in sich, dann wenn die Probleme besprochen und Lösungen gefunden werden.

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