Detailarbeit - Harald Deinhammer kontrolliert die Sicherheitsmerkmale einer 100-Euro-Note nach der Devise "Fühlen, Sehen, Kippen".<br />
 
Wirtschaft

Sicherheit für jede Brieftasche

1945 1960 1980 2000 2020

Die EZB meldet einen Rückgang gefälschter Banknoten - das liegt an der Arbeit von Harald Deinhammer, einem Österreicher in Frankfurt.

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Die EZB meldet einen Rückgang gefälschter Banknoten - das liegt an der Arbeit von Harald Deinhammer, einem Österreicher in Frankfurt.

Es muss schon mit dem Teufel zugehen, an einen gefälschten Euro-Schein zu geraten. Im europäischen Schnitt kommen 15 Fälschungen auf 10.000 Einwohner, heißt jede und jeder 666igste bekommt im Durchschnitt eine Blüte untergejubelt. Doch auch hier gilt: Der Teufel schläft nicht - und da Falschgeld nicht ersetzt wird, heißt es besser hinzuschauen und genauer zu greifen. Der Großteil der Bargeldzahler mache das zu wenig oder gar nicht, sagt Harald Deinhammer. Der Grund für diese Nachlässigkeit ist eigentlich ein positiver: "Das Vertrauen in den Euro ist so groß, dass die meisten ihre Banknoten nicht genau anschauen -viele kennen auch die Sicherheitsmerkmale nicht."

Genau diese sind das Metier des in Linz aufgewachsenen Oberösterreichers, der in der Europäischen Zentralbank (EZB) als Teamleiter im Bereich Forschung und Entwicklung arbeitet. Wie sehr sich seine Arbeit an der Entwicklung neuer Sicherheitsmerkmale für Euro-Scheine im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt macht, meldete die EZB am Freitag voriger Woche: Die Menge gefälschter Banknoten geht tendenziell zurück: Europaweit gab es im ersten Halbjahr 2019 um 16,6 Prozent weniger Fälschungen als im Vorjahreszeitraum. Rund 251.000 Euro-Blüten zogen Polizei, Handel und Banken in Europa in den ersten sechs Monaten 2019 aus dem Verkehr. Der Schaden sank auf 13,5 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2018 waren es noch 17,4 Millionen Euro, im zweiten Halbjahr des Vorjahres 14 Millionen gewesen. In Österreich ist der Rückgang noch höher, gab die Österreichische Nationalbank (OeNB) bekannt: Wurden im ersten Halbjahr 2018 noch 5938 Fälschungen aus dem Verkehr gezogen, waren es heuer bislang 4395 Stück -ein Minus von 1543 Fälschungen oder 26 Prozent.

Prinzipiell werde der Euro sehr gern gefälscht, sagt Deinhammer bei einem Treffen mit der FURCHE in der Cafeteria der EZB in Frankfurt. Die große Menge an im Umlauf befindlichen Banknoten und dass der Euro auch außerhalb Europas weit verbreitet ist, mache ihn für Fälscher attraktiv. In der EZB gibt es eine eigene Abteilung für Fälschungen, wo deren Herkunft und Herstellungsweise untersucht und die Gefährlichkeit, sprich wie echt eine Blüte ausschaut, eingeschätzt wird. Das Ergebnis dieser Untersuchungen bereite den Banknoten-Expertinnen und -Experten keine Sorgen, sagt Deinhammer: "Die Qualität der Fälschungen ist nicht beunruhigend. Bei einem halben Prozent der Fälschungen muss man genauer hinschauen, den Rest kann man auf den ersten Blick bzw. Griff sofort erkennen." Die europaweit mit Abstand am häufigsten gefälschte Banknote ist die 50-Euro-Banknote mit 54 Prozent. Auch in Österreich wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres am öftesten gefälschte Fünfziger mit 2324 Stück (52,9 Prozent) in Umlauf gebracht. Es folgen 20-Euro-Banknoten (19,6 Prozent) und 100er-Scheine (19,2 Prozent), heißt es seitens der OeNB.