Nonseum Regenschirm für Pessimisten Weinviertel - © Foto: Jiro Shimizu

30 Jahre Nonseum: Die gfeanzte Ideenschmiede

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Anfangs kritisch beäugt, hat sich das Nonseum im Weinviertel zum Tourismusmagneten gemausert. Das Prinzip der „Technologieoffenheit“ wird hier besonders hintersinnig ausgelebt. Ein Besuch zum 30-Jahr-Jubiläum.

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Anfangs kritisch beäugt, hat sich das Nonseum im Weinviertel zum Tourismusmagneten gemausert. Das Prinzip der „Technologieoffenheit“ wird hier besonders hintersinnig ausgelebt. Ein Besuch zum 30-Jahr-Jubiläum.

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Im Weinviertel hat man ein Herz für Hinterbliebene. So sieht es zumindest Fritz Gall und sein Herrnbaumgartner „Verein zur Verwertung von Gedankenüberschüssen“. Was hier gesammelt und ausgestellt wird, sind zum Beispiel einzelne Socken. Die armen Zurückgebliebenen schmücken nicht nur das Nonseum selbst, sondern werden auch zuhauf in den sanften Hügeln rund um den Ort aufgehängt. „Einmal im Jahr, am Nationalfeiertag, gibt es dann einen Rundgang zu den verwaisten Singlesocken“, erzählt Gall auf seiner Führung durch das besondere Museum. Nicht ganz unstolz fügt er hinzu, dass das Museum mittlerweile Sockenpost aus aller Welt bekomme – von Menschen, die ihre Einzelsocken „spenden“ würden.

Der einmalige Sammlungsort in der 900-Seelen-Gemeinde im Bezirk Mistelbach feiert heuer sein 30-jähriges Bestehen. Fast 500 Erfindungen haben sich in dieser Zeit auf rund 700 Quadratmetern angesammelt, verteilt auf zwei Gebäude und einen großen Garten. Fritz Gall, geboren 1957 in Mistelbach, ist studierter Bildhauer und pensionierter Kunstlehrer. 1986 ließ er Wien hinter sich, kehrte in seinen Heimatort Herrnbaumgarten zurück und wurde dort „Nonseums-Direktor“. Seither führt er regelmäßig durch die Räumlichkeiten und erzählt dabei gerne die Geschichte des Ortes.

Experimente im Wirtshaus

Begonnen habe man 1994 mit einem kleinen Gebäude, das die Gemeinde zur Verfügung stellte. Rasch zeigte sich jedoch, dass man mehr Platz für die wachsende Zahl an Exponaten brauchte. So kam der ehemalige Schulgarten dazu und nach weiteren zehn Jahren eine ganze Halle. Die Suche nach Sponsoren sei bis heute keine leichte, sagt Gall, der das Museum fast wie einen Familienbetrieb führt. „Ohne die Unterstützung meiner Gattin Betty, meiner jüngeren Tochter Alma und meiner verstorbenen Schwiegermutter Anneliese wären der Aufbau und Fortbestand unmöglich gewesen“, sagt Gall. Wurde das Nonseum zu Beginn von den Einheimischen noch kritisch beäugt, ist es mittlerweile zum Tourismusmagneten im Weinviertel geworden, von dem alle profitieren. Gibt es einen Engpass bei Führungen, hilft heute sogar der Bürgermeister aus.

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