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Zinssenkung und Bankenhilfe

Die Konjunktur im Euroraum hat sich in der zweiten Jahreshälfte deutlich abgeschwächt. Eine Reihe von Faktoren, wie zum Beispiel die Staatsschuldenkrise und die schwache Exportnachfrage, hat dazu beigetragen. Rund um den Jahreswechsel ist mit einer Stagnation oder sogar mit einem leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung zu rechnen, bevor es wieder zu einem moderaten Wachstum kommen wird. Aus diesem Grund revidierten die Experten des Eurosystems die Prognose für das Jahr 2012 nach unten; sie erwarten nur noch ein BIP-Wachstum im Euroraum zwischen -0,4 und 1%.

Auf der Inflationsseite beobachten wir im Euroraum zwar weiterhin Inflationsraten von 3%, dies ist jedoch als temporäres Phänomen zu sehen. Die Inflationsrate wird im Lauf des nächsten Jahres wieder unter 2% fallen.

Vor dem Hintergrund sich deutlich verschlechternder Konjunkturaussichten bei gleichzeitig sinkendem Inflationsdruck hat das Eurosystem die Leitzinsen ein weiteres Mal um 25 Basispunkte auf nunmehr 1% gesenkt. Da es zu einem großen Teil Spannungen auf den Finanzmärkten sind, die dämpfend auf die Realwirtschaft wirken, kann die Geldpolitik neben der konventionellen Zinspolitik auch unkonventionelle Maßnahmen ergreifen, um diesen Spannungen entgegenzuwirken. Der EZB-Rat beschloss daher des Weiteren, den Banken im Euroraum auch langfristige Finanzierungen für drei Jahre anzubieten sowie die Liste der dafür benötigten Sicherheiten auszuweiten.

Mit diesen Maßnahmen soll der Finanzierungsbedarf der Banken, der vor allem im nächsten Jahr groß sein wird, gesichert werden. Dem Bankensektor werden damit ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt werden, um die Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte zu sichern und so die Realwirtschaft anzukurbeln.

Der Autor ist Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank

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