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Strom: Alternative zum Benzin?

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Elektromobile: Vor Jahren als Öko-Alternative zum herkömmlichen Pkw gehandelt, ist es zuletzt um sie still geworden. War das Konzept ein Flop?

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Elektromobile: Vor Jahren als Öko-Alternative zum herkömmlichen Pkw gehandelt, ist es zuletzt um sie still geworden. War das Konzept ein Flop?

Für einige Jahre waren sie Tagesthema, jetzt scheint es nur noch einige wenige Projekte mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen zu geben, obwohl Ende der achtziger Jahre auch in Österreich etliche Modelle verfügbar waren. Damals entstanden kleine Werkstätten, die sehr individuelle Fahrzeuge anboten. Ist dieser Boom nun vorbei, die Vision vom Fahren ohne Lärm und Abgase ausgeträumt?

Laut Statistischen Zentralamt waren Ende des Vorjahres insgesamt 612 Elektrokraftfahrzeuge auf heimischen Straßen unterwegs - die meisten in Ober-, Niederösterreich und Salzburg, die wenigsten im Burgenland. Es gibt etwa zehn Händler, die diese Fahrzeuge anbieten. In ganz Europa verzichten rund 10.000 Fahrzeuge auf Benzin, dazu kommen etwa 20.000 "E-Karren", die in Großbritannien Milch zustellen.

"Das Angebot am österreichischen Markt an E-Mobilen ist sicher zurückgegangen", bedauert Christian Peterka, Mitarbeiter der Wiener Stadtwerke und der Arge E-Mobil, deren Hauptziel es ist, das bestehende Informationsmanko zum Thema in der Bevölkerung zu beheben. "Ein Grund für diesen Trend ist sicher, daß auch große Autohersteller, vor allem französische, Markenmodelle als E-Mobil-Version anbieten." Peterka verweist in diesem Zusammenhang auf den größeren Komfort und die Sicherheit, die diese Fahrzeuge bieten.

Auch wenn es allein in Wien über 20 kostenlose Stromtankstellen gibt und solche auch in anderen Städten wie Linz, Salzburg oder Graz stehen, ist der hohe Preis von E-Mobilen ein wesentlicher Grund für das in der Öffentlichkeit abgeflaute Interesse. Es muß derzeit bei Serienmodellen mit dem doppelten Kaufpreis gerechnet werden. Weitere Handikaps für eine breitere Anwendung sind laut Peterka die vergleichsweise geringe Reichweite der E-Mobile und die nach wie vor relativ lange Ladezeit.

Für Astrit Andrae ist das alles kein Grund um die Vision vom abgasfreien Auto abzuschreiben. Sie ist Mitarbeiterin der Forschungsgesellschaft Mobilität in Graz, die im Bereich Forschung, Ausbildung und Beratung zum Thema Verkehr tätig ist. Andrae war auch Österreichs Vertreterin auf der 14. weltweiten Konferenz zum Thema Elektrofahrzeuge im Dezember des Vorjahres in den USA. Ihrer Meinung nach gibt viel Anlaß für Optimismus, was E-Mobile anbelangt: * In den USA ist der "clean-air-act" ein wesentlicher Motor für die intensive Forschung auf dem Sektor der E-Mobile. Allein 1997 wurden 280 Millionen Schilling in die Entwicklung von Batterien für E-Mobile gesteckt. Sie waren lange Zeit der Bremsklotz für die Nutzung von E-Fahrzeugen: wegen ihres hohen Eigengewichts, der langen Ladezeit und der Herstellungskosten.

Neuere Fahrzeuge haben eine Reichweite von ungefähr 150 Kilometern, sind aber noch relativ teuer und werden daher vor allem im öffentlichen Verkehr eingesetzt. So wird derzeit etwa die Busflotte von New York auf elektrischen Antrieb umgestellt. In dieser Stadt sollen bis zum Ende des Jahres zwei Prozent aller neu zugelassenen Fahrzeuge ohne Benzin auskommen. Zudem gibt es eine landesweite breite Informationskampagne zum Thema E-Mobile, ein spezielles Fahrertraining in Kalifornien und Schulprojekte, bei denen Jugendliche in mehreren Schulen herkömmliche Kraftfahrzeuge umbauen.

* In Japan bekommt man bei Kauf eines E-Mobils 50 Prozent der Preisdifferenz zu den herkömmlichen Pkw als Zuschuß. Mittelfristig soll ihr Anteil auf zehn Prozent wachsen. Besonders intensiv geforscht wird in Japan auch an Hybridfahrzeugen, die Elektrotechnik mit konventionellen Antrieb verbinden.

* In Paris werden 200 öffentliche Ladestationen errichtet, die kostenlos benützt werden können. Verliehen werden E-Mobile ausschließlich für den innerstädtischen Verkehr. Dieses Projekt schließt an die Erfolge des Projektes "Tulip" an, bei dem Leihfahrzeuge mit Plastikkarte und PIN-Code ausgeliehen und an ihrem Standplatz wieder aufgeladen werden.

"Aber auch in Österreich geschieht viel," betont Andrae. In Graz wurde etwa ein Elektro-Taxi getestet - mit einem gut organisierten Bestellsystem, das die häufigen, kurzen Stadtfahrten herausfiltert. Aufgrund der Ergebnisse dieses Versuches würde sich ein großflächiger Einsatz solcher Taxis rechnen, ganz abgesehen von den Ersparnissen im Bereich der Emissionen, denn nur 20 Prozent der Taxis legen am Tag mehr als 200 Kilometer zurück. Nur letztere kämen für eine Umrüstung auf Elektroantrieb nicht in Frage. Die heimischen Energieversorgungsunternehmen betreiben eine Flotte von derzeit knapp 40 Fahrzeugen und viele der erwähnten Stromtankstellen.

Ein anderes Projekt wird laut Andrae Dimensionen wie das französische "Tulip" annehmen: Mitte Mai begann in Werfen-Wengen und in Bad Hofgastein ein neues Zeitalter. In diesen Mustergemeinden wurden viele öffentliche Fahrzeuge auf Elektrobetrieb umgestellt. Gedacht ist auch an ein System der Verleihung von E-Fahrzeugen an Touristen. Dieses von Umwelt-, Verkehrs- und Wissenschaftsministerium geförderte Projekt soll Impulse für den "sanften Tourismus" bringen. Andere Gemeinden sollen in den nächsten 5 Jahren dem Beispiel des Pilotprojekts folgen.

"Gerade in Tourismusgemeinden gibt es große Potentiale für E-Mobile und besonders auch für Modelle, die ihre Energie aus erneuerbaren Energiequellen beziehen," meint Andrae. Durch solche Projekte kann auch das Interesse der Öffentlichkeit an E-Mobilen neu geweckt werden, "gerade weil die Menschen sehen, daß ihr Einsatz nicht nur graue Theorie ist."

Nötig ist für sie auch die Fortsetzung des Versuches, Interesse an E-Mobilen durch besonders gestaltete Fahrzeugmodelle zu wecken. Mehr Interesse würde auch bedeuten, daß Hersteller aus den USA und Japan die eine große Palette an Modelle anbieten, auch am europäischen Markt stärker einsteigen. Ein Hoffnungsmarkt sind aus Andraes Sicht E-Fahrräder, die in flexiblen Leihsystemen Impulse für umweltverträgliche Nahversorgung und Radtourismus bringen können, gerade auch aufgrund der vergleichsweise niedrigeren Kosten der Fahrzeuge.

Der Autor ist freier Journalist.

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