impfen - © EPA

Die Impfung ist nicht das Problem

1945 1960 1980 2000 2020

Impfen oder nicht ist gelegentlich eine Streitfrage. Entschieden wird sie auf wissenschaftlicher Basis von Experten. Einige davon entfernte das Gesundheitsministerium aus dem Sanitätsrat.

1945 1960 1980 2000 2020

Impfen oder nicht ist gelegentlich eine Streitfrage. Entschieden wird sie auf wissenschaftlicher Basis von Experten. Einige davon entfernte das Gesundheitsministerium aus dem Sanitätsrat.

Österreich ist ein Land von Impfmuffeln. Auf "deutliche Impfdefizite“ bei der Immunisierung gegen Kinderkrankheiten weist die Österreichische Ärztekammer hin. Laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegt Österreich mit einer Masern-Durchimpfungsrate von 79 Prozent bei den Zweijährigen unter 28 Staaten an letzter Stelle. Gegen Keuchhusten sind 85 Prozent der Zweijährigen geimpft; damit liegt Österreich am viertletzten Platz in der OECD. Nicht einmal ein Drittel der Österreicher hält die Keuchhustenimpfung für unbedingt notwendig - dabei stirbt einer von 1000 Erkrankten, besonders gefährdet sind Säuglinge.

"Heute haben manche Menschen mehr Angst vor einer Impfung als vor der Krankheit, gegen die geimpft wird“, erklärt Ingomar Mutz, zuletzt Vorsitzender des Impf-Unterausschusses des Obersten Sanitätsrates: "Aber man muss sich nicht vor den Impfungen, sondern vor den Krankheiten fürchten.“ Die Gefährlichkeit der früher weit verbreiteten Infektionskrankheiten wie Kinderlähmung sei dank der Impfprogramme aus dem Bewusstsein verschwunden, analysiert der Impfexperte: "Stattdessen überwiegen heute oft irrationale Ängste.“ Laut einer Umfrage des Market-Instituts fürchten sich 22 Prozent der Österreicher vor den Inhaltsstoffen der Impfungen.

Gegner von Impfungen schüren die Ängste

Es sind die Vorstellung möglicher Nebenwirkungen und bleibender Folgen, die Bedenken auslösen. So erkrankte im Jahr 2004 ein Elfjähriger Kärntner eine Woche nach einer Hepatithis-B-Impfung an einer Entzündung der Sehnerven und erblindete. Im Vorjahr verurteilte das Oberlandesgericht Graz das Land Kärnten wegen mangelhafter Aufklärung über die Impfrisiken zu Schmerzensgeld und "Verunstaltungsentschädigung“. Impfexperte Mutz gibt zu bedenken, dass es keineswegs erwiesen sei, dass die Impfung Ursache der Erblindung sei. "Niemand weiß, ob dieser tragische Fall nicht auch aufgetreten wäre, wenn das Kind nicht geimpft worden wäre. Bei Millionen Schulimpfungen zuvor ist niemand zu Schaden gekommen.“

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau