Umweltaufwand, der sich rechnet

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Globalisierung und steigender Kostendruck machen Umweltschutz noch mehr zur lästigen Verpflichtung der Unternehmen. Dabei könnte dieser Aufwand ein Erfolgsfaktor sein.

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Globalisierung und steigender Kostendruck machen Umweltschutz noch mehr zur lästigen Verpflichtung der Unternehmen. Dabei könnte dieser Aufwand ein Erfolgsfaktor sein.

Vielen Mitbürgern sind angesichts der Arbeitsmarktsituation wirtschaftliche und soziale Vorkehrungen noch wichtiger als die Sorge um die langfristige Erhaltung der Lebensgrundlagen. Dennoch messen sie dem Umweltschutz ungebrochen hohe Bedeutung zu. Es ist eine Fehlinterpretation, wenn vielfach Politiker unter Berufung auf Meinungsforschungsergebnisse Umweltschutz von der Tagesordnung absetzen wollen.

Viele Manager assoziieren mit "Umweltschutz" kostspielige Auflagen, unangenehme Vorschriften, Beschwerden von Anrainern, unproduktive Investitionen, die sie auf ein Minimum reduzieren wollen. Aber auch viele Unternehmer, die aktiv Umweltmaßnahmen größeren Umfangs setzen (z. B. Umweltmanagementsysteme einführen) sehen "weiche" Faktoren (etwa ihr Image in der Öffentlichkeit) als Hauptmotive an. "Harte" betriebswirtschaftliche Argumente, insbesondere Kostensenkung, rangieren unter "ferner liefen".

Eindrucksvolle Beweise für betriebswirtschaftliche Vorteile durch Umweltschutz im Unternehmen zeigen Projekte der Partnerfirmen von "Umwelt Management Austria": "Bei der ,Umdasch AG' in Amstetten konnten Schwachstellen im Abfallmanagement beseitigt werden und innerhalb von vier Jahren die Entsorgungskosten um 70 Prozent auf 2,5 Millionen Schilling reduziert werden", betont Franz Kashofer, Umweltmanager der "Umdasch AG".

Durch Trennung und Recycling der Mischbeizen in der Feuerverzinkerei in zink- und eisenhaltige Altbeizen ließen sich jährlich rund 500 Tonnen gefährlicher Abfall in Form von deponiepflichtigem Schlamm vermeiden. "Diese Investition amortisiert sich nach nur 2,2 Jahren, die Entwicklungskosten für das Leimwasserrecycling sogar in einem halben Jahr." Weitere Glanzlichter sind die Halbierung des Wasserverbrauchs und die Reduzierung des Lösemittelverbrauchs um mehr als 90 Prozent.

Das Projekt "Solution Formalin" von "Umwelt Management Austria" half dem AKH in Wien durch reduzierten Formalineinsatz jährlich 80.000 Schilling einzusparen. Vorschläge zum Energiemanagement im Krankenhaus Horn brachten Kostensenkungen von 420.000 Schilling pro Jahr (Reduktion der Stromspitzen) ohne zusätzlichen Investitionsaufwand (durch Steuerung der Beleuchtung). Mit geringen Investitionen konnte man weitere 260.000 Schilling jährlich einsparen.

Weitere Unternehmenserfolge im Blitzlicht: Bei der "Brau AG" gelang es von 1991 bis 1996, den Einsatz von Lösemittel um den Faktor 10 zu verringern. Bei der "Neusiedler AG" und bei der "3M Österreich GmbH" konnten signifikante Verringerungen des Gasverbrauchs erzielt, bei dem Bauunternehmen "Buhl" zwölf Prozent der Lkw-Kilometer eingespart werden.

Eine Auswertung von 29 EMAS-zertifizierten Betrieben (mit Umweltzertifikaten) zeigt, daß durchschnittlichen Kosten von drei Millionen Schilling jährliche Einsparungen in Höhe von 2,5 Millionen gegenüberstehen. Daraus ergibt sich eine Amortisationszeit von nur 14 Monaten.

Den Kern dieser Erfolge bildet ein einfacher Sachverhalt: Die Vergeudung von Rohstoffen und Energie kostet Geld und belastet die Umwelt. Mehr Abfälle, mehr Immissionen in Luft und Wasser steigern nicht nur die Kosten am Ende der Produktion sondern auch im Einkauf. Ökoeffizienz, Vermeidung von Vergeudung und integrierter Umweltschutz im Produktionsprozeß bringt daher "Cash". Freilich erfordert die Realisierung solcher Projekte umfassendes Know-how, hohe Motivation, breit gefächertes Fachwissen und Handlungskompetenz.

Voraussetzung ist es, Umweltschutz nicht als lästiges Anhängsel zu sehen und als teure, unproduktive Filteranlage nach der eigentlichen Produktion zu verwirklichen, um dann Schlacken und Schlämme teuer zu entsorgen. Die Zukunft gehört der saubereren Produktionsweise, dem Umweltschutz, der ins Produktionsverfahren integriert ist.

Auch die ökonomische Perspektive legt es nahe, ein Umweltmanagementsystem einzuführen. Neben den Vorteilen des Umweltschutzes ist dabei generell mit Erkenntnissen zur Verbesserung der betrieblichen Abläufe, der Organisation und Logistik sowie der technischen Prozesse zu rechnen.

Die Voraussetzungen dafür sind: n Qualifikation: Erfolgreiches integratives Management erfordert umfassende Qualifikation: Fachkenntnisse aus Recht, Wirschaft, Technik, Kommunikationsfähigkeit, soziale Kompetenz sowie eine hohe Fähigkeit zur Praxisumsetzung.

* Handlungsspielraum: Neben der technischen Infrastruktur unter Bereitstellung erforderlicher Mittel geht es um die Bewußtseinsbildung des Vorstandes, aber auch aller Mitarbeiter. Umweltmanager können dies durch geeignete Kommunikationsstrategie beeinflußen. Entscheidend sind aber auch organisatorische Vorkehrungen: So wurden z. B. bei der "Neusiedler AG" mit der Gründung des "Competence Centers", in dem die Bereiche Umwelt, Produktionsentwicklung, strategische Planung und Personalmanagement zusammenlaufen, optimale Voraussetzungen für interdisziplinäre Entwicklungen von ökologischen Innovationen geschaffen. Die Leitung eines solchen Zentrums setzt eine fachübergreifende Qualifikation des zuständigen Managers voraus.

* Gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen: Der aktuelle rechtliche und fiskale Rahmen entspricht keineswegs der Nachhaltigkeit. Diese Bedingungen müssen verbessert werden, damit sich zusätzliche Ressourceneffizienz auch betriebswirtschaftlich rechnet.

Zum Thema Lehrgang für Führungskräfte Am 14. September 1998 beginnt ein weiterer Lehrgang zur Vermittlung von Praxis Know-how im Bereich Management und Umwelt: 14 Wochen berufsbegleitendes Training in drei Semestern mit Projektarbeiten, Fallstudien, Übungen, Teamarbeit.

Information: Neue Herreng. 17A, 3109 St. Pölten, Tel: 02742/2947450

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