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Kraftwerk mit Zukunftstechnik

Die Verbrennung von Biomasse erfolgt derzeit überwiegend in kleineren bis mittleren Anlagen. Dabei werden Verfahren angewendet, die eine lange Verweildauer des Brennstoffes im Feuerraum erfordern. Für Großkraftwerke eignen sich diese Technologien allerdings nicht. Die derzeit im Einsatz befindlichen Kohlekraftwerke funktionieren nämlich fast ausnahmslos auf des Basis von Kohlestaub, der in den Feuerraum eingeblasen wird und dort in nur zwei bis drei Sekunden verbrennt.

Um in solchen Kraftwerken Biomasse als Zusatzbrennstoff nutzen zu können, ist es daher notwendig, ein Verfahren zu entwickeln, das diesen Brennstoff in einer ähnlich kurzen Verweildauer nutzt.

Im Bahmen eines internationalen Forschungsprojektes unter der Federführung der Österreichischen Elektri-zitätswirtschafts-AG (Verbund) zur Nutzung von Biomasse wurden vier Verfahren getestet:

- Zwei Verfahren, die Biomasse auf einem eigenen Rost verbrannten und die Rauchgase aus dieser Verbrennung in den Feuerraum des Kohlekessels führen;

- ein Verfahren, das auf dem Vermählen von Biomasse basiert,

- ein Verfahren, bei dem Biomasse vergast und auf diese Weise zugefeuert wird.

Vergasung von Rinde

Nach dem Kriterium der Wirtschaftlichkeit erwies sich das letztere Verfahren als überlegen. Unter der Bezeichnung „BioCoComb” („Biofuel-preparation for Co-Combustion ”, was auf Deutsch so viel wie Zubereitung von Biobrennstoff für die Mitverbrennung bedeutet) kommt dieses Verfahren ab heuer im Kraftwerk Zeltweg im Murtal zum Einsatz. Am 20. Juni erfolgte der Spatenstich zum Bau der Vergasungsanlage statt.

In einem Wirbelschichtvergaser wird die Biomasse in Gas umgewandelt. Dieses wird dann über eine

Heißgasleitung dem Kessel als Brennstoff zugeführt. Stündlich können dabei etwa 16 Baummeter Biomasse vergast und als Brennstoff verwertet werden. Es soll vor allem Rinde verwertet werden. Auch Hackgut und Sägespäne kann man zusetzen. Eine Vortrocknung des Materials ist nicht erforderlich.

Biomassevergaser sind an sich nichts neues. Solche Anlagen werden mehrfach in Europa gebaut oder getestet, allerdings ausschließlich zur Erzeugung eines hochwertigen, teerund staubfreien Gases, das in Gasmotoren oder turbinen Verwendung findet. Für die Zufeuerung in Zeltweg ist dieser Qualitätsstandard nicht erforderlich, was die Kosten verringert.

Was erwartet man sich nun von diesem Verfahren? Weil ein Teil der Kohle durch die Zufeuerung von Biomasse ersetzt werden kann, kommt es zu einer Verringerung der 002-Emissionen aus fossilen Brennstoffen, weiters zu einer Senkung der Kohleimporte und einer Stärkung der heimischen Land- und Forstwirtschaft. Außerdem erwirbt Österreichs Industrie im Bahmen dieses Projektes wichtiges Know-how in einer Technologie mit Zukunft.

Mit diesem Pilotprojekt werden wertvolle Erfahrungen mit dem Einsatz von Biomasse in Kohlestaubfeuerungen und bei der Vergasung von Biomasse gewonnen werden. Erweist sich das Verfahren - womit die Betreiber rechnen - auch als wirtschaftlich, so ist damit zu rechnen, daß es sich gut vermarkten lassen wird.

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