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Wer fürchtet sich vor dem Klimawandel?

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Die Klimadebatte wird weiter geführt, wenn auch nicht mehr in so globaler Öffentlichkeit wie im vorigen Jahr. Die Leugner der weltweiten Erwärmung haben derzeit, bedingt durch Prinzipien, die etwas besseren Karten.

Dass Wissenschaftler in einem offenen Brief ihre Meinung kundtun ist nichts Ungewöhnliches. Wenn aber gleich 255 Klimaforscher schriftlich gegen die „Eskalation politischer Angriffe“ auf Vertreter ihrer Zunft protestieren, sprengt das den Rahmen des Üblichen. So geschehen vergangenen Monat in der Fachzeitschrift „Science“. Darin verwehren sich die Unterzeichner gegen den zunehmend raueren Ton, den die sogenannten „Klimaskeptiker“ anschlagen.

Die Kernthesen der Klimaskeptiker sind so simpel wie leicht eingängig: Globale Erwärmung und Klimawandel gibt es nicht. Und falls doch, dann sind sie das Resultat natürlicher Entwicklungen und gehen keinesfalls auf das Konto des Menschen. Das sind Thesen, die zunehmend Gehör finden.

So gab das Marktforschungsunternehmen Synovate Ende Mai die Ergebnisse einer Umfrage unter 13.000 Menschen aus 18 Ländern bekannt. Im Vergleich zur letzten Befragung aus dem Jahr 2008 stieg demnach der Anteil an Menschen, die sich keine Sorgen über den Kimawandel machen, um mehr als das Doppelte auf neun Prozent.

Bereits im März veröffentlichte das Gallup-Institut Zahlen aus den USA. So halten 48 Prozent der Amerikaner die Gefahr einer globalen Erwärmung für übertrieben. Das sind sieben Prozent mehr als vergangenes Jahr und 18 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

Auch die Politik gibt sich bereits zurückhaltender. Zur derzeitigen UN-Klimakonferenz in Bonn stehen die Ampeln keineswegs durchgängig auf Grün. Die europäischen Regierungen zeigen wenig Bereitschaft, den EU-Plan einer Ausweitung des CO2-Reduktionsziels von derzeit 20 auf 30 Prozent bis 2020 zu unterstützen. Experten rechnen mit einer Einigung auf einen Nachfolgevertrag des in zwei Jahren auslaufenden Kyoto-Protokolls nicht vor 2011.

Kleine Fehler mit großer Wirkung

Der Klimawandel scheint seinen Schrecken zu verlieren. Dies ist umso bemerkenswerter, als sich an der Faktenlage nichts Wesentliches geändert hat. „Aus Sicht der Wissenschaft sind die Tatsachen unverändert“, betont Gottfried Kirchengast, Leiter des Wegener Zentrums für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz. „Kein seriöser Wissenschaftler zweifelt am grundsätzlichen Trend der Erderwärmung durch vom Menschen ausgestoßene Treibhausgase.“

Dennoch hat die Glaubwürdigkeit der Forschergemeinschaft während des vergangenen halben Jahres gelitten, wofür sie teils auch selbst verantwortlich ist. So wurde beispielsweise Anfang des Jahres bekannt, dass der Abschlussbericht des Weltklimarates IPCC aus dem Jahr 2007 einige Fehler enthält. Besonders hervorgehoben wurde ein Zahlenverdreher, wonach im Jahr 2035 sämtliche Himalaja-Gletscher geschmolzen sein sollen. Auch wenn dieser Fauxpas nur wenige Zeilen des 3000 Seiten starken Berichtes ausmacht, für Klimaskeptiker ist er ein gefundenes Fressen. Längst haben sie sich in unzähligen Blogs formiert, stellen jede von Fachexperten publizierte Zahl und jede veröffentlichte Kurve infrage und schrecken auch vor Beleidigungen und persönlichen Angriffen auf Forscher nicht zurück. „Dagegen ist man als Wissenschaftler nicht gewappnet“, sagt Helga Kromp-Kolb, Leiterin des Instituts für Meteorologie der Wiener Universität für Bodenkultur. Stellen sollte man sich der Debatte dennoch, ist sie überzeugt. „Bei einem Thema von großer gesellschaftlicher Relevanz hat man als Wissenschaftler die Pflicht, der Öffentlichkeit die Fakten verständlich zu machen.“

Das Problem der Vereinfachung

In der Auseinandersetzung mit Klimaskeptikern haben Wissenschaftler allerdings einen empfindlichen Nachteil: Sie sind es nicht gewohnt, Inhalte vereinfacht darzustellen. Die Skeptiker kennen solche Skrupel nicht. Eine ihrer beliebtesten Behauptungen ist, das von Menschen ausgestoßene CO2 reiche in der Menge nicht aus, um die Klimaerwärmung zu verursachen. Dieser leicht verständlichen Aussage steht ihre Widerlegung gegenüber, die auf Studien, Berechnungen und Klimamodelle zurückgreifen muss (etwa, dass die gegenwärtige CO2-Konzentration in der Luft deutlich über jener vor der Industrialisierung liegt).

Hier bestätigt sich ein vertrautes Prinzip aus der Werbewirtschaft, nämlich dass sich die Komplexität einer Argumentation und ihre Öffentlichkeitswirksamkeit zueinander gegenläufig verhalten. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Wissenschaftler können ihre Integritätsstandards nicht über Bord werfen. Der Skeptiker kann diese Standards zwar annehmen und trotzdem Skeptiker bleiben – eine wahrscheinliche Kombination ist das aber nicht. Die Debatte zwischen Klimaforschern und -skeptikern birgt kaum Überraschungen für Beobachter. Bemerkenswert ist aber, wie daraus Politik wird. Derzeit in Bonn.

Die Klimadebatte wird weiter geführt, wenn auch nicht mehr in so globaler Öffentlichkeit wie im vorigen Jahr. Die Leugner der weltweiten Erwärmung haben derzeit, bedingt durch Prinzipien, die etwas besseren Karten.

Dass Wissenschaftler in einem offenen Brief ihre Meinung kundtun ist nichts Ungewöhnliches. Wenn aber gleich 255 Klimaforscher schriftlich gegen die „Eskalation politischer Angriffe“ auf Vertreter ihrer Zunft protestieren, sprengt das den Rahmen des Üblichen. So geschehen vergangenen Monat in der Fachzeitschrift „Science“. Darin verwehren sich die Unterzeichner gegen den zunehmend raueren Ton, den die sogenannten „Klimaskeptiker“ anschlagen.

Die Kernthesen der Klimaskeptiker sind so simpel wie leicht eingängig: Globale Erwärmung und Klimawandel gibt es nicht. Und falls doch, dann sind sie das Resultat natürlicher Entwicklungen und gehen keinesfalls auf das Konto des Menschen. Das sind Thesen, die zunehmend Gehör finden.

So gab das Marktforschungsunternehmen Synovate Ende Mai die Ergebnisse einer Umfrage unter 13.000 Menschen aus 18 Ländern bekannt. Im Vergleich zur letzten Befragung aus dem Jahr 2008 stieg demnach der Anteil an Menschen, die sich keine Sorgen über den Kimawandel machen, um mehr als das Doppelte auf neun Prozent.

Bereits im März veröffentlichte das Gallup-Institut Zahlen aus den USA. So halten 48 Prozent der Amerikaner die Gefahr einer globalen Erwärmung für übertrieben. Das sind sieben Prozent mehr als vergangenes Jahr und 18 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

Auch die Politik gibt sich bereits zurückhaltender. Zur derzeitigen UN-Klimakonferenz in Bonn stehen die Ampeln keineswegs durchgängig auf Grün. Die europäischen Regierungen zeigen wenig Bereitschaft, den EU-Plan einer Ausweitung des CO2-Reduktionsziels von derzeit 20 auf 30 Prozent bis 2020 zu unterstützen. Experten rechnen mit einer Einigung auf einen Nachfolgevertrag des in zwei Jahren auslaufenden Kyoto-Protokolls nicht vor 2011.

Kleine Fehler mit großer Wirkung

Der Klimawandel scheint seinen Schrecken zu verlieren. Dies ist umso bemerkenswerter, als sich an der Faktenlage nichts Wesentliches geändert hat. „Aus Sicht der Wissenschaft sind die Tatsachen unverändert“, betont Gottfried Kirchengast, Leiter des Wegener Zentrums für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz. „Kein seriöser Wissenschaftler zweifelt am grundsätzlichen Trend der Erderwärmung durch vom Menschen ausgestoßene Treibhausgase.“

Dennoch hat die Glaubwürdigkeit der Forschergemeinschaft während des vergangenen halben Jahres gelitten, wofür sie teils auch selbst verantwortlich ist. So wurde beispielsweise Anfang des Jahres bekannt, dass der Abschlussbericht des Weltklimarates IPCC aus dem Jahr 2007 einige Fehler enthält. Besonders hervorgehoben wurde ein Zahlenverdreher, wonach im Jahr 2035 sämtliche Himalaja-Gletscher geschmolzen sein sollen. Auch wenn dieser Fauxpas nur wenige Zeilen des 3000 Seiten starken Berichtes ausmacht, für Klimaskeptiker ist er ein gefundenes Fressen. Längst haben sie sich in unzähligen Blogs formiert, stellen jede von Fachexperten publizierte Zahl und jede veröffentlichte Kurve infrage und schrecken auch vor Beleidigungen und persönlichen Angriffen auf Forscher nicht zurück. „Dagegen ist man als Wissenschaftler nicht gewappnet“, sagt Helga Kromp-Kolb, Leiterin des Instituts für Meteorologie der Wiener Universität für Bodenkultur. Stellen sollte man sich der Debatte dennoch, ist sie überzeugt. „Bei einem Thema von großer gesellschaftlicher Relevanz hat man als Wissenschaftler die Pflicht, der Öffentlichkeit die Fakten verständlich zu machen.“

Das Problem der Vereinfachung

In der Auseinandersetzung mit Klimaskeptikern haben Wissenschaftler allerdings einen empfindlichen Nachteil: Sie sind es nicht gewohnt, Inhalte vereinfacht darzustellen. Die Skeptiker kennen solche Skrupel nicht. Eine ihrer beliebtesten Behauptungen ist, das von Menschen ausgestoßene CO2 reiche in der Menge nicht aus, um die Klimaerwärmung zu verursachen. Dieser leicht verständlichen Aussage steht ihre Widerlegung gegenüber, die auf Studien, Berechnungen und Klimamodelle zurückgreifen muss (etwa, dass die gegenwärtige CO2-Konzentration in der Luft deutlich über jener vor der Industrialisierung liegt).

Hier bestätigt sich ein vertrautes Prinzip aus der Werbewirtschaft, nämlich dass sich die Komplexität einer Argumentation und ihre Öffentlichkeitswirksamkeit zueinander gegenläufig verhalten. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Wissenschaftler können ihre Integritätsstandards nicht über Bord werfen. Der Skeptiker kann diese Standards zwar annehmen und trotzdem Skeptiker bleiben – eine wahrscheinliche Kombination ist das aber nicht. Die Debatte zwischen Klimaforschern und -skeptikern birgt kaum Überraschungen für Beobachter. Bemerkenswert ist aber, wie daraus Politik wird. Derzeit in Bonn.