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Ökologisch sinnvoll und imagefördernd

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Wie Unternehmen dazu beitragen können, den von ihnen ausgelösten Kfz-Verkehr zu verringern, ist einem kürzlich erschienen Leitfaden zu entnehmen. Dabei kann Image gewonnen und können Kosten gespart werden, so die Ergebnisse eines Modellversuchs.

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Wie Unternehmen dazu beitragen können, den von ihnen ausgelösten Kfz-Verkehr zu verringern, ist einem kürzlich erschienen Leitfaden zu entnehmen. Dabei kann Image gewonnen und können Kosten gespart werden, so die Ergebnisse eines Modellversuchs.

Wenn die Industrieländer weit davon entfernt sind, ihre international vereinbarten Ziele bei der Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes zu erreichen, so ist dies im wesentlichen auf die weiterhin ungebremste Zunahme vor allem des Straßenverkehrs zurückzuführen. Darum verdienen alle Initiativen, in diesem Bereich Reduktionen zu erzielen, größte Aufmerksamkeit.

Das "Betriebliche Mobilitätsmanagement" ist ein solcher Ansatz. Darunter versteht man das gezielte Bemühen von Betrieben, den von ihnen verursachten Kfz-Verkehr zu verringern und nach Möglichkeit durch die Verwendung anderer Verkehrsmittel zu ersetzen. Vor kurzem stellten das Umweltministerium und die Wirtschaftskammer Österreich einen Leitfaden für Betriebe vor, die ein solches Umsteigen begünstigen wollen. Ein solches Bemühen ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern es erweist sich auch als imagefördernd, wie die an dem Projekt beteiligten Einrichtungen feststellen konnten.

Zwei Unternehmen ("AVL List GmbH" in Graz und "Vorarlberger Medienhaus") und zwei öffentliche Einrichtungen (Landeskrankenhaus Tulln und Umweltministerium) nahmen an dem Pilotprojekt "Sanfte Mobilitäts-Partnerschaft" teil. Die dabei gemachten Erfahrungen dienten als Grundlage für den Leitfaden.

Welche Vorgangsweise bietet sich also an? In einer ersten Phase geht es zunächst darum, die Mitarbeiter dafür zu gewinnen, sich konstruktiv an einem solchen Projekt zu beteiligen. Informationen über die Verkehrsentwicklung und deren Folgen für Umwelt, Gesundheit und Nervenkraft erweisen sich da als zugkräftig. Viel zu wenige Leute wissen auch, dass Österreich weit davon entfernt ist, seinen internationale Verpflichtung nachzukommen, den Ausstoß treibhauswirksamer Gase bis 2012 um 13 Prozent im Vergleich zu 1997 zu verringern. Die Konfrontation mit solchen Informationen und der Hinweis auf Möglichkeiten, im eigenen Bereich etwas zur Änderung der Situation beizutragen, erzeugen eine Grundmotivation, sich auf das Projekt einzulassen.

Im ganzen Verlauf des Projektes, vor allem aber bei den ersten Informationsveranstaltungen ist es wichtig, dass nicht der Eindruck entsteht, nun werde etwas Unangenehmes von oben verordnet. Vielmehr muss zum Ausdruck kommen, dass alle im Unternehmen mitmachen, insbesondere auch die Geschäftsleitung.

Zweckmäßig ist es dann, eigene "Mobilitätsgruppen" (zwischen fünf und 15 Personen) einzurichten, die das Projekt unter möglichst breiter Beteiligung in Gang setzen und vorantreiben. Sie halten sinnvoller Weise engen Kontakt zu außerbetrieblichen Stellen, die für Verkehrsfragen zuständig sind (Gemeinde, Land, Bund, Verkehrsbetriebe...).

Die konkrete Arbeit dieser Gruppen beginnt am besten mit einer Erhebung des vom Unternehmen und seiner Mitarbeiter bewirkten Verkehrsaufkommens und aller möglichen Verkehrsverbindungen. Bei drei der vier untersuchten Fälle konnte festgestellt werden, dass der Anteil der Pkw-Lenker bei über 50 Prozent lag (zwischen 53 und 75 Prozent). Als Hauptargumente für die Nutzung des Autos wurde von den Autofahren erwartungsgemäß der Zeitvorteil, die Bequemlichkeit und die Unabhängigkeit ins Treffen geführt.

Attraktivere Fußwege Interessante Ergebnisse lieferte eine genauere Befragung bei AVL List: Die Pkw-Fahrer überschätzten die Kosten der öffentlichen Verkehrsmittel um beachtliche 30 Prozent, während sie ihre Autokosten um gute 20 Prozent zu niedrig einstuften. Das bewusst Machen der tatsächlichen Relationen trug nicht unwesentlich dazu bei, das Umsteigen auf andere Verkehrsmittel eher ins Auge zu fassen.

Welche bieten sich da an? Bei Entfernungen von weniger als drei Kilometern wird vor allem das Rad die Alternative sein, während bei Distanzen von mehr als fünf Kilometern am ehesten öffentliche Verkehrsmittel oder eine Kombination von "park & ride" in Frage kommen.

Mit dem Erkennen des Problems und möglicher Alternativen ist es jedoch noch keineswegs getan. Tatsächlich umgestiegen wird erst, wenn konkrete Maßnahmen nicht nur ins Auge gefasst, sondern auch umgesetzt werden. Solche Maßnahmen sollten vor allem Anreize dafür schaffen, bei der Wahl der Verkehrsmittel andere Möglichkeiten als die bisher praktizierten ins Auge zu fassen. Das erreicht man etwa, indem man Fußwege attraktiver gestaltet, Umwege vermeiden hilft, Diensträder anschafft, überdachte Radabstellplätze einrichtet oder den Abschluss von Raddiebstahlsversicherung finanziert. Als zugkräftig erwies sich beispielsweise auch die Finanzierung von Gratis-Jahresnetzkarten, die Bereitstellung von Zuschüssen für öffentlichen Verkehrsmittel oder Schaffung neuer Haltestellen.

CO2-Einsparungen Ein weiterer Ansatz ist die Parkraumbewirtschaftung des Unternehmens mit Bevorzugung von Kunden und Mitarbeitern, denen ein Umsteigen auf andere Verkehrsmittel nicht zugemutet werden kann, wenn sie bereit sind, Fahrgemeinschaften einzugehen. So suchten etwa 200 Mitarbeiter von AVL List um einen Fahrkostenzuschuss in der Höhe von 80 Prozent der Kosten an. Das ergab einen durchschnittlichen Fahrpreis von 380 Schilling pro Person und Monat.

Was waren nun die positiven Folgen dieser Bemühungen? Trotz steigender Mitarbeiterzahl gelang es durchweg, die Zahl der Pkw-Benützer zu verringern - zwischen zwei Prozent (AVL List) und 15 Prozent (Vorarlberger Medienhaus). Im Umweltministerium war es sogar möglich, den ohnedies schon hohen Anteil an Mitarbeitern, die öffentliche Verkehrsmittel benutzten, noch weiter zu erhöhen: von 82 auf 88 Prozent. Beim Fahrradanteil gab es in Wien und Tulln die größten Zuwächse.

Berechnet man nun, was diese Bemühungen an Einsparungen beim CO2 brachten, so ergeben sich Werte, die zwischen fünf (AVL List) und 21 Prozent (Tulln) liegen. Die derzeit noch relativ niedrige Einsparung in Graz sollte jedoch nach der vorgesehenen Umsetzung des Parkraummanagements von 31 Tonnen CO2 im Jahr auf 200 Tonnen CO2 ansteigen.

Als weitere erfreuliche Folge der Bemühungen wurde die positive Reaktion der Mitarbeiter registriert: Mehr als die Hälfte der Beteiligten bewerteten die Aktion mit "sehr gut" oder "gut" und viele Befragten berichteten, ihre Verhaltensänderung beschränke sich nicht nur auf die Verkehrsmittelwahl zum Arbeitsplatz, sondern habe sich auch in ihrem privaten Mobilitätsverhalten niedergeschlagen.

Berichtet wird weiters von Kosteneinsparungen. Sie betrugen beispielsweise im Vorarlberger Medienhaus beim Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel im Durchschnitt 3.800 Schilling pro Person im Jahr. Die beiden neuen Redaktionsfahrzeuge des Unternehmens wiederum reduzierten dessen Kosten um 300.000 Schilling im Vergleich zum vorher ausbezahlten Kilometergeld für Dienstfahrten.

Näheres siehe "Betriebliches Mobilitätsmanagement - Erfahrungen des Modellvorhabens ,Sanfte Mobilitäts-Partnerschaft', Leitfaden für Betriebe", Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.

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