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UN-Gütesiegel gegen Profitgeier

Man dürfe sich das gute Instrument Mikrokredit nicht durch schwarze Schafe verderben lassen, ist Peter Püspök überzeugt. Er fordert ein UN-Gütesiegel und erklärt, auf welche Kriterien sein Unternehmen achtet.

Die Furche: Der Mikrofinanzsektor wächst. Wieso steigt das Interesse trotz Finanzkrise?

Peter Püspök: Die Krise hat Menschen kritischer gemacht. Sie wollen wissen, was mit ihrem Geld geschieht. Auf einer Bank wissen sie das nicht. Bei uns hat Geld ein Mascherl. Wir führen keine Bankgeschäfte, sondern leiten die Geldmittel in arme Länder, wo wir darauf achten, dass das Geld vernünftig und sicher angelegt wird und eine soziale Wirkung hat.

Die Furche: Wie überprüfen Sie, ob die Kredite tatsächlich zur Armutsbekämpfung beitragen?

Püspök: Dazu gibt es Analysen,wie Social Auditing, die überprüfen, ob unsere Kriterien eingehalten werden - ob das Geld tatsächlich zur Armutsbekämpfung verwendet wird, Transparenz und faires Verhalten gegenüber den Kreditnehmern. Ein ganz wichtiger Schritt ist die Auswahl der richtigen Partner. Wir vergeben die Kredite nicht direkt aus Österreich oder Holland, sondern suchen in den Entwicklungsländern Partner, von denen wir wissen, dass sie ihr Geschäft fachkundig und professionell betreiben. Länderverantwortliche sichern vor Ort die Einhaltung der Kriterien ab.

Die Furche: 80 Prozent der Mikrokredite vergeben Sie an Frauen.Warum diese hohe Quote?

Püspök: Frauen sind die verlässlicheren Kreditnehmer. Meiner Meinung nach haben sie ein höheres Verantwortungsbewusstsein und gehen besser mit Geld um. Bei Männern besteht die Gefahr, dass sie es für Statussymbole verwenden

Die Furche: Sie fordern ein UN-Gütesiegel für Mikrokredite. Was versprechen Sie sich davon?

Püspök: In den letzten Jahren haben einige Markteilnehmer Kredite nicht mehr aus sozialer, sondern finanzieller Motivation vergeben. Es kam zu Intransparenz, Doppelkreditvergabe und hohen Zinssätzen. Veranlagern soll die Möglichkeit gegeben werden, zu unterscheiden, wer die soziale Motivation vertritt. Dafür das UN-Gütesiegel.

Die Furche: Wie wird es weitergehen?

Püspök: Ich erwarte mir in zwei oder drei Jahren das Gütesiegel oder sonstige Gesetze, die Missbrauch einschränken. Man kann diesen Markt nicht rücksichtslosen Profitgeiern überlassen.

Kreuzverhör - Christ-sein in der Krise

Gast: Peter Püspök, 24.1. 2011 um 17 Uhr, WU Wien, UZA IV, Nordbergstr. 15, 1090 Wien Konferenzraum D 706

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