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Viel Engagement, viel Ehr'

Neun Firmen wurden für ihren gesellschaftlichen Einsatz ausgezeichnet. Ein kleines Beratungsunternehmen, das den Bewohnern eines Armenviertels in Südafrika hilft, wurde dabei zum besonderen Sieger.

Christian Nohel ist ein bisschen verwundert, dass es eine kleine Unternehmensberatung wie seine mit den ganz großen Firmen aufnehmen kann. Aber die Freude darüber, dass das Engagement der Brainbows Informationsmanagement GmbH, deren Geschäftsführer er ist, diese Anerkennung gefunden hat, ist ihm deutlich anzumerken.

Preis für Verantwortung

Grund der Freude: Der "Trigos" wurde erstmals verliehen. Mit diesem Preis (siehe Kasten) wollen Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer Österreich, Caritas, WWF, SOS-Kinderdorf, Humans World und Rotes Kreuz künftig alljährlich jene Betriebe vor den Vorhang holen, die sich um die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen besonders verdient gemacht haben. Heuer hat das Projekt "Orangefarm Township" nicht nur den Trigos für kleine Unternehmen in der Kategorie Gesellschaft erhalten, sondern wurde auch im Rahmen der Verleihungsgala aus allen neun Siegerprojekten zum Publikumssieger gekürt.

Den Anstoß zum Projekt "Orangefarm Township" gab der Wiener Grüne Klubobmann Christoph Chorherr, mit dem schon ein früheres Projekt gemeinsam realisiert worden war. Architekturstudenten der Wiener Technischen Universität sollten im Township Orangefarm, einer der ärmsten und am schnellsten wachsenden Siedlungen Südafrikas mit 170.000 Einwohnern nahe Johannesburg, gemeinsam mit einer lokalen Non-Profit-Organisation eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung und ein Gemeinschaftszentrum für eine Schule, in der auch Erwachsene unterrichtet werden, bauen.

25 Studenten, die das unentgeltlich tun wollten, waren schnell gefunden, jetzt waren noch Sponsoren nötig. "Ursprünglich habe ich zugesagt, dass wir mindestens 15.000 Euro an Sponsorgeldern sammeln werden", erinnert sich Nohel, der etwas Ähnliches schon einmal in Form eines von ihm organisierten Fundraising-Dinners gemacht hatte, bei dem im Rahmen eines Abendessens zu einem guten Zweck die geladenen Gäste insgesamt sogar 140.000 Euro für ein Projekt in Südafrika gespendet hatten. "Aber dann habe ich mir gedacht, warum sponsern wir diesmal nicht selber?"

Selbst etwas tun

Gemeinsam mit drei anderen kleinen Betrieben wollte er beweisen, dass die Firma nicht nur andere Unternehmen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung berät, sondern auch selbst etwas tut. 20.000 Euro steuerte jedes der vier beteiligten Unternehmen bei, und im Februar dieses Jahres waren 25 Studenten einen Monat lang damit beschäftigt, in dem Township die beiden Gebäude mit lokalen Baumaterialien zu errichten und mittels innovativer Ideen vor allem die Probleme der Kälte im Winter und der großen Hitze im Sommer zu lösen.

Christian Nohel reicht das aber noch nicht: "Wir wollen dranbleiben an dem Projekt in Orangefarm und schauen, was man noch machen kann. Derzeit verhandeln wir mit Microsoft über den Bau eines Computerzentrums", erklärt er, und fügt schmunzelnd hinzu: "Da geht es um ein bisschen größere Summen - schließlich hat Microsoft auch ein bisschen mehr Geld als wir."

3 Kategorien, 9 Sieger

Neben Brainbows bekamen in der Kategorie Gesellschaft auch noch Philips Austria als großes und Omicron electronics als mittleres Unternehmen einen Trigos. Für ihr Engagement im Bereich Arbeitsplatz wurden als großes Unternehmen Eybl International, als mittleres Dynea Austria (vormals Krems Chemie) und als kleines Trachten-Damenmoden Pachatz ausgezeichnet. Und in der Kategorie Markt erhielten VA Tech Hydro als großes, Gugler print & media als mittleres und das Verpackungszentrum Graz als kleines Unternehmen die Auszeichnung.

Veith Sorger, Vizepräsident der Industriellenvereinigung, sieht in den 80 Einreichungen für den Preis, dass "das Thema alle bewegt. Die Unternehmen erkennen die Sinnhaftigkeit, gesellschaftliche Verantwortung zu leben." Die Sieger, erklärt Sorger weiter, würden demonstrieren, dass diese Verantwortung kein Feigenblatt, sondern Zukunftsthema sei.

Soziales Mascherl

Christoph Badelt, Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien, ist sich da offenbar nicht ganz so sicher. Zwar sieht er die Initiative, gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen zu pushen, "sehr positiv, aber es ist eine Gratwanderung." Denn die oft gehörte Kritik, "die Unternehmen würden sich ein soziales Mascherl umbinden, kann schon in dem ein oder anderen Fall gerechtfertigt sein." Das zu bewerten sei jedoch schwierig, da man "über die Motivation, warum ein Unternehmen etwas macht, keine Aussage treffen kann." Badelt, der auch Mitglied der Trigos-Jury war, habe sich jedenfalls "bei der Bewertung der Projekte immer wieder gedacht, schön und gut, was da gemacht wird, aber es gibt sicher hunderte Unternehmen, die ähnliches tun, aber einfach nicht auf die Idee gekommen sind, ihre Projekte einzureichen."

Für die bietet sich nächstes Jahr ja wieder eine Gelegenheit...

Trigos 2004 in zahlen

Der Name "Trigos" steht für die drei Werte "Erfolgreich wirtschaften, andere einbeziehen, an Umwelt und Zukunft denken". Eingereicht werden konnten alle Projekte von Unternehmen, die im Jahr 2003 gestartet oder abgeschlossen wurden. Der Preis wurde in drei Kategorien vergeben, in denen jeweils ein kleines (bis 50 Mitarbeiter), ein mittleres (bis 250 Mitarbeiter) und ein großes Unternehmen auszeichnet wurde: 60 Prozent der Bewerber reichten ein Projekt in der Kategorie Gesellschaft ein, in der aktives Engagement für die Gesellschaft und verantwortungsvolles Mitgestalten sowie die Wahrnehmung ökologischer Verantwortung prämiert wurden. 25 Prozent der Projekte wurden für die Kategorie Arbeitsplatz vorgeschlagen, in der es um vorbildliche Maß-nahmen zur Gleichbehandlung, Bildung und Motivation ging, und 15 Prozent der Einreicher bewarben sich für die Kategorie Markt, für die Verantwortung für Produkte und Dienstleistungen sowie Transparenz und Offenheit gegenüber den Kunden und Partnern ausschlaggebend waren.

52,5 Prozent der Einreichungen kamen von kleinen und mittleren Unternehmen.

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