Digital In Arbeit

Protestbad in Milch ohne Honig

Seit 1. April dürfen europäische Milchbauern wieder so viel produzieren, wie sie möchten. Mit diesem Stichtag sind die EU-Milchquoten, also die maximal erlaubten Produktionsmengen, nach mehr als 30 Jahren Geschichte. Ob das nun gut oder schlecht ist, darüber sind sich die heimischen Bauern uneins.

Bisher erhielt jeder Milchbauer eine einzelbetriebliche Quote, die Voraussetzung für die Lieferung und Vermarktung war. Die damalige Europäische Gemeinschaft hatte diese Regel 1978 angesichts der Überproduktion, der "Butterberge" und "Milchseen", eingeführt. Eben solche "Milchseen" befürchtet die IG Milch und machte am Dienstag mit einer Protestaktion vor dem Haus der Europäischen Union in Wien darauf aufmerksam. Besonders die kleinen Milchbauern rechnen mit Preisdumping bei Milchprodukten. Große Produktionsbetriebe sowie die Interessensvertretungen Bauernbund und Landwirtschaftskammer hingegen sehen das Auslaufen der Quote als Chance, mehr zu produzieren und zu exportieren.

Schon jetzt werden 40 Prozent der österreichischen Milchproduktion im Ausland abgesetzt, künftig dürfte sich der Exportanteil erhöhen. Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter vereinbarte kürzlich sogar mit seinem chinesischen Kollegen, dass österreichische Unternehmen künftig deutlich mehr Käse und Milchprodukte nach China liefern können als bisher. Überraschend kam das Ende der Quote jedenfalls nicht. Der 1. April 2015 als Stichtag steht schon seit zwölf Jahren fest.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau