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Die These vom schwarzen Schaf

Letzte Woche schrieb das Top-Journal Nature scharf: "Etwas ist faul im Staate Österreich", und bezog sich dabei auf zwei Stammzelltherapie-Studien des Innsbrucker Urologen Hannes Strasser. Sie sollen zum Teil ohne behördliche Genehmigung durchgeführt worden sein; zusätzlich steht der Verdacht auf Dokumentenfälschung im Raum. Wissenschaftsminister Johannes Hahn konterte den Vorwurf der "faulen Verhältnisse" mit einer eigenen Erklärung: Ein paar "schwarze Schafe" gebe es eben überall.

Natürlich. Und für dieses Land lässt sich die These noch konkretisieren. Erstens: Schwarze Schafe sind niemals große schwarze Leitschafe. Deshalb wurde auch der Vorstand des Urologie-Departments, Georg Bartsch, sofort freigesprochen - obwohl er auf den Publikationen (die in renommierten Fachzeitschriften erschienen sind) als Co-Autor geführt wurde. Und zweitens: Meistens sind es ausgesprochen kleine schwarze Schafe. Wie etwa beim vorletzten Skandal um die angeblich Gen-schädigende Wirkung von Handy-Strahlen. Die entsprechende Studie wurde von Hugo Rüdiger, (emeritierter) Professor für Arbeitsmedizin an der Medizinischen Universität Wien, Ende Juli zurückgezogen. Schuld an den fabrizierten Daten war eine einfache technische Mitarbeiterin (die auch ein Geständnis ablegte).

Doch zurück zum Stammzell-Skandal. Wie Nature berichtete, hat der Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck Clemens Sorg den Fall ins Rollen gebracht und gehofft, dass die Österreichische Akademie der Wissenschaften eine unabhängige Untersuchung einleiten würde; doch nichts geschah. Natürlich dementierte dies die Akademie sofort und sprach sich jetzt für eine umfassende Aufklärung des Falles aus. Freilich nun ohne Sorg. Denn der wurde mittlerweile vom Universitätsrat abgesetzt. Merke: Wer sich gegen die "geschlossenen elitären Ränge" (©Nature) der hiesigen akademischen Community wendet, ist auf jeden Fall ein schwarzes Schaf.

thomas.muendle@furche.at

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