"Wirtschaft geht die Puste aus"

Wilhelm Adamy, Arbeitsmarktexperte des DGB, fordert einen Mindestlohn.

Die Furche: Der Juli brachte in Österreich einen Beschäftigungsrekord. Wie sieht die Lage in Deutschland aus, der Juli zeigte ja erste Schwächen?

Wilhelm Adamy: Alle wirtschaftlichen Indikatoren sprechen dafür, dass der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland dem Ende zugeht. Ich sehe ein erstes Warnsignal darin, dass die Arbeitslosigkeit in der Sommerpause stärker gestiegen ist als im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. Auch die Zahl der Kurzarbeiter ist wieder gestiegen. Man muss schon sagen, dass der deutschen Wirtschaft die Puste auszugehen droht.

Die Furche: Für wann erwarten Sie den Einbruch bei den Beschäftigungszahlen?

Adamy: Der Arbeitsmarkt reagiert immer etwas zeitverzögert. Die deutsche Wirtschaft hatte noch einen guten Jahresauftakt, die Konjunktur hat aber in den vergangenen Monaten deutlich an Fahrt verloren. Ich erwarte eine deutliche Stagnation bei den Beschäftigtenzahlen daher erst für das Jahr 2009 und nicht bereits für dieses Jahr.

Die Furche: Welche Branchen werden besonders betroffen sein?

Adamy: Es sind bereits jetzt in der Baubranche höhere Arbeitslosenraten zu verbuchen als im Vorjahr. Aber auch im Handel drohen Arbeitsplätze verloren zu gehen, wenn die Binnennachfrage nicht stabilisiert werden kann. Infolge des gestiegenen Ölpreises wird es allerdings auch in noch florierenden Gewerben - wie der Automobilbranche - zu einer Abschwächung kommen.

Die Furche: Was erwartet sich der Deutsche Gewerkschaftsbund nun von der Politik?

Adamy: Die schulische und betriebliche Aus- und Weiterbildung muss intensiviert werden, trotz der Hartz-Reformen brauchen Langzeitarbeitslose endlich bessere Förderung, und jeder soll wieder von seinem Einkommen leben können - wir brauchen den Mindestlohn von 7,50 Euro. Gegen die globalen Ursachen der Konjunkturschwäche kann man nur gemeinsam mit anderen Regierungen etwas bewegen: Die internationalen Finanzmärkte müssen besser reguliert werden.

Das Gespräch führte Thomas Meickl.

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