Wird Wasser immer mehr zum Luxusartikel?

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Das Süßwasserangebot sei weltweit nicht mehr zu steigern, so die Meinung von Experten. Dennoch steigt die Nachfrage nach dem kostbaren Gut ...

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Das Süßwasserangebot sei weltweit nicht mehr zu steigern, so die Meinung von Experten. Dennoch steigt die Nachfrage nach dem kostbaren Gut ...

Was sich Österreicher, die aus dem vollen schöpfen, nur schwer vorstellen können, ist global gesehen Realität: Süßwasser ist Mangelware. Nur 2,5 Prozent des gesamten Wasservorrates weltweit (bei 97,5 Prozent Salzwasser) sind für den menschlichen Gebrauch geeignet. Und von diesen wiederum sind 70 Prozent in gefrorenem Zustand in den Eiskappen der Pole und Grönlands "gelagert". Da noch ein beachtlicher Teil von dem, was dann noch übrig bleibt in Form von Bodenfeuchtigkeit gebunden ist, steht zur unmittelbaren Nutzung für den Menschen nur ein verschwindender Bruchteil des Wassers zur Verfügung.

In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts hat sich die Nutzung dieser wertvollen Ressource etwa versechsfacht. Und seither steigt der Verbrauch doppelt so rasch wie die Bevölkerung. Auf diese Weise wird Trinkwasser immer mehr zu einem Lebensmittel, das für eine wachsende Zahl von Menschen nicht ausreichend zur Verfügung steht.

Derzeit schätzt man, daß der Anteil der vom Wassermangel Betroffenen acht Prozent der Weltbevölkerung ausmacht. Tendenz stark steigend: Experten rechnen damit, daß bis 2025 fast zwei Drittel der Menschheit mit dem Problem der Wasserknappheit konfrontiert sein könnten.

Wie bei vielen anderen Ressourcen gibt es auch beim Wasser international sehr große Unterschiede in der Verfügbarkeit. In nur sechs Ländern konzentrieren sich rund 40 Prozent des Wassers aus Flüssen, Seen und unterirdischen Reservoirs. Es sind dies Brasilien, Rußland, Kanada, China, Indien und die USA. Menschen in den am wenigsten mit Wasser versorgten 40 Prozent der Erdoberfläche müssen sich mit nur zwei Prozent des Süßwassers begnügen. Im Spitzenfeld des Verbrauchs liegen wie auch bei andere Gütern die USA mit 425 Litern pro Kopf der Bevölkerung, während der Durchschnittsmadegasse mit zehn Litern sein Auslangen finden muß.

Nicht die privaten Haushalte sind die Wassergroßverbraucher, denn sie konsumieren nur acht Prozent des Süßwassers. 69 Prozent des Verbrauchs entfallen auf die Bewässerung in der Landwirtschaft (in manchen Entwicklungsländern sind es sogar 80 Prozent). Den Rest verbrauchen Industrie und Gewerbe.

Man kann davon ausgehen, daß das Angebot an nutzbarem Süßwasser weltweit nicht mehr entscheidend zu steigern ist. Also geht es darum, die Frage nach einer optimalen Nutzung der verfügbaren Menge zu stellen. Wo gibt es Effizienzsteigerungen? Naheliegenderweise bietet sich die Bewässerung in der Landwirtschaft an. Alles deutet darauf hin, daß in diesem Sektor ein beachtlicher Teil des verbrauchten Wassers verschwendet wird: Schätzungen zufolge könnten bis zu 60 Prozent ohne Einbußen im Ertrag eingespart werden.

Ein weiteres Problem der Süßwasserversorgung liegt in der abnehmenden Wasserqualität. In vielen europäischen Ländern hat sich zwar, was die Flüsse und Seen anbelangt, die Lage durch entsprechenden Umweltgesetze und gezielte Maßnahmen gebessert, in der Dritten Welt liegt jedoch vieles sehr im argen: Ungeklärte Abwässer, chemische Abfälle belasten das Wasser ebenso wie die in der Landwirtschaft eingesetzten Chemikalien.

Auswege? Wie gesagt eine effizientere Nutzung des kostbaren Gutes und eine wirksamere Umweltgesetzgebung zur Erhaltung und Wiederherstellung der Qualität des vorhandenen Wassers. Gefordert wird immer häufiger aber auch die Abkehr vom Prinzip der weitgehend kostenlosen Nutzung dieser wertvollen Ressource. CG

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