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Die „Hormonersatztherapie“: Jäher Fall eines „Jungbrunnens“

Erste Präparate zur Behandlung von Wechseljahrsymptomen kamen Mitte des vorigen Jahrhunderts auf den Markt. Zunächst nur gegen Wechselbeschwerden im Einsatz, wurden die Hormone allmählich auch als „Jungbrunnen“ angepriesen, die den Alterungsprozess aufhalten könnten. In der Folge wurden Hormone auch zur Vorbeugung von Krankheiten empfohlen, die im Alter gehäuft auftreten, wie Herzkreislauferkrankungen, Osteoporose oder Krebs.

Der zweifelhafte Boom nahm in den USA seinen Ausgangspunkt. Um Nutzen und Risiken zu überprüfen, wurde 1991 vom US-amerikanischen National Institute of Health die „Women’s Health Initiative“ (WHI) initiiert. Über 27.000 Frauen nahmen an der randomisierten und Placebo-kontrollierten Studie teil. Die Frauen waren zwischen 50 und 79 Jahre alt, sie mussten im Großen und Ganzen gesund sein. Die Studie hatte zwei „Arme“: Ein Arm sollte die Wirkung einer Therapie, die nur Östrogen beinhaltet, testen. Dies kam nur für Frauen in Frage, die keine Gebärmutter mehr hatten, denn es war bereits bekannt, dass Östrogen allein das Risiko für Gebärmutterkrebs erhöht. Der zweite Arm sah eine Therapie aus Östrogen und Gestagenen vor. Beide Gruppen waren wiederum in zwei Teile geteilt: Frauen, die ein Präparat erhielten, und Frauen, die Placebo schluckten.

2002 musste der Studienarm mit der kombinierten Therapie vorzeitig abgebrochen werden, wenig später der Östrogen-Arm. Es wurden Risiken deutlich, die den Nutzen überwogen. Die Ergebnisse der WHI-Studie markiert eine Zäsur, nach der Bekanntgabe der Ergebnisse brachen die Märkte für die Hormonbehandlung ein.

Die unabhängige renommierte „Cochrane Collaboration“ – ein Zusammenschluss von Ärzten und Wissenschaftern – fasst in einer aktuellen Übersicht die Ergebnisse aller randomisierten Placebo-kontrollierten Studien zur Hormontherapie zusammen, die länger als ein Jahr angesetzt waren, darunter die WHI-Studie: Demnach steigt bei der kombinierten Therapie aus Östrogen und Gestagenen das Risiko von Thromboembolien und Herzinfarkten (nach einem Jahr), Schlaganfall (nach drei Jahren) und Brustkrebs (nach fünf Jahren) sowie von Gallenblasenerkrankungen und Demenz (bei Frauen über 65 Jahren) signifikant an. Die Behandlung mit Östrogen alleine erhöht das Risiko für Thromboembolien, Schlaganfall und Gallenblasenerkrankungen signifikant.

Dem entgegen steht ein signifikant niedrigeres Risiko für Knochenbrüche (beide Studien-teile) und Dickdarmkrebs (kombinierte Therapie). (bog)

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