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US-Flaute für zwei Jahre absehbar

Die US-Wirtschaft konsolidiert sich noch länger. Die neue Boombranche ist: Grüne Energie.

Die anhaltende Konsolidierung der US-Wirtschaft und der niedrige Dollarkurs fordern die in den USA tätigen österreichischen Unternehmen. Dennoch: Mit Innovation und Qualität lässt sich weiterhin punkten. Mit über 300 Millionen kaufkräftigen Konsumenten sind und bleiben die USA der größte Käufermarkt der Welt. Wer weltweite Ambitionen hat, muss auch in den USA vertreten sein.

Aufgrund des niedrigen Dollars sind ausländische Produkte im vergangenen Jahr wesentlich teurer geworden im Vergleich zu der heimischen US-Produktion. Der Euro-Raum hat es besonders schwer: Um fast 14 Prozent ist der Euro gegenüber dem US-Dollar im vergangenen Jahr gestiegen. Das nagt an der Stimmung vieler in den USA tätiger europäischer Firmen. Im EU-Vergleich haben die Österreicher aber nach wie vor die Nase vorn: Unsere Firmen sind hierzulande erfolgreicher als der EU-Durchschnitt. Nominell verzeichneten die österreichischen Exporte in die USA zwar einen Rückgang um 5,6 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro im Jahr 2007. Rechnet man allerdings den Verkauf der Klimt-Bilder an die Neue Galerie in New York 2006 aus der Statistik heraus, so bleibt ein Minus von einem Prozent. Im Vergleich zum EU-Durchschnitt von minus zwei Prozent ist das ein durchaus akzeptables Ergebnis.

Engagement ausbauen

Um weniger von Wechselkursschwankungen abhängig zu sein, nutzen viele ausländische Unternehmen den niedrigen Dollar für Direktinvestitionen in den USA. Mit 277 Milliarden US-Dollar haben Ausländer in den USA im vergangenen Jahr so kräftig investiert wie schon lange nicht mehr. Über 50 Prozent davon kamen aus Europa. Fast 400 Millionen Dollar wurden von österreichischen Unternehmen in den USA investiert, das ist ein Plus von 22 Prozent im Vergleich zum Jahr 2006. Rund 420 US-Firmen mit österreichischer Kapitalbeteiligung beschäftigen in etwa 10.000 Mitarbeiter.

Trotz der Wolken am US-Konjunkturhimmel (Bilanzkorrekturen im Finanzsektor, steigende Energie- und Lebensmittelpreise und der Immobilienpreissturz) gibt es in vielen Bereichen nach wie vor Zuwächse und Chancen, so zum Beispiel im Bereich Umwelttechnik und alternative Energien. In diesen Branchen sind österreichische Firmen besonders stark. Hier schaffen das steigende Umweltbewusstsein der Amerikaner, strengere Gesetze, teurere Ressourcen und das Bevölkerungswachstum dank Immigration eine verstärkte Nachfrage nach innovativen Lösungen. Für österreichische Firmen mit ihren Erfahrungen im Umweltschutz bedeutet dies ein nicht zu unterschätzendes Marktpotenzial.

Faktum ist, dass die Korrektur der Spekulationsexzesse im Immobiliensektor zu einem massiven Nachfrageeinbruch im Wohnbau (2007 minus 17 Prozent) geführt hat. Zusätzlich traf dies die Wohlstandswahrnehmung der Amerikaner und beeinflusste somit negativ deren Kauflust. Laut Economist Intelligence Unit wird die US-Wirtschaft 2008 um 1,2 Prozent wachsen, und auch 2009 ist nicht mehr als 1,1 Prozent drin.

Die Autorin ist Stellvertretende Handelsdelegierte in Chicago.

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