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Wer zahlt für das Wasser von morgen? Und wie gehen Wirtschaftswachstum und Umweltschutz in China zusammen?

Wasser ist Leben. Dieser Spruch ist alt und pathetisch, aber auch heute noch wahr. Laut der UNO haben rund 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zum Trinkwasser und doppelt so viele leben ohne oder nur mit unzureichenden sanitären Einrichtungen. Die Nichtstaatlichenorganisation "Brot für die Welt" gibt die Zahl der Todesopfer durch die Folgen der Verwendung von verunreinigtem Trinkwasser mit jährlich zwölf Millionen Menschen an. Im Vergleich dazu forderte der Zweite Weltkrieg bis zu 60 Millionen Tote. Die Menschheit erlebt also im Stillen alle fünf Jahre einen "Weltkrieg", der auf die Ressource Wasser zurückgeht.

Wasser zu haben, bedeutet nicht nur zu leben, sondern auch wirtschaftliches Wachstum. In den USA liegt der tägliche pro Kopf Wasserverbrauch bei 130 Gallonen (1 US.liq.gal. = 3,79 Liter), wovon nur eine Gallone tatsächlich als Trinkwasser verbraucht wird (vgl. Infokasten).

Eine Frage des Geldes

Auch beim 37. Symposium der Universität St. Gallen wurde das Problem der Wasserknappheit thematisiert. Eine der vertretenen Meinungen war, dass man zwar Wasser als Menschenrecht ansehen kann - wenn man so wolle -, es aber vor allem eine Frage des Geldes ist, ob ein Mensch ausreichend mit Trinkwasser versorgt ist oder nicht. Die Meinung, dass es über kurz oder lang in reichen wie auch in armen Ländern dazu kommen wird, dass für Trinkwasser wie für jede andere Ware auch bezahlt werden muss, wurde oft geäußert. Zugespitzt ausgedrückt hieß es, dass man sich grundsätzlich fragen muss, warum jemand, der in einer Gegend mit ausreichend Trinkwasser lebt, für die Wasserinfrastruktur von Menschen zahlen soll, die in Regionen wohnen, wo es nur unzureichend Trinkwasser gibt. Eine Lösung wäre doch, einfach nicht dort zu leben.

Dieser Ansatz greift wohl zu kurz. Das Grundproblem sind die hohen Investitionskosten (im Vergleich dazu sind die Betriebskosten von Wasserinfrastruktur relativ gering), um einen Haushalt mit einer Wasserleitung zu versorgen. Die Investition amortisiert sich erst nach vielen Jahrzehnten, sofern der Fall überhaupt eintritt. Kommt es aber nicht zu der geplanten Nachfrage nach der "Ware" Wasser, hat man horrende Summen im Boden vergraben und somit verloren. Das moralische Dilemma ist Realität und manifestiert sich in den eingangs erwähnten Todesopfern. Was tun? Ohne den Willen der politischen Seite wird eine Verbesserung der weltweiten Wassersituation nicht möglich sein, denn private Investoren können kaum gewinnbringend in den Bereich Wasser investieren.

Die aufstrebende Wirtschaftsmacht China - durchschnittliches BIP-Wachstum der vergangenen 28 Jahre 9,67 Prozent - hat nicht nur mit Wasserknappheit zu kämpfen. Neben Energie-Engpässen weist das Land eine starke Umweltverschmutzung auf: 20 der 30 verschmutztesten Städte befinden sich in China und 90 Prozent der Flüsse und Seen sind verunreinigt - viele Bauern müssen ihre Felder mit verseuchtem Wasser bewässern. Während die Internationale Energieagentur Anfang Juni noch davon ausging, dass China heuer die USA als Hauptemittent von CO2 ablösen wird, ging man in St. Gallen bereits von diesem Faktum aus. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen erreicht in China allerdings nur 33 Prozent der Menge der OECD-Staaten.

Was ist Umweltschutz?

Die Gründe für die ökologische Katastrophe in China sind vielfältig: das Land erzeugt 70 Prozent seiner Energie aus Kohle, wenige gesetzliche Regelungen zwingen die Unternehmen zum Umweltschutz - viele multinationale Konzerne bekennen sich zwar in ihren Ursprungsländern zum Schutz der Natur, beuten allerdings in China die Umwelt aus. Auch die lokalen Regierungen haben kein Interesse am Umweltschutz, da sie allein nach ihren wirtschaftlichen Wachstumszahlen gemessen werden.

China braucht neben gesetzlichen Regelungen, die die Firmen zu Umwelt-Mindeststandards zwingen, auch Technologie aus den Industriestaaten. Viele Firmen sind allerdings auf Grund der Gefahr, dass ihre Technik kopiert wird, vorsichtig geworden und gehen weniger Joint-Ventures mit chinesischen Unternehmen ein. Zusätzlich muss das Vertrauen in das "Öko-Business" gesteigert werden, sprich, der Glaube, dass man auch mit grüner Technologie Geld machen kann. Der Global Player General Electric (GE) will mit seinen Produkten aus dem Programm "Ecomagination" beispielgebend sein, dass sich die Kosten für die Implementierung von Technologie auf Basis von erneuerbarer Energie und deren positive Auswirkungen auf die Umwelt langfristig als ein gewinnbringendes Geschäft etablieren wird. Auch österreichische Technik ist bei "Ecomagination" vertreten. GE kaufte 2003 die Tiroler Jenbacher AG, die heute u. a. Biogas-Motoren und Kohleminen-Motoren - die das entweichende Methan aus den Minen sammeln und nützen - herstellen.

In St. Gallen wurde die Welt nicht neu erfunden, doch es ist ein gutes Zeichen, wenn sich eine Wirtschafts-Elite-Schmiede des Themas natürliche Ressourcen drei Tage lang annimmt.

• Der österreichische Wasserverbrauch pro Jahr liegt bei 2,6 Milliarden m3 von den 84 Milliarden m3 Wasser, die dem Land zur Verfügung stehen. Davon entfallen 0,7 Milliarden m3 auf Trinkwasser, 1,7 Milliarden m3 auf Brauchwasser für Gewerbe und Industrie und 0,2 Milliarden m3 auf die landwirtschaftliche Bewässerung.

• Hoffnung Photovoltaik. In Deutschland schuf der Bereich in den vergangenen Jahren 50.000 Arbeitsplätze. Laut einer Studie der deutschen Bundesregierung wird 2020 die Umwelttechnologie den Maschinenbau und die Autobranche überholen.

Fakten

Wasser. Der Umgang mit dieser wichtigen Ressource muss vielerorts erst gelernt werden.

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