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"Zug wird nicht in Verkehr gesetzt“

Dass die Züge der Bahn "hinter Leoben versickern“, ist seit Herzmanovsky-Orlando literaturbekannt; dass sie gelegentlich gar nicht abfahren, ist eine persönliche Erfahrung, die der Autor dieser Zeilen mit anderen Leidtragenden kürzlich teilte.

Quelle des Übels war am 27. 5. eine Stromstörung (Kabelbrand?). So etwas bringt den Fahrplan gehörig durcheinander; aber nicht nur ihn, sondern auch das Informationssystem - so ein solches existiert. Noch eine Stunde vor der Planabfahrt des Zuges nach Graz (11:02) wurde im "Reisezentrum“ bestätigt, dass dieser Zug (mit Diesel-Lok) pünktlich abgehen würde. Brav warteten die hoffnungsvollen Passagiere und verzichteten, in den Zug nach Villach (mit Umsteigemöglichkeit in Bruck a. d. Mur) einzusteigen; das war um ca. 11:20. Kurz vor 12 Uhr kam dann die lapidare Nachricht via Lautsprecher, dass der Zug nach Graz "nicht in Verkehr gesetzt wird“ - eine Formulierung, die Herzmanovsky entzückt hätte. Um den Termin in Graz einzuhalten, wurde schließlich ein Auto genutzt. Es gab keine Vorwarnung, keine Entschuldigung - nur den Dank "für Ihr Verständnis“.

Die ÖBB hat die Bahnhöfe in den letzten Jahren großzügig modernisiert. Die Qualität des Transports von A nach B gilt offensichtlich als nachrangig. In diesen Tagen wird über eine mögliche Privatisierung der Bahn diskutiert, und auf der Weststrecke erwächst der Bahn Konkurrenz. Vielleicht reift dadurch auch die Einsicht, dass man weniger in teure Werbung investieren sollte, sondern zunächst die Produktqualität verbessern muss. Gründlich und nachhaltig. Sonst wird der staatlichen Bundesbahn niemand eine Träne nachweinen: nicht die Steuerzahler, nicht die Bahnkunden; allenfalls ein paar Gewerkschafter sowie Frühpensionsaspiranten, die gut vom bisherigen System gelebt haben.

Der Autor ist Konsulent bei GfK Austria

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