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Wirtschaft

Schmutzige Cloud

1945 1960 1980 2000 2020

Das boomende Cloud-Geschäft erhöht den Bedarf an Rechenzentren. Doch die Server-Infrastruktur ist anfällig – und nicht gerade klimafreundlich.

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Das boomende Cloud-Geschäft erhöht den Bedarf an Rechenzentren. Doch die Server-Infrastruktur ist anfällig – und nicht gerade klimafreundlich.

Wenn man auf Facebook ein Foto likt oder einen Post schreibt, landen diese Daten zunächst auf Servern in Irland, wo der Tech-Konzern seine Europazentrale hat. Von dort aus werden die Daten in die USA weitergeleitet und in Rechenzentren hinterlegt. Gegen diesen Datentransfer hat der österreichische Jurist und Datenschutzaktivist Max Schrems prozessiert.

Das Beispiel zeigt, wie Daten im Informationskapitalismus um den Globus gejagt werden. Braucht ein Containerschiff von New York nach Manchester etwa acht Tage, benötigen Datenpakete für eine Atlantik-Überquerung – genauer gesagt eine Atlantik-Unterquerung, weil sie durch unterseeische Kabel geleitet werden – lediglich ein paar Sekunden.

Kühlkosten im Visier

Facebook betreibt Rechenzentren auf der ganzen Welt. Im nordschwedischen Lulea südlich des Polarkreises hat der Konzern ein riesiges Rechenzentrum errichtet, um Kühlkosten für die heiß laufenden Server zu sparen. Und in Singapur errichtet der Tech-Konzern gerade für eine Milliarde Dollar ein 11-stöckiges Mega-Rechenzentrum. Der fensterlose Monumentalbau sieht aus wie eine gigantische Shopping-Mall. Facebook benötigt riesige Serverkapazitäten, um die Datenströme seiner Dienste zu bewältigen. Jeden Tag werden auf Facebook 350 Millionen Fotos hochgeladen. Hinzu kommen 65 Milliarden WhatsApp-Nachrichten sowie 100 Millionen Instagram-Fotos – die Dienste hat Facebook in diesem Jahr verknüpft.

Auch Google hat auf der ganzen Welt Rechenzentren in Betrieb, unter anderem in den USA, in Chile, Irland, Taiwan und Singapur. In Dänemark baut der Internetkonzern auf einer Fläche von jeweils 13.000 Quadratmetern zwei neue Server-Farmen. Kosten: 600 Millionen Dollar. Google investiert allein in diesem Jahr 13 Milliarden Dollar in seine US-Rechenzentren. Um das riesige Datenvolumen zu verarbeiten, werden im nächsten Jahr zwei neue Server-Parks ans Netz gehen: im südkoreanischen Seoul sowie in der Nähe von Salt Lake City.

Wenn man auf Facebook ein Foto likt oder einen Post schreibt, landen diese Daten zunächst auf Servern in Irland, wo der Tech-Konzern seine Europazentrale hat. Von dort aus werden die Daten in die USA weitergeleitet und in Rechenzentren hinterlegt. Gegen diesen Datentransfer hat der österreichische Jurist und Datenschutzaktivist Max Schrems prozessiert.

Das Beispiel zeigt, wie Daten im Informationskapitalismus um den Globus gejagt werden. Braucht ein Containerschiff von New York nach Manchester etwa acht Tage, benötigen Datenpakete für eine Atlantik-Überquerung – genauer gesagt eine Atlantik-Unterquerung, weil sie durch unterseeische Kabel geleitet werden – lediglich ein paar Sekunden.

Kühlkosten im Visier

Facebook betreibt Rechenzentren auf der ganzen Welt. Im nordschwedischen Lulea südlich des Polarkreises hat der Konzern ein riesiges Rechenzentrum errichtet, um Kühlkosten für die heiß laufenden Server zu sparen. Und in Singapur errichtet der Tech-Konzern gerade für eine Milliarde Dollar ein 11-stöckiges Mega-Rechenzentrum. Der fensterlose Monumentalbau sieht aus wie eine gigantische Shopping-Mall. Facebook benötigt riesige Serverkapazitäten, um die Datenströme seiner Dienste zu bewältigen. Jeden Tag werden auf Facebook 350 Millionen Fotos hochgeladen. Hinzu kommen 65 Milliarden WhatsApp-Nachrichten sowie 100 Millionen Instagram-Fotos – die Dienste hat Facebook in diesem Jahr verknüpft.

Auch Google hat auf der ganzen Welt Rechenzentren in Betrieb, unter anderem in den USA, in Chile, Irland, Taiwan und Singapur. In Dänemark baut der Internetkonzern auf einer Fläche von jeweils 13.000 Quadratmetern zwei neue Server-Farmen. Kosten: 600 Millionen Dollar. Google investiert allein in diesem Jahr 13 Milliarden Dollar in seine US-Rechenzentren. Um das riesige Datenvolumen zu verarbeiten, werden im nächsten Jahr zwei neue Server-Parks ans Netz gehen: im südkoreanischen Seoul sowie in der Nähe von Salt Lake City.

In South Carolina brachte Google die Bürger gegen sich auf, weil es Tiefengrundwasser für die Kühlung seiner Server anzapfen wollte.

Das boomende Cloud-Geschäft lässt die Nachfrage nach Rechenzentren steigen. Amazon hat in den vergangenen Jahren eine umfangreiche Cloud-Infrastruktur mit Rechenzentren auf der ganzen Welt aufgebaut. Zu den Kunden der Cloudsparte Amazon Web Services (AWS) zählen unter anderem Airbnb, die Deutsche Bahn, Expedia, Peek & Cloppenburg sowie Siemens. Wer einen Urlaub bucht oder im Online-Shop Kleidung bestellt, dessen Daten landen in der Amazon-Cloud. Auch die deutsche Bundespolizei speichert Bodycam-Aufnahmen auf Amazon-Servern, was Datenschützer kritisieren. Netflix, das mittlerweile 15 Prozent des globalen Daten-Traffics ausmacht, wird komplett von AWS gehostet – der Streaming-Dienst verzichtet auf eigene Rechenzentren. Was die genauen Standorte seiner Rechenzentren betritt, hält sich Amazon im Gegensatz zu Google jedoch bedeckt.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat im Oktober 2018 ein als „hochvertraulich“ eingestuftes internes Dokument von Amazon veröffentlicht, aus dem die genaue Adresse der Rechenzentren hervorgeht. Demnach betreibt Amazon Web Services im Großraum Peking sechs Rechenzentren. In Frankfurt, einem wichtigen Knotenpunkt des globalen Datenverkehrs, weist der von Wikileaks erstellte „Amazon-Atlas“ drei Adressen aus. Die Rechenzentren firmieren jedoch nicht offiziell unter AWS, sondern als „ROW GmbH“. Laut Wikileaks verwendet Amazon Pseudonyme, um seine Präsenz zu verschleiern.

„Wolken“ für Geheimdienste

Diese Tarnung hat womöglich Gründe: 2013 hat Amazon einen Vertrag über 600 Millionen Dollar mit der CIA abgeschlossen. 2017 hat Amazon die Subsparte AWS „Secret Region“ angekündigt, einem vom operativen Geschäft abgetrennten Bereich, wo Geheimdienste vertrauliche Dokumente in der Cloud speichern können. Die CIA mietete bis zuletzt ausschließlich Cloud-Space bei Amazon, will ihre Geheimdienstoperationen im Netz aber in Zukunft diversifizieren und dabei auch auf andere Cloud-Anbieter zurückgreifen.

Derweil baut BMW gemeinsam mit dem chinesischen Tencent-Konzern ein großes Datenzentrum für selbstfahrende Autos in China. Für autonomes Fahren braucht es nicht nur Straßen, sondern auch den schnellen Mobilfunkstandard 5G und Server-Kapazitäten. Robotertaxis etwa werden mit KI-Computern angetrieben, Hochleistungsprozessoren, die bis zu 320 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde durchführen.

Rechenzentren sind so etwas wie die Fabriken des Datenkapitalismus. Die Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff hat in ihrem über 700 Seiten langen Werk „Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ erklärt, wie Konzerne Daten zu Mehrwert raffinieren. Allein, die Abhängigkeit der Industrie von ein paar Cloud-Anbietern birgt erhebliche Risiken. Erst im Juni dieses Jahres brachen bei Google die Server zusammen. Dienste wie Drive, YouTube oder Gmail waren mehrere Stunden nicht erreichbar. Im August 2013 war es schon einmal zu einem folgenschweren System­ausfall gekommen: Von der einen auf die andere Sekunde verschwand Google aus dem Netz. Messungen des Internet-Analysedienstes GoSquared ergaben, dass der globale Internet-Traffic in diesem Zeitraum um 40 Prozent einbrach. Der fünfminütige Ausfall kostete Google über eine halbe Million US-Dollar. Zwar konnte das Problem rasch behoben werden. Doch der Vorfall macht deutlich, wie abhängig die digitale Infrastruktur von Google-Servern ist.

Neuralgische Zonen

Im Juni 2012 hatte ein schwerer Sturm Amazons Rechenzentrum im Norden Virginias lahmgelegt. Von der Störung waren Dienste wie Instagram, Pinterest und Netflix betroffen. Die Server-Parks befinden sich in der „Data Center Alley“, einer neuralgischen Zone, durch die 70 Prozent des weltweiten Internet-Verkehrs laufen. Die Region südwestlich von Baltimore war in den vergangenen Jahren häufiger von Sturmfluten und Überschwemmungen heimgesucht worden. Experten sagen, dass das auch mit dem Klimawandel zusammenhängt.

Doch womöglich liegen Ursache und Wirkung nah beieinander. Laut einer Untersuchung der französischen Denkfabrik „The Shift Project“ waren Online-Videos im vergangenen Jahr für ein Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Allein Streaming-Dienste wie Netflix und Amazon Prime Video hätten 102 Millionen Tonnen CO2 emittiert. Das entspricht etwa dem CO2-Ausstoß von Belgien. Laut einem Bericht von Greenpeace („Clicking Clean: Who is Winning the Race to Build a Green Internet?“) bezieht Amazon Web Services 30 Prozent seines Energiebedarfs aus Kohleenergie. Über ein Viertel (26 Prozent) stammt aus Atomkraft. Lediglich 17 Prozent kommen aus erneuerbaren Energien. Die Cloud ist schmutziger, als man denkt. In South Carolina brachte Google die Bürger gegen sich auf, weil es Tiefengrundwasser für die Kühlung seiner Server anzapfen wollte.

Microsoft beschreitet derweil neue Wege beschritten: Um Kühlkosten zu sparen, hat der Softwarekonzern vor den schottischen Orkney-Inseln ein ganzes Datenzentrum im Meer versenkt. Die insgesamt 864 Server, die in einem turbinenartigen Zylinder untergebracht sind, haben eine Speicherkapazität von 27,6 Petabyte – Platz genug um fünf Millionen Filme zu schauen. Gut möglich, dass Nutzerdaten künftig irgendwo in den Weltmeeren landen.