Jobfrust Burnout Burn On - © Foto: iStock/PeopleImages

Burn On: Unbemerkt verglühen

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Burn Out ist nur die Spitze des Eisbergs: Zwei Therapeuten beschreiben das neue Krankheitsbild des Burn On. Ihr Vorstoß ist nicht nur wissenschaftlich, sondern auch politisch relevant.

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Burn Out ist nur die Spitze des Eisbergs: Zwei Therapeuten beschreiben das neue Krankheitsbild des Burn On. Ihr Vorstoß ist nicht nur wissenschaftlich, sondern auch politisch relevant.

Personalvertreter warnen seit Monaten vor „überarbeiteten Mitarbeitern“: Ärzte und Ärztinnen sowie das Pflegepersonal in den Krankenhäusern sind nun mit den Folgen der vierten Corona-Welle konfrontiert. Bereits im Mai zeigte eine Umfrage, dass sich mehr als die Hälfte der Spitalsärzte körperlich oder emotional erschöpft fühlt. Ebenfalls mehr als die Hälfte spielte mit dem Gedanken, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen oder den Job zu wechseln. Laut weltweiten Studien hat die Corona-Pandemie bei Ärzten bereits vorhandene Belastungen weiter gesteigert – und somit auch das Risiko für Burn Out.

Unersättlicher Arbeitsmodus

Burn Out ist ein krisenhafter Erschöpfungszustand, der seit Jahrzehnten erforscht wird. Bezeichnenderweise wurde die Störung bei Mitarbeitern im Gesundheitswesen in den 1970er-Jahren erstmals beschrieben. Obwohl Burn Out durch unzählige Medienberichte mit Auftritten prominenter Betroffener zu einem populären Begriff geworden ist, wurde das Syndrom in der Wissenschaft lange kontrovers diskutiert. Erst 2019 hat es die WHO in die Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) aufgenommen. Doch folgt man den Ausführungen von Bert te Wildt und Timo Schiele, ist das Burn Out ohnehin nur die Spitze des Eisbergs. In ihrem heuer erschienenen Sachbuch schildern sie ein viel grundlegenderes Problem und schlagen damit gleich ein neues Krankheitsbild vor: das Burn On. Denn krankhafte Erschöpfung führe nicht immer zum dramatischen Zusammenbruch. Während das Burn Out irgendwann knallt, bleibt Burn On stets still, so die deutschen Autoren von der Psychosomatischen Klinik im Kloster Dießen am Ammersee. Während Burn Out für eine akute und fulminante Erschöpfungsdepression steht, sei das Burn On-Syndrom „die chronische Form der Erschöpfungsdepression, die bislang individuell und kollektiv im Verborgenen geblieben ist.“

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