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Ökumenische Solidarität

1945 1960 1980 2000 2020

Teilen und Leihen für eine gerechtere Zukunft armer Länder ist das Prinzip der Ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft.

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Teilen und Leihen für eine gerechtere Zukunft armer Länder ist das Prinzip der Ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft.

Bei manchen Investmentfonds, insbesondere solchen, die von großen Kapitalgesellschaften oft nur zu dem Zweck gegründet worden sind, neue Kundenschichten oder Marktanteile zu erobern, bemerkt man kaum ein ökologisches Engagement. Denn nicht überall, wo „Öko” drauf-steht, ist auch „Öko” drin. Der Sun Life Ecological Portfolio hatte beispielsweise - über mehrere Jahre! -eine italienische Aktiengesellschaft im Depot, die im Rereich der Autokomponentenherstellung und Rüstung/Raumfahrt tätig war.

Auch in Sachen „Ökologische Hebelwirkung” der Geldanlage haben die Fonds eher wenig zu bieten: mit Ausnahme von Kapitalerhöhungen beziehungsweise Neuemissionen von Aktien fließt ja nicht den ausgewählten Unternehmen Geld zu, wenn ein Fonds die Aktien kauft, sondern -über die „anonyme” Rörse - dem Vorbesitzer der Aktien.

Umso attraktiver sind damit Direktbeteiligungen:

Junge Firmen, ob „öko” oder nicht, brauchen Geld, um ihr Geschäft aufzubauen. Statt teurer Rankkredite, die man mangels Sicherheiten oft gar nicht erhält, suchen immer mehr Firmen daher privates Eigenkapital in Form von sogenannten stillen Gesellschaften oder Kommanditeinla-gen, die zudem noch Steuern sparen helfen können. Erträge können nicht garantiert werden.

Rei gutem Geschäftsverlauf sind hohe Gewinne möglich (sozusagen als Relohnung für das Risiko, das man eingeht), bei einem schlechten Verlauf ist auch ein Konkurs nicht auszuschließen, bei dem auch die Anleger ihr Geld verlieren.

Je nach Rranche sind die Risiken aber mehr oder weniger kalkulierbar. Sehr beliebt sind -inzwischen auch in Österreich, das keine windreichen Küsten -Standorte hat - Windkraftanlagenbeteiligungen. Dazu ein aktuelles

Reispiel:

Die noch sehr junge Donau Wind GmbH & CoKG (Hartäckerstr. 19/5, 1190 Wien) will als erstes Projekt eine weithin sichtbare Windkraftanlage (600 kW Typ M 1800 NEG Mi-con) am Wiener Hafen realisieren, was rund sieben Millionen Schilling erfordert. Ein Teil des Geldes (30 Prozent) wird als Zuschuß gegeben, ein (kleiner) Teil über Ranken finanziert, der Rest muß als Eigenkapital aufgebracht werden - und dazu werden nun Privatanleger (ab 10.000 Schilling) mittels eines laut Kapitalmarktgesetz notwendigen sogenannten Emissionsprospektes gesucht, in dem unter anderem die Risiken und möglichen Renditen (zum Reispiel vier Prozent) geschildert sind.

Diese und ähnliche Reteiligungs-möglichkeiten im Rereich der Erneuerbaren Energie werden unter anderem von der Wiener Vermögensberatung TOKOS GmbH (Tel.-Nr. 51201-4979, Dr. Peter Reithofer) vermittelt.

Der ehemalige Priester Peter Reithofer ist auch engagiert bei der Ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft (Ecumenical Development Cooperative Society, EDCS):

Als Ende der sechziger Jahre bekannt wurde, daß ausgerechnet -der Vatikan Aktien von Unternehmen besaß, die auch Geschäfte mit Rüstungsmaterial und Verhütungsmitteln machten, war dies für viele Christen ein Anlaß, Alternativen der kirchlichen Geldanlage zu suchen. Insbesondere sollten mit solchen Geldanlagen auch soziale Zwecke erfüllt werden, beispielsweise in der Dritten Welt.

Der Vatikan hat zwar seinerzeit seine „Pillen-Aktien” verkauft, sich aber selbst an den ökumenischen Diskussionen zu diesem heiklen Geldthema kaum beteiligt. Einige Jahre später, 1975, ging aus den Überlegungen die Ökumenische Entwicklungsgenossenschaft (Ecumenical Development Cooperative Society, EDCS) hervor, als Folge der „Erkenntnis der Verstrickung in ungerechte wirtschaftliche Strukturen und der Einsicht in die Notwendigkeit, ökumenische Solidarität und eine gerechtere Zukunft zu verwirklichen”.

Man wollte aber keine Almosen geben, sondern sich im Teilen und Leihen üben. Einzelpersonen und Kirchengemeinden stellen dabei einen Teil ihres Vermögens, nämlich Rücklagen, die sie zeitweise nicht selbst benötigen, der EDCS als Genossenschaftseinlagen zur Verfügung. Mit diesem Geld werden dann mittels zinsgünstiger Darlehen ausgesuchte Projekte in den armen Ländern finanziert: „Dort wollen und können sich viele Menschen etwas erarbeiten, wenn sie Starthilfen zu fairen Redin-gungen erhalten.”

So wurde denn auch als Zweck der EDCS die „Reschaffung von Finanzierungskrediten und Geldmitteln zur Förderung der Entwicklung der armen Gebiete der Welt” angegeben.

Neben den Gründungsmitgliedern Weltkirchenrat und Kirchenrat der Niederlande (dort ist auch der Stammsitz der weltweit tätigen EDCS) gibt es inzwischen eine Vielzahl von nationalen und regionalen EDCS-Förderungskreisen. Man kann jederzeit Anteile am Grundkapital erwerben, das schon vor Jahren die Grenze von 100 Millionen Gulden überschritten hat. Die Zahl der Mitglieder ist inzwischen auf rund 300 angestiegen, wovon rund 40 Prozent aus der Dritten Welt kommen. Das Direktorium der EDCS besteht aus 15 Mitgliedern, wobei immer die Mehrheit aus den armen Ländern des Südens stammt.

Nicht zuletzt die zunehmende Verschuldung vieler Entwicklungsländer, die schon mehr an Zinsen zurückgezahlt als sie je an Krediten erhalten haben, zeigt die Absurdität der gegenwärtigen Geldströme von Süd nach Nord auf. EDCS will in ihrem Rereich gegensteuern: Kapital soll vom Norden in den Süden fließen, und dort produktiv eingesetzt werden - und zwar nicht in einer einmaligen Aktion, sondern immer aufs neue: von einem Kreditnehmer zum nächsten.

Die EDCS-Genossen-schaft hat fast 300 Kirchen und kirchennahe Organisationen (zum Reispiel Ordensgemeinschaften) sowie rund zwei Dutzend „weltliche” Förderkreise und Entwicklungsfonds aus allen Kontinenten als Mitglieder. Die EDCS-Anteile (ä 500 Gulden beziehungsweise 250 US-Dollar) sind die wirtschaftliche Rasis für die Kredite, fallweise auch Rürg-schaften und direkte Kapitalbeteiligungen für Projekte in armen Ländern.

Regionale Schwerpunkte sind dabei Süd- und Mittelamerika (inklusive Karibik) sowie Asien. Rranchen-mäßig gibt es eine breite Streuung, wobei Landwirtschaft, Nahrungs-mittel(verarbeitung), Hausbau, Handel und Handwerk oft direkt Kredite erhalten.

Zunehmend gehen EDCS-Gelder an lokale kleine Kreditgenossenschaften, die ihrerseits einheimisches Sparkapital mobilisieren können und außerdem wertvolle Reratungs- und Weiterbildungsdienstleistungen anbieten.

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