Wittgenstein - © Foto:  picturedesk.com / akg-images
Wissen

Ehrfurchtsvolles Schweigen

1945 1960 1980 2000 2020

Die Relevanz Ludwig Wittgensteins für Wien präsent zu machen: Diesen Anspruch verfolgt die „Wittgenstein Initiative“. Ein Essay über das Denken des großen Philosophen – und wie es Ansporn für heutige Politik sein könnte.

1945 1960 1980 2000 2020

Die Relevanz Ludwig Wittgensteins für Wien präsent zu machen: Diesen Anspruch verfolgt die „Wittgenstein Initiative“. Ein Essay über das Denken des großen Philosophen – und wie es Ansporn für heutige Politik sein könnte.

Am 29. April 1961, zum zehnten Todestag von Ludwig Wittgenstein, erschien in der FURCHE ein Artikel von Friedrich Heer: Das „kleinbürgerlich, muffig, geistige Provinz gewordene Österreich“ habe im Gegensatz zum angloamerikanischen Raum von diesem Denker keine Notiz genommen, klagte er. Für die damalige Zeit hatte dies sicher seine Richtigkeit, inzwischen hat sich das aber auch in Österreich geändert. Zunächst waren es die Universitäten Graz und Salzburg, die zugleich auch federführend für die 1974 gegründete „Ludwig Wittgenstein-Gesellschaft“ waren, welche ihren Sitz in Kirchberg am Wechsel hat – aus Gründen seiner in umliegenden Dörfern in den 1920er Jahren ausgeübten Tätigkeit als Volksschul lehrer. Seit 1996 existiert mittlerweile der sogenannte „Wittgenstein-Preis“, der für herausragende Leistungen im Bereich der Wissenschaften vergeben wird.

Auch das Institut „Wiener Kreis“ wurde gegründet – und die akademische Philosophie an der Universität Wien beschäftigt sich immer wieder mit dem Denken dieses großen Philosophen. Freilich scheint das Schicksal des von Wittgenstein zwischen 1926 und 1928 entworfenen und erbauten Hauses für seine Schwester Margarethe Stonborough der Hochschätzung des Denkers und Menschen Wittgenstein zu widersprechen. Es sollte Anfang der 1970er Jahre abgerissen werden, in letzter Sekunde konnte der Denkmalschutz intervenieren, und nach zähem Hin und Her wurde es von der Bulgarischen Botschaft gewissermaßen gerettet, die es als Bulgarisches Kulturinstitut in Gebrauch nahm. Dass zwar das Haus selbst buchstäblich in letzter Minute nicht, aber das Grundstück den Spekulationen – vor allem des Bauunternehmers Franz Katlein – zum Opfer fiel, indem es geteilt und der weitläufige Garten abgeholzt sowie ein monströses und gesichtsloses Bürogebäude in dieser bedrängenden Nähe errichtet wurde, sei nur nebenbei erwähnt.