#Corona

Das Virus und wir

DISKURS
Impfen Corona - © Foto:  picturedesk.com / APA  / Herbert Neubauer

Corona: Lückenhaft immun

1945 1960 1980 2000 2020

Trotz zweifacher Impfung an Covid erkrankt: „Impfdurchbrüche“ sorgen für Verunsicherung. Aber auch angesichts neuer Virus-Varianten bieten Impfungen einen effektiven Schutz.

1945 1960 1980 2000 2020

Trotz zweifacher Impfung an Covid erkrankt: „Impfdurchbrüche“ sorgen für Verunsicherung. Aber auch angesichts neuer Virus-Varianten bieten Impfungen einen effektiven Schutz.

„Wenn ich nicht geimpft gewesen wäre, würden wir heute wohl nicht mehr telefonieren“, sagt Georg Wick nüchtern. Der Immunologe und ehemalige FWF-Präsident hat sich trotz zweifacher Corona-Impfung mit dem Virus angesteckt. Nach milden Grippesymptomen ist er bereits auf dem Weg der Besserung. „Ein französischer Spruch besagt, dass jedes Unglück auch sein Gutes hat“, so der emeritierte Professor der Universität Innsbruck im Gespräch mit der FURCHE. „In meinem Fall bedeutet das nicht nur, dass ich im fortgeschrittenen Alter glimpflich davongekommen bin. Durch die Infektion bin ich jetzt auch gegen die Delta-Variante immunisiert.“ Seine Geschichte zeigt, dass die verfügbaren Impfungen, die noch anhand des ursprünglichen Virus aus Wuhan entwickelt worden sind, gegen neue Corona-Varianten nur einen reduzierten Schutz gewährleisten. Trotz vollständiger Immunisierung sind Infektionen weiterhin möglich.

Infektionsdruck von den Jüngeren

Von einem „Impfdurchbruch“ spricht man, wenn es bei Zweifach-Impfungen mindestens sieben Tage nach der zweiten Dosis (bzw. 28 Tage nach Einfach-Impfung) zu Symptomen wie z.B. Husten, Kurzatmigkeit oder Fieber kommt. Ein positiver Test ohne Symptome gilt noch nicht als Impfdurchbruch. Dass sich auch geimpfte Personen mit Corona infizieren können, nährt bei manchen Zweifel an den Impfungen. Die Impfstoffe zielen jedoch darauf ab, schwere Erkrankungen – und nicht Infektionen – zu verhindern. Covid-Symptome werden aufgrund des Impfschutzes wesentlich abgeschwächt. Das ist ein Schutz, der vor allem bei älteren Menschen überlebenswichtig sein kann. Je mehr Geimpfte es gibt, desto mehr Impfdurchbrüche werden wir numerisch haben; das hat aber nichts mit einer Abnahme der Effektivität zu tun“, sagt Markus Zeitlinger, Leiter der Abteilung für Klinische Pharmakologie an der Med-Uni Wien, gegenüber der APA.

So zeigt eine US-Studie, dass Impfungen fast immer gravierende Symptome bzw. stationäre Aufnahmen verhindern können. Auch aus den Daten der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) geht hervor, dass der Anteil der vollständig Geimpften an den Covid-Fällen seit Jahresbeginn bei lediglich 0,6 Prozent liegt. Berichte aus Israel zeigen zwar höhere Raten an Impfdurchbrüchen; das liegt jedoch vor allem daran, dass das Land eine Vorreiter-Rolle bei den Impfungen hat. Da die Impfung bei vielen Israelis bereits länger zurückliegt, hat ihre Schutzwirkung nachgelassen. Hierzulande empfiehlt das Nationale Impfgremium nun sechs bis neun Monate nach der Vollimmunisierung eine Auffrischungsimpfung.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau